Gibt dir das Leben Zitronen, mach Limonade draus

Lust auf gute Laune? Im Aargauer Kunsthaus blitzt sie neckisch aus jeder Ritze der Werkschau von Klodin Erb (*1963). Erkennbar feministisch, erkennbar ironisch, erkennbar selbstbewusst.

Die Mondäne der Frau ist das adrette Heim. Zumindest der gesellschaftlich etwas höhergestellten. Für den Fall, dass es sie raus in die Welt zieht, also vor die Tür, so zu Repräsentationszwecken am Arm ihres Göttergatten, haben Mode, Kosmetik und Coiffuren eine regelrechte Armada an Möglichkeiten hervorgebracht, mittels derer sie sich heimlich, still und Leise in der Intimität ihres Boudoirs für ihren grossen Auftritt aufhübschen kann. Jetzt erinnert der Vorhang bei Klodin Erb mehr an eine Guillotine als an den grossen Auftritt im Scheinwerferlicht. Und die aufwändig gestickte Seidentapete muss sich ihre erhabene Aufmerksamkeit mit spröden Kitschdrucken auf Polyester teilen. Die Waffe der Frau ist längst nicht mehr der Dolch im Strumpfband, sondern getreu der feministischen Selbstermächtigung der Welle der 1970er-Jahre, die Vulva, die Klitoris, der Uterus. All das, was unter dem Begriff «das da unten» über Jahrhunderte bis teilweise sogar ins Heute hinein als eklig und ungeheuer abgetan wurde. In ihrer Serie «Venus in Furs» ist der Frauenschritt der Quell für Freude und der Ursprung jedweder tragfähigen Hoffnung. Klodin Erbs profunde Kenntnis von weitgefächerten kulturellen Codes zu jeder Zeit ermöglichen es ihr, über das gesamte Werk hinaus Referenzen zu streuen. Weil jetzt, gelinde gesagt, die komplette Gleichstellung der Geschlechter halt eher halbpatzig umgesetzt ist, hat sie frei nach Virginia E. Wolffs Roman «Make Lemonade», worin sich eine junge Frau aus der US-amerikanischen Unterschicht erfolgreich den Zugang zu ihrer Emanzipiertheit hart, aber erfolgreich erkämpft, die Figur einer Zitrone in ihr Werk aufgenommen. Als (quasi) Weltformatplakate, als Film, als Kritzelei und als Stillleben in Öl, aber zur Hauptsache als Sinnbild für die wagemutige, rotzfreche Mafalda, die sich partout nichts vorschreiben und schon gar nichts verbieten lassen will. In einer neueren Serie «Leda und der Schwan» lässt sie die Tiefgründigkeit grossen Ernstes in ihr Werk. Wenn im Sinne altmeisterlicher Malerei, die sie in (nicht Klein-)Blau hält und mit Silber, Glitter und Federn erweitert, den Frauenkörper und das sinnbildliche Biest in der Form des antiken Symbols für Reinheit in Posen festhält, in denen die Zärtlichkeit einer erotischen Annäherung und der Gewaltakt einer körperlichen Überwältigung als nur sehr unscharf voneinander unterscheidbar festhält, winkt sie ein klitzekleinwenig mit dem Zaunpfahl, dass hier, obschon es mitunter einen fröhlichen Anschein erweckt, überhaupt nicht alles die reine Jux und Tollerei im Sinn führt. Sondern eine ernstliche Auseinandersetzung respektive der künstlerische Ausdruck davon, was es bedeutet, sich als Frau erstens überhaupt und zweitens auch noch im Beruf alias Haifischbecken der Kunstwelt erfolgreich durchsetzen zu vermögen. Schmecken Sie das Bittere der hier verabreichten Vitaminspritze schon im Mund?


«Klodin Erb: Vorhang fällt. Hund bellt», bis 4.1.26, Aargauer Kunsthaus, Aarau. Katalog.