Ein öffentlicher Kühlschrank

In Horgen gibt es jetzt einen «Kühlschrank für alle». Dort kann jedermann Lebensmittel deponieren oder gratis holen – und so vor dem Abfalleimer retten.

 

 

Arthur Schäppi

 

 

 

Nach der Rückkehr aus den Sportferien warten im Kühlschrank des Singlehaushalts nebst einem Sechserpack Joghurts drei pralle Beutel Fondue, die man eigentlich für den Skihüttenplausch mit den KollegInnen mitnehmen wollte, dann aber zu Hause vergass. Was tun damit? «Auf keinen Fall einfach wegwerfen», lautet die Antwort des Vereins Dorfchärn Horgen in solchen und ähnlichen Situationen. Seit bald drei Wochen bietet die kleine Quartiervereinigung eine sinnvolle Alternative an: einen öffentlich zugänglichen Kühlschrank, der etwas oberhalb der reformierten Kirche an der Kirchstrasse 49 steht. Dort kann jedermann noch geniessbare Lebensmittel hinstellen oder gratis mitnehmen. An 7 Tagen die Woche rund um die Uhr.

 

Bereits viele Nutzer

«Wir sind überrascht, wie gut der Kühlschrank bereits genutzt wird», sagt Sina Tanner vom Verein Dorfchärn. Sie wohnt in der Nachbarschaft und kontrolliert den Kühlschrank etwa jeden zweiten Tag. Aussortieren musste sie bislang noch nie etwas. «Der Kühlschrank wurde schon mindestens vier- bis fünfmal gefüllt – und jeweils wieder geleert», sagt sie. Entgegengenommen werden etwa Obst und Gemüse, abgepackte Nahrungsmittel wie Teigwaren oder Reis und offene Lebensmittel «nach eigenem Ermessen» sowie nichtalkoholische Getränke. Gekochte Speisen müssen gut verschlossen und mit Datum versehen sein. Beim Verein hofft man, dass der Lebensmittelumschlag auch in zwischenmenschlicher Hinsicht zu einem Ort des Austausches wird.

 

Für Problem sensibilisieren

Anders als bei andern Anti-Foodwaste-Projekten, wie etwa den von der RestEssBar betriebenen Kühlschränken in Winterthur, stammen die Esswaren in Horgen nicht aus Läden, sondern von Privaten. Bedienen an der Kirchstrasse darf sich jedermann – unabhängig davon, wie gross oder bescheiden das Budget ist. Gemessen an den über zwei Millionen Tonnen, oder einem Drittel aller Lebensmittel, die in der Schweiz jährlich im Abfall landen, mag sich das Horgner Projekt bescheiden ausnehmen. «Mit der Aktion wollen wir aber auch grundsätzlich für die Problematik sensibilisieren und hoffen auf möglichst viele Nachahmer», sagt Mitinitiant Michael Fries.

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