- Post Scriptum
Gewalt gewinnt
Weltpräsident T. macht es uns einmal mehr zu einfach: Was ist er doch für ein ausgekochter Lump! Einst selbstbezichtigender Muschigrabscher, will er nun gleichwohl kein Busenfreund im Pädo-philenring gewesen sein. Den fortwährenden medialen Lärm darüber weiss er geschickt zu übertönen. Krachend räumt der orange Elefant im Porzellanladen der internationalen Diplomatie auf: Kanada, olle Kamelle – nimm das (Klickeradoms)! Ukraine, hast wohl einen Sprung in der Schüssel – geh scheissen (Ka-klong-Kracks)! Venezuela, du Armleuchter – dir will ich Moritz leeren (Zackbummkräsch)! In den Atempausen Säbelrasseln: Grrröööhnlannnd! Iijjislaahndd!
Sich fremdschämend ergötzt die Welt sich links und rechts davon an so viel plumper Dreistigkeit. Auch hierzulande fehlte uns direkt der Massstab für Wohlanständigkeit, seit Berlusconi tot ist und Blocher tatterig. Gut, dass uns wieder einmal jemand zeigt, wie die Dinge bei uns sicher nicht liegen. Bei uns ist das Völkerrecht kein «altes Buch», wie kürzlich ein Politologe Münkler im ZDF munkelte. Bei uns hält man sich noch ans Gesetz, vor allem an die BV, aber auch ans OR, ans SchKG, ans ZGB etc. pp.
Bloss: Der Machtmissbrauch beginnt nicht bei gewissenlosen Anführern. Sondern dort kulminiert zuletzt als Tsunami, was sich davor in vielen kleinen Wellen hochgeschaukelt hat. Niemand lebt in sicherer Distanz zum Missbrauch. Er beginnt da, wo die vermeintlich zu kurz Gekommenen sich in Selbstgerechtigkeit üben. Dazu braucht jemand kein Amt, keine einflussreichen Beziehungen und keine Milliarden. Ein winziges Schalthebelchen genügt – ein rechtsrum oder ein linksrum drehendes –, um Einfluss zu nehmen, Menschen zu richten, sie auszuliefern oder zu schützen. Zur Trübung des moralischen Kompasses reicht es bereits aus, dass man sich der eigenen Privilegien, Machtstellung, Einflussnahme nicht bewusst ist.
Am alltäglichen Beispiel des Wohnens veranschaulicht: Subventionierte städtische Wohnungen sind in Zürich einkommensschwachen Leuten vorbehalten. Viele wollten aber beim sozialen Aufstieg nicht wahrhaben, dass damit ihr Anspruch auf eine günstige Bleibe wegfiel und sie nicht mehr die angepeilte Zielgruppe waren. Daher musste schliesslich die Obrigkeit durchgreifen und kontrolliert nun periodisch die Einkommenssituation in ihren Wohnungen – wer zu viel verdient, muss gehen. Gut möglich, dass der eine oder die andere Betroffene Gründe findet, warum im persönlichen Einzelfall eine Ausnahme gelten sollte, Unrecht empfindet, die Faust im Sack macht, aufs Sozialwesen schimpft. Gemeinhin ist man sich in linken Kreisen aber einig, dass die Immobilienspekulanten der BöFei sind, so à la «Wenn wir die Häuser besässen, wäre alles besser». Langjährige Erfahrung als genossenschaftliche Mitbesitzerin hat mich anderes gelehrt. Auch hier ist das Leben nur so gut wie die Menschen, die die Statuten anwenden. Also bestenfalls durchschnittlich. Denn das Schlechte setzt sich überall mit mehr oder weniger subtiler Gewalt durch, das Gute muss man auf dem mühseligen Instanzenweg erstreiten, und dafür fehlt meist die Energie.
Auf einem solchen Substrat der Privilegienvergessenheit und Selbstherrlichkeit ist die heute verbreitete proto-faschistische Haltung gediehen, dass nur Deppen sich an Recht und Gesetz halten. Nicht nur in Trumphausen, sondern auch in Trüllikon, Truttikon und Hinterfüdlituttingen.