- Winterthur
Eine Plattform für Stadtgestaltung und Architektur
Das sogenannte Lokhaus an der Ecke Zürcherstrasse/Jägerstrasse in Winterthur gehört derzeit der Implenia. Es ist im Inventar der kommunalen Schutzobjekte aufgeführt. Seit rund zehn Jahren finden dort die Vorträge und Diskussionen des Forums Architektur statt. Nun will Implenia die Liegenschaft veräussern. Sie vollzieht damit einen vollständigen Rückzug aus dem Areal, dass sie 2010 erworben hatte.
Parallel dazu haben sich Vertreter:innen der Winterthurer Sektion des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins SIA, des Bundes Schweizer Architektinnen und Architekten BSA, des Bundes Schweizer Landschaftsarchitekt:innen BSLA, der ZHAW (Departement Architektur, Gestaltung und Bauingenieurwesen), der Stadt Winterthur (Amt für Städtebau) sowie des Forums Architektur Winterthur intensiv mit der Idee eines öffentlichen Diskussions- und Begegnungsortes befasst. Entstanden ist die Interessengemeinschaft Baukulturhaus, die das Gebäude nun erwerben will.
«Das Projekt ist auch ein Zeichen der zunehmenden Vernetzung der verschiedenen Fachpersonen im Baubereich», hielt der Präsident des Forums Architektur, Riet Bezzola fest. Die Transformation des Areals Stadtmitte zur Lokstadt habe gezeigt, wie wichtig ein öffentlicher Diskurs sei. Der Winterthurer Stadtbaumeister Jens Andersen wies darauf hin, dass in Winterthur jährlich knapp eine Milliarde Franken verbaut würden. «Daher ist eine öffentliche Diskussion über Architektur, Stadtraumgestaltung, Verkehrsplanung etc. umso wichtiger.»
Im ersten Schritt will die IG mit einer Fundraisingkampagne mindestens 600 000 Franken sammeln, um Implenia ein Kaufangebot unterbreiten zu können. «Unsere Stadtwerkstätten und Quartierspaziergänge haben in den letzten Jahren eindrücklich gezeigt, wie gross das Bedürfnis dafür ist», sagt Architektin Cristina Rutz, die die Kampagne zusammen mit den Architekten Christoph von Ah und Peter Wehrli koordiniert. Das Baukulturhaus will diese Strategie noch ausbauen: auch Kinder und Jugendliche sollten an Stadtentwicklungsthemen herangeführt werden. Zudem soll das Haus auch genutzt werden, um vermehrt mit Ausstellungen und Workshops Bauvorhaben in der Öffentlichkeit zu diskutieren
Geschichtsträchtiger Ort
Das Haus am Eingang zur «Lokstadt» ist bereits heute ein bedeutender Ort – mit Geschichte, öffentlicher Zugänglichkeit und Erfahrung als Veranstaltungsort. «Künftig soll es das Herz der Baukultur in Winterthur werden: zentral gelegen, offen für Begegnungen und reich an Möglichkeiten für Austausch und Inspiration», betont Christoph von Ah.
Bis Oktober 2025 will die IG den Kauf der Liegenschaft sichern. Im Anschluss ist eine sanfte Sanierung geplant: ein erweiterter Veranstaltungsraum, eine neue Verbindung zwischen Erd- und Obergeschoss, eine energetische Verbesserung der Gebäudehülle sowie moderne Nasszellen. Die Kosten dafür werden auf rund 1,6 Millionen Franken geschätzt. Der jährliche Betrieb wird sich gemäss Businessplan auf etwa 100 000 Franken belaufen.
Weitere Informationen: www.baukulturhaus.ch