Ein Bild von einem Platz wird neu eingerahmt

Ein Café im Erdgschoss des Amtshauses Helvetiaplatz, eine Begegnungszone zur Kanzleiturnhalle hin: Über die Entstehung dieser Pläne und ihre Chancen, verwirklicht zu werden, gibt SP-Gemeinderat Patrick Hadi Huber im Gespräch mit Nicole Soland Auskunft.

 

Am letzten Donnerstag referierten Sie an einer Veranstaltung der SP 4 zum Thema «Helvetiaplatz im Wandel»: Warum gerade zu diesem Zeitpunkt?

Patrick Hadi Huber: Ich wurde angefragt, und der Termin passte mir gut.

 

Der Grund liegt nicht etwa darin, dass die Planung der Projekte rund um den Helvetiaplatz gerade in einer entscheidenden Phase ist?

Nein, dafür sind die Projekte schon viel zu lange unterwegs; die Planung ist abgeschlossen, die nächsten Schritte sind bekannt. Das Thema passte einfach zeitlich wie örtlich gut – die Veranstaltung der SP 4 fand im Volkshaus statt.

 

Sie sind Vizepräsident der gemeinderätlichen Spezialkommission Hochbaudepartement/Stadtentwicklung – und die beschäftigt sich doch zurzeit mit dem Umbau des Amtshauses Helvetiaplatz…

Das stimmt, aber zuerst wird nun mal die Bau- und Zonenordnung im Rat behandelt. Die Vorlage zum Amtshaus kommt voraussichtlich nach den Sommerferien dran.

 

Und sie hat eine ziemlich lange Vorgeschichte…

Die Motion des damaligen SP-Gemeinderats Bruno Kammerer von 1994, mit der er eine Neugestaltung des Helvetiaplatzes unter Einbezug des Kanzleiareals forderte, wurde erst im März 2013 als «unerfüllbar» abgeschrieben. Bereits im Januar 2013 hatten die Fraktionen von SP, Grünen, GLP und CVP jedoch ein neues Postulat eingereicht, das die Neugestaltung des Helvetiaplatzes nach Abschluss der geplanten Sanierung des Amtshauses an der Molkenstrasse forderte. Dieses Postulat bildete die Grundlage für die erwähnte Vorlage des Stadtrats, die wir zurzeit in unserer Kommission behandeln. Bereits durchs Parlament überwiesen ist zudem die Motion von Gian von Planta (GLP) und von mir, die eine Begegnungszone auf der Stauffacherstrasse zwischen der Langstrasse und der Ankerstrasse fordert.

 

Die Aufwertung der Umgebung des Helvetiaplatzes haben die Stimmberechtigten doch bereits im September 2008 an der Urne gutgeheissen. 

Damals ging es in erster Linie darum, 66 oberirdische Parkplätze in der Molkenstrasse, der Ankerstrasse und der Kanonengasse aufzuheben und dafür dieselbe Anzahl öffentlicher Parkplätze im Parkhaus unter dem Helvetiaplatz anzubieten, das derzeit noch ausschliesslich den Mitarbeitenden der Stadtverwaltung und weiteren MieterInnen zugänglich ist. Gemäss aktueller Vorlage können aufgrund neuer Normen, die als Reaktion auf die immer breiter werdenden Autos entstanden sind, im Parkhaus nur noch 41 Parkplätze kompensiert werden. Es verschwinden demnach auch weniger oberirdische Parkplätze als ursprünglich geplant. Das ist ärgerlich, aber der Umbau des Parkhauses ist durch die erwähnte Volksabstimmung, an der ein Objektkredit von knapp fünf Millionen Franken zur Debatte stand, bereits bewilligt. Das Projekt kostet total mehr als 55 Millionen Franken, wovon über 50 Millionen gebundene Ausgaben sind.

 

Und das Amtshaus wird gemäss Abstimmungsbüchlein «in den Jahren 2014 bis 2016» instandgesetzt…

Die Sanierung hat sich etwas verzögert; sie beginnt gemäss aktueller Planung Ende Jahr und dauert rund drei Jahre. Die Wiedereröffnung ist für die zweite Hälfte 2019 vorgesehen. Auch im ‹neuen› Amtshaus wird ein Teil der städtischen Verwaltung angesiedelt sein.

 

Vor rund einem Jahr wurden zur geplanten Sanierung Pläne publik, die im Quartier auf wenig Gegenliebe stiessen: Was wird nun genau gemacht?

Die Eckpunkte der Vorlage entsprechen dem, was bereits bekannt ist: Im Zuge der Sanierung von Parkhaus und Amtshaus erhält letzteres im Erdgeschoss eine Café-Bar sowie ein Züri-WC. Die Dachterrasse hingegen wird aufgehoben.

 

Und? Sind Sie zufrieden mit dem Vorgeschlagenen?

Mir persönlich gefällt das Projekt sehr gut. Es ist das richtige Projekt am richtigen Ort. Wir haben in dieser Gegend Erdgeschossnutzungen gefordert, und die Vorlage nimmt diese Forderung auf. Zudem ist der Helvetiaplatz zurzeit ein etwas verlorener Ort: Er ist gut geeignet für Versammlungen, Demos und den Markt, aber wenn gerade nichts von alledem stattfindet, wirkt er allzu leer und unwohnlich.

 

Dennoch: Wer eine Aufwertung fordert, erhält normalerweise genau das – mehr Wert für die Immobilien in der Nähe und damit höhere Mieten sowie unter Umständen die Verdrängung Alteingesessener.

Das ist ein bekannter Mechanismus. Ich bin jedoch kein Freund der Verelendungsthese, sprich davon, dass man die Quartiere verlottern lassen soll, nur damit die Mieten erschwinglich bleiben. Zudem geht es nur um das Gebiet Kollerhof – Molkenstrasse – Amtshaus Helvetiaplatz – Volkshaus, also eine Gegend, in der kaum mehr jemand wohnt. Damit dürfte das Projekt auch die Mieten nicht hochtreiben.

 

Über die Schönheit des Amtshauses lässt sich streiten, doch erhielten seine Architekten Walder, Döbeli und Hoch seinerzeit den Zuschlag unter anderem wegen der Dachterrasse – und weil ihr «schwebender Kubus» die «Befreiung des Bodens» ermögliche. Dass nun mit dem Durchgang zur Molkenstrasse Schluss sein soll, stösst im Quartier auf Widerstand (vgl. P.S. vom 21. 8. 2015).

Der Durchgang kommt ja nicht weg; er wird einfach nicht mehr so breit sein wie heute. Die Café-Bar belegt nur einen Teil der Ergeschossfläche. Natürlich ändert sich der optische Eindruck, aber auch im Zuge der Abklärungen der Denkmalpflege ist nichts aufgetaucht, was die Realisierung des Projekts verunmöglichen könnte.

 

Die «Bank» mit ihrer Aussenwirtschaft auf dem Helvetiaplatz hat erst vor kurzem Eröffnung gefeiert. Das Langstrassenquartier ist generell nicht unterversorgt mit Gastro-Angeboten: Warum muss es im Erdgeschoss des Amtshauses unbedingt eine Café-Bar haben?

Der Helvetiaplatz hat Erdgeschossnutzungen verdient. Er ist Zürichs schönster Platz, er ist gut besonnt, und er verfügt über eine insgesamt positive Belebung. Allerdings ist er häufig leer, was ich zwar nicht generell schlecht finde – aber am Rande des Platzes besteht dennoch Handlungsbedarf. Hier bietet sich die Gastronomie an; eine Café-Bar ist ein Ort, an dem man verweilen und die Aussicht über den Platz geniessen kann. Riesig wird die Café-Bar übrigens nicht: Es sind 30 Innen- und 50 Aussenplätze vorgesehen.

 

Wie gut kommt die künftige Konkurrenz bei der «Bank» oder beim Volkshaus an, wo man ebenfalls draussen sitzen kann?

Konkurrenz belebt das Geschäft. Nicht nur bei der Gastronomie, sondern auch beim restlichen Gewerbe rund um den Platz kommen die Pläne gut an, denn man erhofft sich von einem weiteren Café mehr Publikumsverkehr.

 

Wer bei Kundgebungen früher unter dem Haus auf Stelzen unterstehen konnte, wenn es regnete, soll nun Geld in die Hand nehmen und ins Café gehen?

Ein Schirm wäre vielleicht auch eine Idee… Im Ernst: Unterstehen kann man auch weiterhin, man muss nur etwas zusammenrücken. Und was das Thema Konsumieren betrifft: Natürlich soll es rund um den Platz auch Sitzmöglichkeiten geben für jene, die nichts konsumieren wollen. Solche fehlen zurzeit noch, abgesehen vom Mäuerchen entlang der Ankerstrasse, das als behelfsmässige Sitzgelegenheit dienen kann, aber nicht sonderlich bequem ist.

 

Und der Markt muss einfach ein bisschen kleiner werden, damit alles Platz hat?

Möglicherweise müssen die Marktstände etwas anders angeordnet werden. Aber dafür, dass der Markt stattfinden kann wie bisher, wird auf jeden Fall gesorgt. Der Markt gehört zum Helvetiaplatz und soll selbstverständlich dort bleiben.

 

Was ist mit dem Helvetiaplatz als «Gesamtkunstwerk eines bedeutenden städtebaulichen Ensembles der Nachkriegsmoderne» (vgl. P.S. vom 21.8.2015), zu dem das Amtshaus in seiner heutigen Form einen Beitrag leistet? Alles Schnee von gestern?

Dass die städtebauliche Qualität möglicherweise beeinträchtigt wird, will ich gar nicht abstreiten. Aber für mich ist das kein Hinderungsgrund, im Gegenteil: Ich begrüsse das neue Gesicht, das der Platz erhalten wird, explizit. Und dass der Platz beschnitten würde, wenn der Durchgang kleiner wird, leuchtet mir nicht ein. Bei Veranstaltungen wird die Bühne immer vor dem Amtshaus aufgebaut; ein klares Indiz dafür, dass der Platz auf das Amtshaus ausgerichtet wurde: Das Gebäude begrenzt den Platz, ob mit breitem oder schmalem Durchgang.

 

Es gibt im Quartier auch Befürchtungen, die Molkenstrasse würde zu einer «Strassenschlucht», wenn bloss noch eine bessere Hofeinfahrt von der Post auf den Platz rüber führe und sonst alles zubetoniert sei.

Die paar Meter, die die Molkenstrasse lang ist, eine Strassenschlucht? Diesen Eindruck habe ich nicht. Die Molkenstrasse öffnet sich ja in Richtung Ankerstrasse auf der einen und zur Hohlstrasse beziehungsweise zum Kollerhof hin auf der anderen Seite. Fussgängerinnen und Fussgänger können weiterhin vom Platz zur Post hinüber gelangen und umgekehrt, einfach vielleicht nicht mehr zu zehnt nebeneinander…

 

Der Artikel im P.S. vom 21. 8. 2015 schloss mit dem Satz, «es ist zu hoffen, dass diesen kleinkarierten Phantasien der Stadtverwaltung im Gemeinderat der Riegel geschoben wird». Ihr Kommentar?

Ich persönlich habe nicht vor, einen Riegel zu schieben, denn das würde bedeuten, dass man nichts verändern darf, und das finde ich schwierig. Gerade der Kreis 4 lebt seit jeher von der Veränderung. Das Amtshaus steht erst seit 1963 am Rande des Helvetiaplatzes, und die geplante Sanierung liesse sich, samt schmälerem Durchgang, auch ohne Beiz im Erdgeschoss realisieren, falls der Gemeinderat dies so wünscht.

 

Im Abstimmungsbüchlein zum Parkhaus Helvetiaplatz ist zum Verkehrsregime nachzulesen, dieses müsse so geändert werden, dass Zu- und Wegfahrten künftig via Kanonengasse und Feldstrasse sowie über die Stauffacherstrasse erfolgten. Wie soll es da möglich sein, aus letzterer eine Begegnungszone zu machen?

Das Verkehrsregime hat ebenfalls bereits eine lange Geschichte. Im regionalen Richtplan ist die Stauffacherstrasse nur noch bis zur Kreuzung mit der Ankerstrasse als regionale Verbindungsachse eingetragen. Interessanterweise waren in der Richtplanvorlage 2013 auch die Ankerstrasse und die Kanonengasse nur noch kommunale Strassen, doch in der Version 2014 war das wieder geändert. Ich habe dann in der Richtplandebatte den Antrag gestellt, sie, wie ursprünglich vorgesehen, nur kommunal zu klassieren, also zurückzustufen, und der Antrag wurde angenommen. Die Begegnungszone soll zudem lediglich den Teil der Stauffacherstrasse entlang des Helvetiaplatzes umfassen, also von der Kreuzung mit der Ankerstrasse bis zu jener mit der Langstrasse.

 

Während man in Winterthur auf Busspuren Velo fahren darf, hört der Spass in Zürich normalerweise sofort auf, wenn irgendwo der öV in Sicht kommt – aber auf der Stauffacherstrasse, auf der bekanntlich das Tram Nr. 8 verkehrt, soll eine Begegnungszone möglich sein?

Da in Begegnungszonen Tempo 20 herrscht, könnten die heutigen Niveauunterschiede zwischen Strasse und Platz aufgehoben werden, und die Tramhaltestelle liesse sich einfacher behindertengerecht gestalten. In Begegnungszonen haben zwar FussgängerInnen vor Autos und Velos Vortritt, doch dem Tram müssen alle den Vortritt gewähren. Wahrscheinlich auch deshalb wurden solche Begehren bisher stets abgewehrt, doch bei der Stauffacherstrasse hat der Stadtrat signalisiert, dass eine Begegnungszone möglich wäre. Das finde ich spannend: Kommt sie tatsächlich zustande, ist das ein Novum für Zürich.

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