Ein Schiffscontainer voll Fair Trade

Wer Teil des Projekts «Crowd Container» wird, kauft quasi fast direkt bei indischen ProduzentInnen in Kerala ein.

 

Tobias Urech

 

Gewürze, Nüsse, Kaffee, Reis, Öl – alles Produkte, die wir in unserem Alltag benötigen. Normalerweise kauft man diese Produkte beim Grossverteiler. Und selbst wenn man dabei auf Bio und Fair Trade achtet, kann man sich nie genau sicher sein, wie fair die ProduzentInnen tatsächlich behandelt wurden und wie viel Bio tatsächlich in den Produkten drinsteckt. Die Intransparenz kommt vor allem deswegen, weil die Waren auf ihrem langen Weg in die Regale von Migros oder Coop unzählige Male umgepackt werden. Das einzige, was KonsumentInnen tun können: Einem Gütesiegel vertrauen. Damit gaben sich allerdings vier innovative Leute, die an fairem Handel und Nachhaltigkeit interessiert sind, nicht zufrieden. Als Reaktion gründeten sie den Verein «Crowd Container».

Der Verein organisiert den Export der eingangs genannten Produkte mit ProduzentInnen in der indischen Provinz Kerala. Verschiedene Kleinbäuerinnen und Kleinbauern dieser Region haben sich zur «Fair Trade Alliance Kerala» zusammengeschlossen, mit deren Hilfe der Export abgewickelt wird. Die «Fair Trade Alliance Kerala» ist 2005 aus einer politischen Bewegung entstanden, um Wege aus der damaligen Krise der Landwirtschaft zu suchen und für gerechtere Handelsbedingungen zu kämpfen. Inzwischen hat die Kooperative mehrere tausend Mitglieder. Die Alliance ist Bio und Fair Trade zertifiziert. Mitinitiant Tobias Joos erklärt gegenüber ‹P.S.›: «Die KleinbäuerInnen pflanzen dort auf ihren Feldern eine unglaubliche Vielfalt an Produkten für den Export und auch für den Eigenverbrauch an. Diese Anbauweise auf Mischkulturen ist besonders ökologisch und hilft den ProduzentInnen, ihr Risiko zu diversifizieren.»

 

Crowd-Prinzip

Doch wie funktioniert das Ganze? Auf der Crowdfunding-Plattform «wemakeit» können Interessierte aus verschiedenen Angeboten aussuchen. Für 150 Franken kann man sich ein «Crowd-Container-Päckli» kaufen, in dem die Lebensmittel aus Indien verschifft werden. Wer noch 25 Franken drauflegt, erhält das Päckli per Velo-Kurier direkt nach Hause geliefert, ansonsten muss man es innerhalb von zehn Tagen in Zürich abholen. Jene Pakete, die nicht abgeholt werden, spendet der Verein einem guten Zweck. Dass sich das persönliche Abholen aber lohnt, dafür haben die InitiantInnen gesorgt. Sie organisieren ein Abhol-Fest, zu dem frische Kokosnüsse aufgetischt werden. Wer noch skeptisch ist und sich nicht gleich ein ganzes Päckli kaufen will, kann sich auch für 35 Franken die Teilnahme an diesem Fest sichern und die Produkte in Augenschein nehmen. Damit das Projekt zustande kommt und der Schiffscontainer mit all den «Päckli» gefüllt werden kann, braucht das Projekt «Crowd Container» 52 000 Franken. Tatsächlich haben bereits knapp 350 UnterstützerInnen mit über 55 000 Franken zur Finanzierung der ersten Schiffsladung beigetragen. Noch bis Sonntag, 10. April ist es möglich, eines der letzten verbliebenen Pakete zu ergattern.

 

Transparenz

Auf der Website legen die BetreiberInnen von «Crowd Container» auch offen, wohin das Geld fliesst. Ein Fünftel des Betrags kommt direkt den Kleinbauern und Kleinbäuerinnen zugute. Doppelt so viel, nämlich 40 Prozent, kostet die lokale Weiterverarbeitung und der Export.

Die «Päckli» werden laut Verein «Crowd Container» vom Unternehmen Elements verpackt und geschnürt, das eigens für die Fair Trade Alliance in Kerala gegründet wurde, um den Vertrieb in die ganze Welt zu sichern. Import und Logistik kosten schliesslich weitere 15 Prozent. Gleich viel erhält der Verein «Crowd Container», und ein Zehntel des Gesamtpreises geht an die Plattform «wemakeit», über die das ganze Crowdfunding abgewickelt wird. In Zukunft sollen auch weitere Schiffsladungen voll mit crowd-finanzierten Containern möglich sein.

Mit diesem Projekt möchten die InitiantInnen nicht nur die Transparenz bei der Finanzierung fördern, sondern auch den Austausch zwischen den KonsumentInnen und ProduzentInnen herstellen. Tobias Joos meint dazu: «Uns ist es besonders wichtig, die KonsumentInnen miteinzubinden und ihnen zu ermöglichen, direkt bei den ProduzentInnen in den weit entfernten Anbauländern zu bestellen. Durch den Vorverkauf helfen die KonsumentInnen, das Handelsrisiko zu reduzieren. Damit ermöglichen sie auch eine viel grössere Transparenz als bei üblichen Importgeschäften, wo die Margen ständig schwanken.» Weiter betont er: «Mit unserem Projekt wollen wir eine diversifizierte, ökologische und auch eine solidarischere Landwirtschaft fördern.»

 

Website: www.crowdcontainer.ch
Bestellen auf: wemakeit.com/projects/crowd-container

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