«Die Schule muss sich die Prämisse geben, selber zu lernen»

Lukas Walther (FDP) kandidiert für das Schulpräsidium des Schulkreises Letzi. Was ihn dafür qualifiziert und welche Vision der Volksschule ihn leitet, erzählt er im Gespräch mit Roxane Steiger.  

 

Weshalb wollen Sie Schulpräsident werden – was motiviert Sie dazu, sich dieses strenge Amt anzutun?

Lukas Walther: In den letzten sechs Jahren war ich Mitglied der Kreisschulbehörde Letzi. Dort habe ich einen vertieften Einblick in die vielfältigen und vielschichtigen Aufgaben der Schule erhalten. Meine grosse Motivation ist es, gemeinsam mit dem Schulpersonal und der Verwaltung weiterzugehen, um alte Prozesse zu überdenken und einen ganzheitlichen Blick für das Wohl des Kindes zu schaffen. Ich will die Schule mit meiner jungen und frischen Art weiterbringen. Dazu möchte ich vor allem die MitarbeiterInnen stärken und mit ihnen gemeinsam weiter an der Volksschule arbeiten. 

 

Die Kreisschulbehörden sind unter anderem verantwortlich für die Qualität der Schule und gewährleisten einen gut funktionierenden Schulbetrieb sowie die Erfüllung des schulischen Auftrages. Welche besonderen Fähigkeiten und Qualifikationen bringen Sie mit, um diese vielfältigen Aufgaben adäquat zu lösen?

Mit meinem berufsbegleitenden Studium im Bereich Betriebsökonomie an einer Fachhochschule bringe ich das ideale Rüstzeug für dieses Amt mit und kenne es, mit einer hohen Arbeitsbelastung umzugehen. Aktuell bin ich als kaufmännischer Leiter tätig und bringe dadurch eine breite Palette an Erfahrungen mit: von Fragen im Bereich des Personals bis hin zur Organisationsentwicklung oder der Optimierung von Abläufen. Gerade bei Letzterem sehe ich Potenzial, sodass möglichst viele Ressourcen den SchülerInnen zugutekommen.

In der Privatwirtschaft als auch im schulischen Kontext führe ich zudem seit einigen Jahren MitarbeiterInnenbeurteilungen (MAB) durch. Dadurch kenne ich die Personalführungsaufgaben der Schulleitungen und kann da als Sparringpartner agieren. 

Ich glaube, dass ich wichtige Eigenschaften mitbringe, um dazu anzuregen, über den Tellerrand herauszudenken und unkonventionelle Ansätze zu verfolgen. Die Organisation Schule muss sich die Prämisse geben, selber zu lernen. Das erachte ich als wesentlich für eine Bildungsinstitution. 

 

Welches waren in der laufenden Legislatur die grössten Herausforderungen für die Kreisschulbehörde in Ihrem Schulkreis? Angenommen, Sie wären bereits Schulpräsident: Wie hätten Sie diese Herausforderungen gemeistert?

Eine der grössten Herausforderungen war und bleibt weiterhin das Wachstum der SchülerInnenzahlen im Schulkreis Letzi. Gleichzeitig ist der Schulraum begrenzt. Für eine hohe Schulqualität braucht es jedoch ausreichende Raumkapazitäten. Als Lösungsansatz sehe ich hier eine starke Vernetzung mit der Politik, gerade auch über Parteigrenzen hinweg. PolitikerInnen sollten sich gemeinsam Gedanken darüber machen, wie die Infrastruktur dem Bevölkerungswachstum gerecht wird. 

Eine andere Herausforderung, die sich akzentuiert hat, sehe ich in der Heterogenität der SchülerInnenschaft. Auf der einen Seite haben wir einen grossen Anteil an Kindern, die bildungsnah sind und eine hohe intrinsische Motivation haben, um zu lernen und weiterzukommen.

Auf der anderen Seite haben wir Kinder, die diese Eigenschaften weniger mitbringen. Somit entsteht eine Kluft zwischen den SchülerInnen. Die Herausforderung dabei ist, dass die Lehrpersonen Methoden entwickeln und ausprobieren müssen, um dieser Kluft entgegenzuwirken. Dazu müssen sie weiterhin die Kinder auf individueller Ebene abholen. 

 

Worin sehen Sie die grössten Herausforderungen, die es in den kommenden fünf Jahren in Ihrem Schulkreis zu bewältigen gilt, und wie packen Sie sie an?

Wir müssen zusammen mit dem Stadtrat eine Strategie in der Wohnbaupolitik und den Bedürfnissen an Bildungseinrichtungen festlegen und uns stärker als Team sehen und vernetzen. Auch die Schere, die sich zwischen den SchülerInnen zeigt, sowie die Stärkung der Schulleitungen sehe ich weiterhin als grosse He­rausforderungen. Die Aufgabe des Schulpräsidenten liegt für mich darin, dass man Möglichkeiten und Ideen zur Verfügung stellt. 

Ein weiteres Stichwort ist die Tagesschule 2025. Die Herausforderung liegt in der Qualität der Tagesschulen. Gerade in Kombination mit dem Wachstum der SchülerInnenzahl wird dringend Raum benötigt. Um das Ganze auf einen Nenner zu bringen: Wir müssen nach kreativen Lösungen suchen, um die Qualität der Betreuung hochzuhalten. Im Schulkreis Letzi haben wir zum Beispiel neu ein zusätzliches Betreuungshaus, welches zwischen zwei Schulhäusern liegt. Somit konnten die Kapazitäten für eine optimale Betreuung im Rahmen der Tagesschule geschaffen werden. 

Zudem braucht es meiner Meinung nach KlassenassistentInnen, die die Lehrpersonen im Unterricht unterstützen. Diesbezüglich hat der Gemeinderat weitere Ressourcen gesprochen, die sehr willkommen sind. So können LehrerInnen dort unterstützt werden, wo Schwierigkeiten sind. Diese AssistentInnen gehen zum Beispiel mit einzelnen Kindern vorbereitete Aufgaben durch.

Somit können Kinder eher auf individueller Ebene abgeholt und begleitet werden. Mit der Betreuung zusammen gilt es nun, interessante Jobprofile zu erstellen. 

Grundsätzlich ist mir sehr wichtig, dass wir die Kinder, die wir ausbilden, auf eine selbstständige Lebensführung in einer unbekannten Zukunft vorbereiten. Unsere Kinder sollten ein Wissen, ein Können und ein Wollen entwickeln, um zukünftigen Herausforderungen zu begegnen und Probleme zu lösen. Diese Vision leitet mich in der Aufgabe des Schulpräsidiums. 

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