Gehirnwäsche

Phil Hayes und Nada Gambier legen einander eine Stunde lang sinnfreie Entweder-oder-Ultimaten zur Wahl vor.

 

Zwei augenscheinliche Parallelen hat die Performance «These Are My Principles…» zuallererst: Das kontinuierliche Verbreiten von Halbwahrheiten mit dem Ziel, dass etwas davon schon hängen bleibt, und der dazu gehörenden Methode, etwas Falsches so lange zu behaupten, bis es der Absender selber glaubt. Die Folge der Wahlentscheidungen, in dessen Spiel sich beide freiwillig geben, ist an sich selber verhältnismässig schnell zu beobachten. Anstatt die kritische Distanz zu diesem Spiel zu halten und sich über die absonderlichen Beispiele dieses Entweder-Oder zu wundern, beginnt der eigene Kopf wie automatisch bald einmal über die getroffenen Wahlen der beiden Performenden Sympathie und Antipathie gegenüber den Sprechenden zu entwickeln. Das grenzt an Gehirnwäsche auf der am leichtesten zu durchschauenden Ebene, die sonderbarerweise dennoch trefflich funktioniert. Jetzt sind Phil Hayes und Nada Gambier in ihrer politischen Extremität oder der Gesellschaft zersetzenden Absicht vergleichsweise harmlos. Aber der rund einstündige Schlagabtausch versetzt einen zuletzt in ein sehr viel weiterreichendes Grübeln. Was wäre, wenn…? Ist auf der Absenderseite eine nicht nur theoretische Frage, aber noch sehr viel erschreckender ist die Umkehr der Fragerichtung. Wenn sie in sich hinein gestellt wird, und anhand der eigenen Gedankengänge während der Performance «These Are My Principles…» schon Ansätze zu einer komplett unlogischen Verführbarkeit erkannt werden können, wie resistent gegenüber solchen Einflussnahmen wäre man selber, wenn diese gezielter und raffinierter und getragen von einer lenkenden Absicht bis hin zur Boshaftigkeit daher kämen? Mit dieser Performance glückt es Phil Hayes, einen anhand eines beabsichtigt krass vereinfachenden Exempels den simplen Mechanismus von Gedankenlenkung zu demonstrieren, aus der auch schnell eine Überzeugung wachsen kann.

 

«These Are My Principles…», bis 3.12., Gessnerallee, Zürich.

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