Durch Schlucht und über Wasserscheide

Stadtwandern zu Corona-Zeiten – ein Bericht von Liliane Waldner.

 

Auf einer Stadtwanderung ist es in der Stadt Zürich möglich, durch eine Schlucht zu schreiten sowie eine Wasserscheide zu überqueren. Als Angehörige einer Corona-Risikogruppe benutze ich kein öffentliches Verkehrsmittel, und eine Nachbarin kauft für mich im Coop ein.

 

Gerne marschiere ich jedoch zu Bauernhöfen und Hofläden am Stadtrand, um dazu frisches Gemüse, Obst, Eier und Spezialitäten direkt ab Hof zu kaufen. Da packe ich meine Wanderstöcke und wandere oft lange Kilometer. Wieder entdeckt für mich habe ich Meyers Obstgarten hinter dem Dunkelhölzli sowie das Obsthaus Wegmann ob dem Frankental. Zu letzterem Hofladen genoss ich bei der Überquerung der Europabrücke die spektakuläre Sicht auf das Gleisfeld und die Stadt.

 

Neu bin ich auf den Schipferhof in Wollishofen an der Grenze zu Kilchberg gekommen. Es ist mir auf dem Weg via Talwiesenstrasse und Binzallee sowie das Engequartier und Wollishofen aufgefallen, wie gut die Wohn- und die Lebensqualität in der Stadt ist, vor allem wenn sich der Strassenverkehr so in Grenzen hält.

 

Natürlich musste ich noch eine ausgedehnte Tageswanderung unternehmen. Vom selber Beerenpflücken kenne ich den Riedenholzhof in Seebach an der Grenze zu Rümlang. Früh morgens traf ich auf dem Weg durch den Friedhof Sihlfeld auf Vogelfreundinnen, die dem Gezwitscher lauschten. Normalerweise sehe ich Vogelfreunde mit ihren Ausrüstungen in den Flussauen. Der direkte Weg von mir nach Seebach führt auf der Rosengartenstrasse zum Bucheggplatz. Die Rosengartenstrasse ist wie eine Schlucht. Auf dem Rücken des Bucheggplatzes überschritt ich die Wasserscheide zwischen Limmattal und Glattal. Nach zwei Ecken zieht sich die Birchstrasse von der Wehntalerstrasse bis über den Katzenbach nach Seebach. Der Riedenholzhof gehört übrigens der Stadt Zürich und hält eine Herde Wasserbüffel.

 

In Zürich Nord überraschte mich die himmlische Stille. Die übliche Geräuschkulisse der Flugzeuge fehlte. Natürlich musste ich wieder über die Wasserscheide zurück und die steile Rosengartenschlucht hinab. Es war später und wärmer und ich kam ins Schwitzen. Erst über der Limmat bliess ein erfrischendes Lüftchen und ich sehnte mich nach den echten, kühlen und schattigen Schluchten entlang meiner geliebten Flüsse zurück.

 

Stadtwandern in Zürich ist spannend und tut gut für die Gesundheit.

 

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