Ein Dorf kämpft gegen die Lärmplage

Weil die Situation «geradezu besorgniserregend» geworden sei, setzt Langnau jetzt eigens eine Taskforce zur Lärmbekämpfung ein. Wie diese gegen heulende Töffmotoren am Albispass und andere Lärmstörungen vorgehen will, sagt Langnaus Gemeinderat Rolf Schatz (GLP) im Interview mit Arthur Schäppi.

 

Rolf Schatz, Langnau am Albis hat als eine der ersten Gemeinden in der Schweiz auf eine sogenannte intelligente, über Bewegungsmelder steuerbare und dimmbare Strassenbeleuchtung umgestellt und damit die Lichtverschmutzung und den Energieverbrauch massiv reduziert. Wird Langnau nun auch zu einer Pioniergemeinde im Kampf gegen die Lärmplage? 

Rolf Schatz: Schweizweit nimmt der motorisierte Verkehr und damit auch der Lärm von Jahr zu Jahr zu. In Langnau ist die Lärmentwicklung aus Sicht des Gemeinderates mittlerweile geradezu besorgniserregend. Deshalb verfolgt die nun eingesetzte Lärm-Taskforce, die von Gemeindepräsident Reto Grau (FDP) sowie Sicherheitsvorstand Virgil Keller (FDP) und mir als Infrastrukturvorstand gebildet wird, auch ein durchaus ambitioniertes Ziel: nämlich eine spürbare Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität in unserem Dorf.

 

Im Vergleich zu Nachbargemeinden, wie etwa der Stadt Adliswil oder der ebenfalls urbaneren und grösseren Gemeinde Thalwil aber herrschen in Ihrem Dorf bezüglich Lärmimmissionen doch noch relativ beschauliche Verhältnisse?

Da muss ich ganz klar widersprechen. Der Lärmpegel in unserem Dorf ist spürbar angestiegen, und zwar nicht nur tagsüber, sondern auch in der Nacht, was besonders problematisch ist. Nehmen Sie die Albisstrasse, die Kantonsstrasse über den Albispass, die in unserer Gemeinde teilweise entlang von Wohngebiet führt und die täglich von rund 2600 Motorfahrzeugen befahren wird. Dort haben die Lärmemissionen ein enormes Ausmass angenommen. Insbesondere wegen der immer zahlreicheren Motorradfahrer, welche die kurvenreiche Bergstrecke rauf- und runter rasen. Zugenommen hat die Verkehrsbelastung hier auch, weil es bei der Autobahnausfahrt in der Brunau in Zürich häufig zu Rückstaus kommt. So ziehen viele motorisierte Pendler und andere Automobilisten aus dem Knonauer Amt oder der Zentralschweiz den Weg über den Albis und über Langnau vor und fahren via Albis-, Sihltalstrasse – oder dann von Langnau via Gattikon/Thalwil und die Seestrasse – nach Zürich. 

 

Und wo liegen die weiteren Problemzonen?

Lärmklagen aus der Bevölkerung hören wir auch von der Sihltalstrasse sowie von der Neuen Dorfstrasse, die durchs Ortszen­trum führt und welche die Albis- und die Sihltalstrasse miteinander verbindet. Und in Zukunft kommen zudem noch neue Lärmquellen dazu.

 

Inwiefern?

Beim Einfamilienhaus-Quartier Gartendörfli will die Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn die Strecke auf Doppelspur ausbauen, und der Kanton erstellt einen Hochwasser-Entlastungsstollen für die Sihl von Langnau in den Zürichsee bei Thalwil. Das beschert uns über Jahre hinweg zwei Grossbaustellen mit entsprechenden Immissionen.

 

Mit der Eröffnung der Säuliamt-Autobahn im Jahre 2009 aber hat der Durchgangsverkehr auf der Sihltalstrasse doch markant abgenommen. Wo also ist dort das Problem?

Seit Jahren nimmt der PW-Verkehr auf der Sihltalstrasse langsam aber stetig wieder zu. An der Messstelle unterhalb von Sihlbrugg wurden letztes Jahr im Tagesdurchschnitt fast 5800 Fahrzeuge gezählt. 

 

In der Vergangenheit hat Langnau vom Kanton schon wiederholt eine Abklassierung der Sihltalstrasse oder Temporeduktionen verlangt. Allerdings ohne Erfolg. 

Das ist leider so, weil der Kantonsrat die Interessen der Autofahrer stets über jene der Anwohner gestellt hat. Vor dem Hintergrund der verschärften Lärmproblematik in Langnau wollen wir diese Diskussion nun aber neu anstossen.

 

Welche weiteren Massnahmen hat die Taskforce im Visier?

Bei der Albispassstrasse steht ebenfalls der Kanton als Eigentümer in der Pflicht. Hier fordern wir eine durchgehende Mittellinie und damit ein Überholverbot und generell Tempo 60. Beides hat sich an andern Passstrassen bereits bewährt. Natürlich prüfen wir auch an unseren Gemeindestrassen diverse Verkehrsberuhigungsmassnahmen.

 

Gehört dazu auch Tempo 30? Oder ist das ein Tabu, seit die StimmbürgerInnen 2012 eine damals auch vom Gemeinderat unterstützte Initiative für eine fast flächendeckende Einführung von Tempo 30 wuchtig verworfen haben? 

In den Einfamilienhausquartieren hat die Verdichtung und damit auch der Verkehr seit der damaligen Abstimmung deutlich zugenommen. Die Stimmung in der Bevölkerung hat meines Erachtens mittlerweile gedreht. Auch in Langnau dürften heute 30er-Zonen, die mehr Sicherheit und Ruhe bringen, mehrheitsfähig sein und bald eingeführt werden können.

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