Die Umsetzung entscheidet

Als Anton Kiwic vor einem Jahr seine Kandidatur für das Stadtpräsidium bekanntgab, gingen seine Chancen gegen Null. Heute sieht er auch dank der Zersplitterung auf der rechten Seite eine Chance. Ihm geht es vor allem darum, dass die Stadt ihre guten Pläne in die Realität umsetzt. Mit ihm sprach Koni Loepfe.

 

Warum verbrachten Sie fast ihr ganzes Leben in Dietikon?

Anton Kiwic: Es ist meine Heimat und gut gelegen: Es ist nahe beim Wirtschaftsstandort Zürich und die Stadt hat alles, was es zum Leben braucht.

 

Dietikon ist eigenständig, kein Vorort von Zürich.

Ja und nein. Zwischen Baden und Zürich existieren keine sichtbaren Gemeindegrenzen mehr, es ist fast alles überbaut. Wir unterstützten als SP einen Vorstoss der AL zur Eingemeindung mit Zürich. Ob das je eintritt, beschäftigt mich kaum. Sehr wohl aber der Bau der Limmattalbahn, die zur Entwicklung der Stadt viel beiträgt, respektive beitragen kann. Gewünscht sind drei bis vier eigenständige Quartiere entlang der Bahn. Die grosse Frage in dieser Stadtentwicklung lautet: Steuern wir sie, oder lassen wir sie passieren?

 

Wie soll das Steuern geschehen?

Stadt- und Gemeinderat entwickelten für Silbern und das Niederfeld gute Quartiergestaltungspläne, die in Volksabstimmungen durchkamen. Der Stadtrat liess bei der Umsetzung Verwässerungen zu, gab den Investoren viel zu viel nach. Im Niederfeld etwa sind Handel, Dienstleistungen und Gewerbe im Plan aufeinander abgestimmt. Kaum wurde der Quartierplan an der Urne angenommen, kauft Planzer dort viel Land zusammen, um ein riesiges Logistikzentrum zu errichten, das die ganze Konstellation durcheinander bringt.

Planzer nimmt die Interessen seiner Firma wahr. Der Stadtrat aber jene der Stadt nur mangelhaft. Er lässt zu, dass im beinahe noch unbebauten Niederfeld das gleiche wie in Silbern geschieht. Planzer hat dort einen Plan für das Logistikzentrum, den er bisher nicht realisieren kann. Ich bin überzeugt, dass es möglich ist und die in Silbern unzufriedenen Dienstleistungsbetriebe ins Niederfeld umziehen könnten.

Um dies zu realisieren, muss man sich an die gültigen Gestaltungspläne halten, mit den Betroffenen ernsthaft verhandeln und nicht darauf vertrauen, dass der Markt es einfach richtet. Als Unternehmer ist mir der Markt wichtig, aber man muss ihn steuern, ihn auf die Optik des Gesamten ausrichten und ihm nicht alles überlassen.

 

Betrachten Sie dieses Steuern als Hauptaufgabe, wenn Sie Stadtpräsident werden?

Der Stadtpräsident in Dietikon arbeitet vollamtlich und hat gegenüber den anderen StadträtInnen mit höchstens einem halben Pensum eine führende Rolle, die er ausfüllen kann. Markus Notter nutzte sie, prägte die Stadt, der nun abtretende Otto Müller weniger. Ich würde meine Kompetenzen wahrnehmen und mit Planzer und anderen Investoren intensiv verhandeln. Selbstverständlich kann es einmal nicht gelingen, einigt man sich mit einem Investor nicht. Aber ohne Risiko erreicht man keine gute Siedlungsentwicklung und dafür bin ich als Stadtpräsident zuständig.

 

Was sind Ihre anderen Hauptziele?

Mein erstes Ziel ist mehr Bürgernähe. Etwa beim Sozialamt. Wer dort anklopft, wird rechtlich einwandfrei behandelt, aber die Betroffenen fühlen sich oft nicht würdevoll behandelt. Auch bei der Stadtverwaltung fehlt noch einiges für eine kundenorientierte Arbeit. Als zweites Ziel sehe ich die Entwicklung der Quartiere. Sie sollen eigene Gesichter erhalten, und man muss mit ihnen auch gut umgehen. Das bisherige Asylheim etwa muss einer Strassensanierung weichen und durch ein zweites ergänzt werden. Werden nun einfach beide Neubauten im gleichen Quartier im Osten der Stadt erstellt, machen sich dessen EinwohnerInnen Gedanken, wie die Entscheide im Zentrum getroffen werden.

 

Auch in Dietikon wird intensiv gebaut. Wer bewohnt die neuen Blöcke?

Zunächst kommen der S-Bahn entlang alle, die sich Zürich nicht mehr leisten können. Bei uns versuchen viele Leute einen Start, die erste Wohnung als Paar, teilweise auch in Wohngemeinschaften. Wenn die Kinder vor dem Schuleintritt stehen, überlegen sich viele einen Wegzug. Unsere Schulen haben einen Ausländeranteil von bis zu 70 Prozent. Ich erkläre den Fragenden, dass meine vier Kinder hier in die Schule gingen und alle studieren. Sie erhielten bei ihren Tiefs und Defiziten problemlos eine Förderung, die längst nicht alle Gemeinden anbieten. Abgesehen von den vernachlässigten Schulhäusern und zu wenigen Stellen in der Sozialarbeit hat Schlieren eine engagierte Lehrerschaft, die ihren Job beherrscht.

Dietikon braucht eine Imagewerbung und zwar innerhalb von Dietikon. Die DietikerInnen haben oft Mühe, an Dietikon zu glauben. Ich denke hier etwa an den Freizeitplatz am Kirchhaldenplatz mit Kosten von 2,8 Millionen Franken, der in der Abstimmung mit 65 Prozent scheiterte. Was nur auf den ersten Blick verwundert: Man kann den Leuten nicht 20 Jahre erzählen, die Stadt sei mausearm und dann erwarten, sie würden in die Zukunft investieren.

 

Dietikon schreibt schwarze Zahlen.

In der Rechnung, aber nicht im Budget, wo wir immer wieder Nötiges streichen, kaum in die Zukunft investieren. Der Kanton und die anderen Gemeinden sollen einen Ausgleich an unsere hohen Sozialkosten leisten. Aber wenn wir mit diesen zusätzlichen Millionen einfach die Steuern senken, nützt dies der Stadt nichts. Wir sparten sie in den letzten Jahren zu Tode und wir müssen wieder in sie investieren, unsere Umgebung gestalten. Ich hoffe, dass es mir gelingt, einen Zukunftsfonds einzurichten.

 

Wie gross sind Ihre Chancen?

Als wir im letzten Sommer unsere Kandidatur bekanntgaben, lagen sie bei Null. Das Stadtpräsidium war die Lokomotive für die Partei und meine Wahl in den Stadtrat. Inzwischen kandidieren mit Roger Bachmann (SVP), Heinz Illi (EVP) und Bernhard Schmidt (parteilos, gegen die Limmattalbahn) drei, die im gleichen Teich fischen. Ich könnte im ersten Wahlgang das beste Ergebnis erzielen und so aus einer guten Position in den zweiten Wahlgang steigen. Voraussetzung ist allerdings, dass ich am 4. März als Stadtrat gewählt werde.

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