- Kultur
Gefangen
«Wet dreams» von Valerie Reding will mehr als Happening denn Vorführung wirken, weshalb sich Bühnen- und Publikumssituation vermischen. In einer Art Goth-Poser-Überhöhung tendieren die feuchten Träume sehr viel weniger in Richtung Eros und Sexus als vielmehr in Richtung Grenzen- alias Schamlosigkeit im Ausdruck. Wenn überhaupt, tendiert die mitunter bis in den Manierismus gesteigerte exzessive Eigenzurschaustellung einer Wonneempfindung als etwas allein für sich Herstellbares. Sowohl in der Ästhetik von Pin-Up, Stützlisex und Werbung als auch als Beweisführung respektive Eigenerleben des Nichttotseins, Nichtermattetseins, Nichtweltfremdseins. Die nächstgelegene Option für eine diesbezügliche Weiterentwicklung sieht «Wet dreams» in einer zumindest bezüglich der Evolution und der damit einhergehenden Kulturtechniken in einer Rückhinwendung ins Archaische, Tierische, notabene Äffische. Die alleinige Umkehr der Betrachtungssituation im Zoo, wenn die ausgestellten Wildtiere die gesittet Stauenenden zu füttern beginnen, ist als Lesartvariation immer noch derselbe Ausdruck einer tiefen Verwurzelung respektive Gefangenschaft in überhaupt zur Verfügung stehenden Denk- und Handlungsmustern. Verwilderung als Projektionsfläche mag individuell empfunden als ein Akt der Befreiung oder gar ein Ausbrechen aus dem Rahmen jedweder Konvention erscheinen und sich auch durchaus befreiend so anfühlen. Die Skepsis gegenüber einer mutmasslich darin mitschwingenden Verklärung bis Verkitschung im Sinne einer paradiesisch absoluten Reinheit, generiert auf einer gegenüberliegenden Rezeptionsperspektive nicht die gleichermassen ungeteilte Euphorie. Sich dessen bewusst, greift «Wet dreams» auf Klang und Licht, Überlagerung und Überblendung zurück, notabene elektronischen Ursprungs. Eine Art szenische Überwältigung glückt damit sehr wohl, wohingegen sich Inhalt und Form als sich gegenseitig ausschliessende Impulse offenbaren. Ein immersives Oxymoron quasi.
«Wet dreams», 27.1., Tanzhaus, Zürich.