Feministen / mÄrsche

Dürfen Männer Feministen sein? Diese Frage stellte die vorgestrige ‹20Minuten›; es ging darum, ob Männer in einen Women’s March gehören. Der grüne Nationalrat Jonas Fricker wurde da zitiert: Feministinnen, die Gleichstellung forderten, ohne die Männer einzubeziehen, seien stehengeblieben; Frauenrechte seien Menschenrechte und daher auch ein Anliegen der Männer. Nun: Von mir aus dürfen Männer sehr wohl Feministen sein! Aber sie können keinesfalls Feministinnen sein.

 

Männer sollen sich ruhig für Frauenanliegen oder feministische Anliegen stark machen: Etwa indem sie am Arbeitsplatz die sexistische Haltung von Kollegen anprangern oder sich in der Politik für geschlechtergerechte Löhne und Renten einsetzen oder in alltäglichen Diskussionen für Feministinnen Partei ergreifen oder die vielen unsichtbaren Benachteiligungen der Frauen sichtbar machen. Natürlich dürfen sie solidarisch familiäre Gratisarbeit und prekäre Care-Arbeit leisten oder mal für sich selber auf den Tisch klopfen und endlich anständigen Vaterschaftsurlaub und eine Generalisierung der Teilzeitarbeit für Männer erstreiten. (In der gleichen Zeitung liest man übrigens, westschweizer Gewerkschafter (sic) hätten sich gegen ein höheres Rentenalter für Frauen ausgesprochen. Das ist doch was!)

 

Mir ist aber nicht bekannt, dass einer der Märsche als ‹feminist› (engl.), Feministen-, FeministInnen- oder auch nur als Feministinnen-Marsch deklariert gewesen wäre. Am 11. März in Zürich war es eine von Frauen organisierte Kundgebung zum internationalen Frauentag, der von einigen Frauen sogar als Frauenkampf-Tag oder Frauen-Kampftag interpretiert wird. Jedenfalls: ein Marsch in Sachen Frau. Am 18. März hiess es weltweit sinngemäss: «Marche mondiale des femmes». Noch eindeutiger: Ein Frauenmarsch. Selbstverständlich dürfen Feministen auch an Frauenmärschen ihre Solidarität kundtun! Sie können zum Beispiel am Strassenrand stehen und applaudieren. Oder nebenhergehen und den Frauen fähnchenschwingend zujubeln. Wenn es den Frauen passt, dürfen sie auch mittendrin mitgehen. Wenn dies den Frauen zu aufdringlich ist, dürfen sie immer noch als Männer- oder Feministengarde hinter den Frauen hergehen. Ein Recht auf Mitsprache beim Frauenmarsch – also wo die Männer laufen, oder ob es angebracht sei, das Feministinnen ihre Brüste entblössen usw. – haben Männer aber ebenso selbstverständlich nicht, auch nicht wenn sie Feministen sind. Das wäre etwa so, wie wenn Abstinenzler sich das Recht erstritten, bei den Anonymen Alkoholikern gestaltend einzugreifen oder Weisse bei den Black Panthers. Allenfalls könnte man nochmals darüber reden, wenn Feministinnen umgekehrt das Recht und die Gelegenheit bekämen, in beliebigen formellen Männerbünden und informellen Männerbastionen wie Bruderschaften, Logen, Gremien, Ausschüssen, Direktorien, Berufszweigen, Militär, Hierarchien, Politik, Lobbys usw. usf. die Spielregeln nach ihrem Geschmack zu ändern.

 

Von so etwas sind wir aber – gerade in Zürich –meilenweit entfernt. Wie war das noch mit dem Sechseläuten-Umzug? Obwohl nicht explizit ein Männermarsch, gibt es da aller Arten Zünfte aus lauter Männern und eine einzige Frauenzunft, die aber nur auf Einladung der Männer mitmachen darf und ansonsten gesondert laufen muss… Hier wäre doch mal ein Betätigungsfeld für empörte Feministen. Wenn man in den Reihen der Frauenmärsche nun also über einige Männer spottet, so heisst dies nur eins: Die betreffenden Frauen, also ggf. Feministinnen, waren überdurchschnittlich grosszügig und tolerant.

 

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