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Die Stadtpräsidiums-Kandidat:innen in der Filmanalyse

Etwas haben die Kandidat:innen für das Stadtpräsidium alle gemeinsam: Sie versuchen sich auf Instagram. Wir haben ihre Videos zwei Filmkritiker:innen gezeigt.

Sie kochen, laufen durch die Langstrasse oder filmen sich beim Power-Point-Karaoke: Die Kandidat:innen um das Zürcher Stadtpräsidium sind auf Instagram aktiv. In kurzen Videos versuchen sie dort, die junge Zielgruppe abzuholen. Aber was taugen diese Kurzfilmproduktionen? Und was ist vom Genre generell zu halten? Für diese Fragen hat das P.S. zwei Filmkritiker:innen eingeladen. Die Jury besteht aus Nora Nater, die für outnow.ch schreibt. Alle Filme, die sie irgendwie berühren, schaut sie sich gerne an, allerdings treffen weder Action- noch Horrorfilme ihren Geschmack. Das zweite Mitglied ist Olivier Samter, er ist freier Filmjournalist und Illustrator und sitzt im Vorstand des Verbandes Filmjournalismus Schweiz. Bei allen Kandidat:innen wird ihnen zuerst das meistgeklickte Video gezeigt, das zweite Video ist jeweils eine handverlesene Auswahl der Redaktion.

Përparim Avdili, FDP, 7160 Follower:innen

Përparim Avdili ist im Raum Zürich so etwas wie der Branchenkrösus im Bereich Politiker:innen-Instagram-Videos. Fast täglich postet der FDP-Kandidat momentan ein Video und er scheint sich auch nicht davor zu scheuen, Meta den ein oder anderen Werbefranken zu überweisen, damit seine Arbeit auch gesehen wird.

«Der Chrampfer», 582 000 Aufrufe

«Ich bin das Kind von Saisonniers», sagt Avdili aus dem Off. Dazu sieht man wie in einer Art Diashow schnell übereinandergelegte Bilder von Avdili als Kind, dann Bilder von seinen Eltern, die als Putzfrau und Lastwagenchauffeur tätig waren. Danach bezeichnet sich Avdili als «Chrampfer», der sich einsetze für Menschen, die arbeiten und die bezahlbare Wohnungen wollen. Man könne sich also fragen, warum einer wie er nicht in der SP politisiere. Vielleicht, weil er nicht in eine Schublade passe. Aber vor allem, weil vieles falsch laufe, beim Verkehr (es werden Bilder von roten Ampeln eingeblendet), im Wohnungsbau (es wird ein Video einer Wohndemo eingespielt) und in der Kultur (das Züri-Fäscht gibt es nicht mehr). Danach joggt Përparim Avdili, grüsst Menschen und sagt, dass Zürich weniger Barrieren und mehr Dynamik brauche. 

Nater: Visuell erinnert mich das irgendwie an ein Rap-Musikvideo, vom ganzen Schnitt her und auch wie es gefilmt ist.

Samter: Für mich sieht es aus wie eine dieser Kinowerbungen, bei der einfach ganz viel Stock-Footage nacheinander geschnitten wird. Und auch inhaltlich ist es so etwas wie politisches Stock-Footage. Es werden beliebige Themen irgendwie aneinandergehängt, aber wofür er sich konkret einsetzt, wüsste ich jetzt nicht. Es geht vor allem darum, was ihn alles hässig macht.

Nater: Beim Verkehr scheinen ihn vor allem die roten Ampeln zu stören. Sicher gut, dass jemand mal gegen rote Ampeln vorgehen will. An was es mich auch erinnert: Hast du auch schon davon gehört, dass man mittlerweile bei manchen Bewerbungsprozessen eine Power-Point-Präsentation über sich selbst machen muss?

Samter: Nein, zum Glück nicht.

Nater: Jedenfalls kommt mir das ganze Video so vor, als hätte er so eine Power-Point-Präsentation über sich selbst machen müssen und als würde er dazu sagen: «Ich gehe gerne joggen, ich grüsse gerne Leute beim Joggen, dann trinke ich gerne einen Kaffee und grüsse gerne Leute beim Kaffee trinken. Ich hasse rote Ampeln und miete meine Wohnung imfall.»

P.S.: Das Video ist das meistgesehene aller Stadtpräsidiumskandidat:innen. Könnt ihr das verstehen?

Samter: Man müsste sicher noch schauen, wie viele dieser Aufrufe organisch sind. Mir hat es das Video auch schon oft als Werbung angezeigt. Was mich immer auch ein wenig freut, weil es sich anfühlt, als hätte ich der FDP so etwas Geld geklaut.

Nater: Ich habe das Video vorher nie gesehen, aber wenn man sieht, was die FDP für die Kampagne von Avdili sonst so ausgegeben hat, würde es mich überraschen, wenn er das Video nicht stark beworben hätte.

«Let‘s go», 6565 Aufrufe

Përparim Avdili müsse sich während des stressigen Wahlkampfes nun endlich mal entspannen, diagnostiziert Mikhail Shalaev, Stadtratskandidat der Jungfreisinnigen. Deshalb geht Avdili mit einer Horde Jungfreisinniger in den Ausgang. «Ich würde meinen: Let‘s Go», kommentiert Avdili die Idee. «Gömmer, Let‘s Go!», meint auch Shalaev. Zu sanften Hip-Hop-Klängen gibt es zuerst ein Bier im Aubrey im Kreis 5, dann geht es Richtung Langstrasse, wobei Shalaev im Tram sagt: «Baumer bringt uns in den Ausgang. Let‘s Go!» Von Michael Baumer (als Stadtrat Vorsteher der Industriellen Betriebe und damit auch des öffentlichen Verkehrs) bleiben wir zwar verschont, dafür sagt Përparim Avdili, die Langstrasse sei der «Place to be» und der Ort für ein «geiles Nachtleben». Danach stehen die beiden vor der Olé-Olé-Bar und sagen, sie sei die einzige Institution in Zürich.

Samter: Hmmm.

Nater: Boah, nein.

Samter: «Betretenes Schweigen» kannst du hier schreiben.

Wir schauen das Video erneut an.

Samter: Auch hier wird inhaltlich wirklich nichts gesagt. Sie stehen nur an Orten rum und sagen dann, dass sie gerade an diesem Ort stehen.

Nater: Die ganze Kameraführung nervt mich so sehr. Es wird immer herumgerüttelt, um zu implizieren, dass man jetzt gerade saufen geht, und dann gehst du als sehr erwachsener Mann mit diesen halbminderjährigen Jungfreisinnigen an die Langstrasse. Das ist einfach mega peinlich.

Samter: Es hat so viele Redundanzen. Das ganze Video ist zusammengefasst nur: «Wir sind an der Langstrasse, oder Mikhail?» «Ja, wir sind hier an der Langstrasse. Gömmer dri!»«Let‘s Go.»

Nater: In dieses Video ist viel weniger Budget geflossen als ins erste. Es wirkt so, als hätte man die Hälfte des ganzen Videos spontan gemacht, und das meine ich nicht positiv. Immerhin habe ich meine persönliche Hölle gesehen: Am Freitagabend den Jungfreisinnigen im Ausgang an der Langstrasse begegnen.

P.S.: Was würdet ihr Përparim Avdili für diese beiden Produktionen für eine Schulnote geben?

Samter: Oh, schwierig. Mich erreicht er natürlich überhaupt nicht, aber die Frage ist, ob er seine Zielgruppe erreicht. Ehrlich gesagt denke ich aber auch das nicht. Die jungen coolen Kids finden ihn auch nach dem dritten «Let‘s Go» nicht cooler. Ich würde sagen 3,5.

Nater: Fürs erste Video passt 3,5 für mich, dem zweiten würde ich eine 3 geben.

Raphael Golta, SP, 687 Follower:innen

Raphael Golta ist relativ spät in den Video-Wahlkampf eingestiegen. Der aktuelle SP-Sozialvorsteher setzt auf eher einfache Mittel und pu­bliziert etwa ein Video pro Woche.

«Der Sorgenlöser», 373 000 Aufrufe

Unter Raphael Goltas Gesicht werden neun verschiedene Themen eingeblendet, aber welche davon brennen den Zürcher:innen am meisten unter den Nägeln? Kaum ist die Frage gestellt, wird auch aufgelöst. 1. Wohnen, 2. Verkehr und 3. die steigenden Lebenshaltungskosten. Mit Musik im Hintergrund, die wohl am besten mit pfiffig beschrieben werden kann, erklärt Golta, was seine Lösungen für die Probleme wären. Die Kameraeinstellung bleibt das ganze Video über unverändert.

Samter: Wie lange dauert das Video?

Nater: Gefühlt 100 Stunden. Bei aller Liebe, aber Raphael Golta hat wirklich noch nicht verstanden, dass unsere Aufmerksamkeitsspanne in den letzten Jahren zusammengebrochen ist.

Samter: Aber «Oppenheimer» war doch auch drei Stunden lang und hat einen Oscar gewonnen!

Nater: «Oppenheimer» hatte aber auch einmal einen Ortswechsel. Ich will es eigentlich fast nicht sagen, aber das hat Përparim Avdili wirklich besser gemacht. Viel Bewegung hilft, auf dem kleinen Bildschirm dran zu bleiben. Das hier war nun eher ein Kammerspiel.

Samter: Liebe SP, bitzeli mehr Avdili wagen.

Nater: Die SP hofft einfach immer noch, dass die Menschen auf Inhalte hören, und das funktioniert auf den Sozialen Medien nicht ohne etwas mehr Bewegung. Es ist wirklich das Gegenteil von Avdili, es hat zu viel Inhalt und zu wenig Ästhetik.

Samter: Das stimmt, die FDP war «Style over Substance» und das war jetzt nur «Substance». Was ich dagegen spannend finde, ist die Farbwahl von Goltas Kampagnengrafik. Vor allem rotblau, eher untypisch für die SP und auch überhaupt nicht typisch für Zürich. Es fehlt eigentlich nur noch gelb, dann sind es die Farben, die Zohran Mamdani (Bürgermeister von New York) in seinem Wahlkampf gebraucht hat.

«Karaoke mit Überlänge», 2337 Aufrufe

Bei diesem Video soll sich Raphael Golta im Powerpoint-Karaoke versuchen. 15 Sekunden hat er Zeit pro Thema, das auf den Folien erscheint. Wohnungsnot, Löhne, Klimakrise, Migration, soziale Sicherheit: Die Themen sind einigermassen schwer. Wohl auch deshalb soll Golta auch noch etwas zu Büsi-Bildern und sich selber erzählen. Noch lieber als Bilder von Katzen habe er Filmli, erzählt Golta da, und als es um ihn selbst geht, wird kurzerhand auch die 15-Sekunden-pro-Folie-Regel abgeschafft. Das Video kommt ohne Musik daher, dafür mit dem Wunsch von Golta, die Stadt gemeinsam mit seinen Gspönli vorwärts bringen zu können.

Nater: Hach, Gspönli und dann noch das verschmitzte Grinsen, das war jetzt wirklich sehr herzig. Mich hat die Folie mit den Büsi-Bildern abgeholt.

Samter: Ich finde, bei einer Länge von 1:44 Minuten hätte es den Büsi-Gag nicht gebraucht. Oder noch besser: Man hätte zwei Videos daraus machen können und dann jeweils einen Gag pro Video. So ist es wieder etwas langatmig. Auch hier ist die Kamera wieder statisch.

Nater: Ausser beim Thema Klimakrise, wo er nur findet, dass die Stadt sich verbessern muss, gibt er inhaltlich gute und klare Antworten. Dass bei der Folie über ihn dann kein Timer mehr kommt, ist natürlich klar: Wenn ein Mann schon einmal über sich selber sprechen will, dann muss man ihm auch alle Zeit geben, die er braucht.

Samter: Vor allem haben sie sich diese Limite ja selber gesetzt. Und wenn man dann beim Dreh merkt, dass er sie überschreitet, sollte man vielleicht einfach noch einmal von vorne beginnen. Zudem finde ich seine Aussagen bei der Migration («Menschen aus allen Ländern haben uns bei der Arbeit unterstützt, sie haben Kulinarisches gebracht und auch sonst Vielfalt gebracht») etwas schwierig. Ein linker Politiker sollte langsam wirklich von dem «Wert», den migrantische Menschen bieten müssen, wegkommen.

P.S.: Was heisst das in Schulnoten?

Nater: Nächstes Mal dürfte man ein bisschen mehr machen. Vielleicht auch mal nach draussen gehen. Inhaltlich würde ich mit Abzug wegen den Aussagen zur Migration einen 5,5 geben, die Umsetzung ist aber eher knapp bestanden.

Samter: Ich würde ins Zeugnis schreiben «Betragen: gut», als Note insgesamt ein aufgerundeter 5er.

Serap Kahriman, GLP, 1733 Follower:innen

Als einzige der Kandidat:innen um das Stadtpräsidium setzt Serap Kahriman nicht wirklich auf eigene Videos. Neben einzelnen Talkshow-Ausschnitten und kurzen Videos hat sie gerade einmal zwei eigene Produktionen hochgeladen.

«Das Podium», 10 800 Aufrufe

Das Video beginnt mit dem Lied «Frau» von Lara Hulo. Während sie singt, sieht man, wie Serap Kahriman auf die Bühne des Podiums von Tsüri.ch kommt. Dann folgt ihre Rede, in der sie unter anderem sagt, dass es in der Geschichte mehr Männer mit dem Vornamen Hans im Stadtpräsidium gab als Frauen im Amt. Das Video erinnert an eine Aufnahme von stolzen Eltern aus einem Familienchat. Die Kamera wackelt, mehrmals droht Serap Kahriman, die stillsteht, aus dem Bild zu verschwinden.

Nater: Ich finde das ehrlich gesagt einfach ein bisschen faul. Ich verstehe ja, dass sie vielleicht weniger Ressourcen hat als die anderen, aber man hätte mit ganz wenig Aufwand deutlich mehr machen können. Man versteht sie fast nicht, die Schnitte sind komisch.

Samter: Alleine schon, wenn man eine Kamera aufgestellt hätte und die selben Sachen danach noch einmal in die Kamera gesagt hätte, wäre das deutlich wirkungsvoller gewesen. So ist es doppelt schade für den eigentlich soliden Inhalt.

Nater: Wenn mir das Video angezeigt worden wäre, hätte ich das nicht einmal bis zur Hälfte geschaut.

«Mit einer Hand zur Wahlanleitung», 2013 Aufrufe

Das Video beginnt mit einem Kaffee aus einer Nespresso-Maschine. Danach folgt eine Wahlanleitung, die vor allem daraus besteht, dass Serap Kahriman mit einer Hand filmt und mit der anderen mit den Wahlunterlagen kämpft. Kahriman schreibt sich selbst und GLP-Stadtrat Andreas Hauri auf den Zettel.

Nater: Es macht mich wirklich wahnsinnig, wie sie das versucht, mit einer Hand zu machen.

Samter: Sie hätte doch ganz einfach mit Büchern oder zwei Cornflakes-Schachteln ein kleines Stativ bauen können.

Nater: Ich finde Wahlanleitungen eigentlich keine schlechte Sache. Es wissen tatsächlich viele Leute nicht genau, was sie mit den Unterlagen genau machen müssen. Aber das Video dürfte schon deutlich besser produziert sein.

Samter: Es fehlen auch Untertitel. Das wäre gerade bei einer Anleitung so wichtig.

Nater: Der Anfang mit dieser blöden Nespresso-Kaffeemaschine ist auch so uninspiriert. Es macht mich fertig.

Samter: Ich finde es noch passend. Die GLP ist für mich der Nespresso-Kapsel-Kaffee unter den Parteien.

P.S.: Das klingt nach einer schlechten Bewertung.

Nater: Sie hat es einfach verpasst, ihre Schwäche als Stärke zu spielen. Sie hätte zum Beispiel ein Video machen können, in dem sie aufzeigt, wie viel zum Beispiel die FDP ausgibt, damit uns Avdili von jeder Wand entgegenblickt und dass sie nun mal weniger Ressourcen hat.

Samter: Ich finde auch, das ist nicht nur ihre Schuld. Ich frage mich, wo da ihre Partei ist. Warum hält bei diesem Wahlanleitungs-Video zum Beispiel niemand die Kamera, damit sie das Couvert öffnen kann? Warum ist niemand an diesem Podium, die:der das Ganze etwas besser filmt?

Nater: Als Note würde ich einen 4,25 geben. Wenn man den Kontext berücksichtigt.

Samter: Der Notenkonvent einigt sich auf einen 4,25.

Ueli Bamert, SVP, 1591 Follower:innen

Mit viel Engagement und einem Bild von sich hinter dem DJ-Pult als Profilbild stürzt sich SVP-Kandidat Ueli Bamert in die Welt der Instagram-Videos. Alleine in den letzten sieben Tagen lud Bamert 9 Videos hoch. Auch bei ihm scheint das Werbegeld einigermassen locker zu sitzen, schliesslich erreichen einzelne Videos immer wieder über 100 000 Aufrufe, während andere gerade mal ein paar tausend Klicks haben.

«Der besorgte Velofahrer», 230 000 Aufrufe

Ueli Bamert fährt durch den Velotunnel unter dem Zürcher HB, bei dem jeder Meter 90 000 Franken gekostet hat. Sonst sei er ja nicht oft mit dem Velo unterwegs, aber für eine Fahrt durch den Velo-Tunnel schwingt sich Bamert auf sein Gravel-Bike der Marke Tour de Suisse (das aktuelle Modell gibt es für 2699 Franken) und erzürnt sich über die hohen Kosten des Tunnels, der ursprünglich ja für Autos gedacht war.

Samter: Warum hat er keinen Helm an?

Nater: Und was ist denn die Aussage? Wäre der Tunnel günstiger geworden, wenn er für Autos gebaut worden wäre?

Samter: Guter Punkt. Aber ich muss beichten: Das Konzept finde ich leider gar nicht schlecht. Wie der Zähler mit jedem Meter weiter hoch geht, das funktioniert schon. Përparim Avdili ist sicher traurig, dass ihm diese Idee nicht in den Sinn gekommen ist. Es ist überraschend kompetent produziert.

Nater: Optisch ist es wirklich gut, inhaltlich ist es dünn.

«Riz Casimir / Hannibal Lecter», 95 800 Aufrufe

Er brenne für Zürich und heute koche er für Zürich, sagt Ueli Bamert und von unten werden Flammen eingeblendet. Bamert macht Riz Casimir und spricht es französisch (mit stillem Z bei Riz) aus, was in der Jury für emotionale Diskussionen über die richtige Aussprache des Gerichts sorgt. Für Ueli Bamert ist Riz Casimir «wie der perfekt integrierte Ausländer: Sieht zwar exotisch aus, wenn man es aber isst, ist es total schweizerisch.»

Nater: Warum isst Ueli Bamert Ausländer?

Samter: Wie hat das jemand im Schnitt angeschaut und entschieden, diesen Satz im Video zu lassen?

Während Bamert das Riz Casimir mit Aromat würzt, zwinkert er verschwörerisch in die Kamera. Nachdem fertig gekocht ist, kommt SVP-Co-Präsidentin Susanne Brunner noch zu einem Gastauftritt, in dem sie das Gekochte probiert und mit «Wunderbar, Ueli» kommentiert.

Nater: Oh Gott, ich hoffe wirklich, dass Ueli Bamert mir nie mehr zuzwinkert.

Samter: Das Video ist wie der böse Zwilling des Betty-Bossi-Films, und das will etwas heissen.

Nater: Dabei kann er nicht einmal Reis kochen. Er braucht einen dieser Uncle-Bens-Beutel. Also wenn man schon vor der Kamera kocht, dann könnte man das schon ohne Beutel machen.

Samter: Kein Velohelm und kein Reiskocher, es scheint Ueli Bamert wirklich nicht gut zu gehen.

Nater: Was mir auch fehlt: Keine einzige Dosenfrucht wurde verkocht. Das ist nicht mehr mein Riz Casimir.

Samter: Ich finde den Unterschied zu Përparim Avdili noch interessant. Avdili versucht, mit seinen Videos eher neue Wähler:innen ins Boot zu holen, Bamert versucht, die eigenen Leute zu mobilisieren.

Nater: Das Video könnte auch ein Beispiel sein, wie man mit wenig Budget etwas produzieren kann, das nicht schlecht aussieht und bei dem man dabei bleibt. Eigentlich hat das Video nicht einmal einen politischen Inhalt, aber weil es gut produziert ist, fällt das gar nicht gross auf.

P.S.: Welche Note gibt es also für Bamert?

Samter: Für den Kannibalismus gibt es einen Abzug.

Nater: Für den Uncle-Bens-Reis noch einmal einen.

Samter: Und noch einen Dampfabzug?

Nater: Dann ein 2,5?

Samter: Ein 3er?

Nater: 2,9?

Samter: Darauf einigen wir uns.

P.S.: Was sagt ihr nun zum Genre der Instagram-Wahlvideos?

Samter: Schwierig, besonders weil die beiden rechten Männer, die kandidieren, einfach nicht wirklich charismatisch sind, Raphael Golta nicht so viel Lust hat und Serap Kahrimans Videos unglaublich schlecht produziert sind.

Nater: Die Unterschiede zwischen den Videos der Kandidat:innen sind tatsächlich gross. Das Genre ist jetzt nicht unbedingt ein neuer Favorit von mir. Auf ein Instagram-Wahlvideo-Film-Festival kann ich also gut verzichten.

(P.) S. O. S. !

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