Der Warnstreik des Fahrpersonals von Stadtbus Winterthur hat erstmals konkrete Gespräche mit der Geschäftsleitung von Stadtbus gewirkt. Zuvor waren die Anliegen des Fahrpersonals über zwei Jahre nicht aufgenommen worden. (Bild: Matthias Erzinger)

Erster Erfolg für Fahrpersonal

Die Fronten zwischen dem Fahrpersonal von Stadtbus Winterthur auf der einen Seite, dem Stadtrat und der Geschäftsleitung von Stadtbus auf der anderen Seite beginnen sich aufzuweichen: Nach einer «konstruktiven Verhandlungsrunde» wurde ein weiterer Termin auf den 2. April angesetzt und es werden vorerst keine weiteren Kampfmassnahmen erfolgen, wie die Stadt Winterthur und der VPOD in einer gemeinsamen Medienmitteilung festhielten.

Offenbar hat die Geschäftsleitung von Stadtbus erkannt, dass sie die vom Fahrpersonal vorgelegten Verbesserungsvorschläge bezüglich der Arbeitsbedingungen ernsthaft prüfen und angehen muss. Gemäss der Medienmitteilung haben Stadtbus und die Verhandlungsdelegation des Personals vereinbart, in den nächsten Tagen notwendige Abklärungen und Arbeiten zu den diskutierten Lösungsansätzen – etwa für die Themen Ersatzdienste und Minusstunden – vorzunehmen. Bereits im Vorfeld der letzten Verhandlungsrunde hatte die Stadt angeboten, per Juni auf einen der vier umstrittenen Ersatzdienste pro Monat zu verzichten. Dies sei jedoch zu wenig, hielt damals der VPOD fest. Es müssten vor allem im Bereich Einsatzpläne konkretere Schritte erfolgen. 

Offenbar ist Stadtbus nun in den Hauptpunkten bereit, konkrete Lösungen im Sinne der Gewerkschaft zu erarbeiten. Dies muss als klarer Erfolg des Fahrpersonals gewertet werden. Im Gegensatz zum zuständigen Stadtrat Stefan Fritschi hatte die Gewerkschaft immer betont, es gehe nicht um die grundsätzlichen Lohnansätze, sondern es stünden technische Fragen der Einsatzplanung im Vordergrund, die nach Ansicht der Gewerkschaft auch keine politischen Prozesse auslösen würden, wie dies zu Beginn von Seiten des Stadtrates angeführt worden war. Genannt wurde unter anderem der Beizug externen Fach-Knowhows für die Einsatzplanung.

Lange Vorgeschichte

Mit dem nun vereinbarten Vorgehen scheint die Haltung von Stadtbus nun endlich in Bewegung geraten zu sein. Vorangegangen war jedoch eine mehr als zweijährige Blockade der Stadt gegenüber den durch das Fahrpersonal verschiedentlich thematisierten kritischen Arbeitsbedingungen. «Wir wurden immer wieder vertröstet», hielten Vertreter des Fahrpersonals vor zwei Wochen fest, als sie in einen rund vierstündigen Warnstreik traten. Damals wurde ihnen der Vorwurf gemacht, dass es beim Streik mehr um die bevorstehenden Stadtratswahlen gehe denn um ihre Anliegen. Nun hat die Stadt eingesehen, dass diese Anliegen wirklich aufgenommen und rasch Lösungen gefunden werden müssen.

(P.) S. O. S. !

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