- Im Kino
Einsamkeit
Frei nach der realen Familienschlammschlacht der unterdessen verstorbenen Mehrheitseignerin des weltgrössten Kosmetikkonzerns entwickelten Thierry Klifa (auch Regie), Cédric Anger und Jacques Fieschi das Drehbuch für «La femme la plus riche du monde». Die Multimilliardärin Marianne Farrère (Isabelle Huppert) findet persönlichen Gefallen am originellen, aufdringlich exaltierten, nur so semi-genialen schwulen Fotografen Pierre-Alain Fantin (Laurent Lafitte). Sie schliesst ihn in ihr Herz, unterstützt und finanziert seine grossspurigen Begehrlichkeiten nach Gutdünken freizügig und spielt zuletzt gar mit dem Gedanken, ihn nicht nur als Teil ihrer Wahlfamilie anzusehen, sondern ihn gleich auch noch zu adoptieren. Angeblich aus Sorge interveniert Mariannes Tochter Frédérique Spielman (Marina Foïs), als die Geschenke an Pierre-Alain die Summe einer Milliarde Euro überstiegen haben und ihr die Hälfte ihres Erbes durch die Finger zu rinnen droht. Mariannes Gatte Guy (André Marcon) hält sich vornehm zurück, wohingegen sich der Butler Jérôme Bonjean (Raphaël Personnaz) verstohlen aber aktiv freudig im Intrigantenstadl beteiligt. Die mittels überschäumenden Reichtum demonstrierte Weltabgehobenheit von Marianne ist obszön, die Grenzenlosigkeit der Provokationen von Pierre-Alain sind grotesk. Und doch zielt der Kurzschluss, Hochstapler erschleicht sich das Zutrauen einer Hyperreichen, nur um diese nach Strich und Faden auszunehmen, an der eigentlichen Krux der hier verhandelten Gemengelage vorbei. Die finanzielle Omnipotenz von Marianne ist keineswegs mit einer zeitgleich grösstmöglichen Freiheit für ihr Handeln zu verwechseln. Die überbordende Schamlosigkeit von Pierre-Alain entspricht keinem von vornherein gefassten Masterplan. Die Entwicklung, die Thierry Klifa mehrheitlich als sehr komisch betont, meint vielmehr eine gemeinsame Flucht zweier in Leere und Einsamkeit verbundener Seelen.
«La femme la plus riche du monde» spielt in den Kinos KinoKoni, Le Paris.