Frauenparkplatz

Was folgt, ist nur eine kleine Geschichte, aber ich finde, sie sollte unbedingt erzählt werden: Die Grossmutter spaziert mit ihrem sechsjährigen Enkel von der Bushaltestelle nach Hause. Auf ihrem Weg kommen sie am Sitz eines grossen Konzerns vorbei, der vor dem Haus einen eindrucksvollen Parkplatz hat.

 

Nahe am Haupteingang der Firma befinden sich ein paar Frauenparkplätze. Die Abkürzung führt sie quer über den Platz, und wie sie grad auf der Höhe des Parkplatzes sind, fährt ein flotter Porsche an ihnen vorbei, biegt auf den Parki ein und parkiert mit Schwung mitten auf einem dieser Frauenparkplätze.

 

Aussteigen tut ein flotter Junker in feinem Tuch. Er schliesst seinen Porsche ab und will sich grad Richtung Haupteingang bewegen, als er von der Grossmutter zurückgepfiffen wird mit dem höflichen, aber deutlichen Hinweis, dass seine Karre auf einem Frauenparkplatz stehe.

 

Und was passiert? Der flotte Mann guckt irritiert hin, entschuldigt sich ein erstes Mal, steigt in seinen Wagen, parkiert um, steigt wieder aus, entschuldigt sich noch ein paar Mal, es sei keine Absicht gewesen und er habe das vollständig übersehen, und dann geht er seinen Geschäften nach.

 

Der Kleine ist baff. Dass seine Nana die beste aller Welten ist und ein bisschen mehr kann als andere, hat er schon immer gewusst. Genau genommen kommt sie in seinem Weltbild grad knapp nach CR7. Sehr knapp. Aber dass sie es fertigbringt, quasi mit einem Satz einen Porsche(!)fahrer dazu zu bewegen, dass er seinen Porsche umparkiert – das grenzt an Zauberei.

 

Welchen Zauberspruch die Grossmutter genau verwendet hat, hat er allerdings nicht verstanden, also fragt er nach, und die Nana erklärt ihm, was ein Frauenparkplatz ist und dass er eben darum nahe am Eingang situiert ist, damit die Gefahr, überfallen zu werden, geringer ist. Hoffentlich. Das wiederum leuchtet dem Kleinen überhaupt nicht ein. «Aber Nana», meint er, «wenn du überfallen wirst, musst du dich eben verteidigen.» Und untermalt seine Ausführungen mit entsprechender Gestik, quasi frisch vom Kindergartenpausenplatz.

 

Die Grossmutter sieht ein, dass hier mit Argumenten wenig auszurichten ist, da der Erlebnishintergrund des Enkels inkl. Lebenserfahrung logischerweise mehr als nur ein bisschen abweicht, und sie schlägt ihm daher ein Spiel vor: «Du bist die Frau, parkierst dort hinten, weit weg, und dann willst du zum Eingang laufen. Und ich versuche, dich zu überfallen.»

 

Gesagt, getan. Die Sache ist angenehm gruselig, und obschon der Enkel weiss, dass er gleich «überfallen» werden soll und er darum natürlich speziell wachsam ist, gelingt es der Grossmutter, sich anzuschleichen und ihn zu schnappen, und das war’s dann mit dem sich Verteidigen, denn die Nana ist grösser und stärker.

 

So war das, auf dem Parkplatz des grossen Konzerns. Was der Enkel übrigens nicht fragte, ist, warum es überhaupt Frauenparkplätze braucht, aber das ist eine andere Geschichte. Und die Moral von dieser Geschicht’? Nun, wissen tun wir’s ja nicht genau, aber ich hoffe mal: Zwei Junker, die etwas gelernt haben.

 

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