Die Karte zeigt eine Übersicht über die Gültigkeit der Blauen Zone ab 1. September: In den Zonen 12, 17 und 24 (Dättnau, Rosenberg und Oberseen sind noch Rekurse gegen die konkreten Parkplatzregelungen hängig). Gepunktet sind die Zentrumsgebiete, in denen weiterhin Parkgebühren erhoben werden können. (Bild: Stadt Winterthur)

Die Autostadt Winterthur sieht blau

Was anderswo schon lange Realität ist, kommt nun auch in Winterthur: Ab 1. September gilt in Winterthur grundsätzlich eine blaue Zone, in der nur Anwohnende längere Zeit parkieren können. Damit wird auch das Binnenpendeln in der Autostadt Winterthur erschwert.

Ortstermin Eichliackerquartier, im Süden Winterthurs, gleich bei der Autobahnausfahrt, Montagmorgen, ca. 6 Uhr. Autos mit ostschweizer oder süddeutschen Kennzeichen fahren in das Wohnquartier und werden abgestellt. Teilweise werden sie nun bis Donnerstag oder Freitag stehen bleiben, teilweise geben sie den Platz am Abend wieder frei.

Damit soll nun Schluss sein, wie Stadträtin Christa Meier (SP) Anfang Woche an einer Medienkonferenz erläuterte. «Ab 1. September gilt grundsätzlich auf dem ganzen Stadtgebiet eine blaue Zone, in der nur noch die Anwohner:innen mit entsprechenden Bewilligungen länger als eineinhalb Stunden parkieren können.» Rund 25 Jahre nach der Stadt Zürich sieht nun auch die Autostadt Winterthur blau. Beschlossen wurde das an sich schon 2017 durch die damalige bürgerliche Mehrheit im Stadtrat. 2019 gab das Stadtparlament seinen Segen dazu. Dann sollten die blauen Zonen schrittweise in verschiedenen Quartieren eingeführt werden. Das Wehklagen der Autolobbyisten und Rekurse von allen Seiten führten jedoch dazu, dass bis heute erst zwei Quartiere in Veltheim und Oberwinterthur wirklich flächendeckend als blaue Zonen funktionieren. Im Frühjahr nun setzte der Stadtrat auf einen Strategiewechsel. Statt Schritt um Schritt vorzugehen, beschloss er einerseits, die ganze Stadt mit einer Verkehrsanordnung zur blauen Zone zu erklären, andererseits mit einzelnen Zusatzanordnungen die Details in den verschiedenen Zonen zu regeln. Gegen die übergeordnete Anordnung gingen keine Rekurse ein, sodass sie nun rechtskräftig ist und per 1. September in Kraft gesetzt werden kann. 

Widerstand in den Aussenquartieren

Widerstand gegen die konkreten Parkfelder gab es nur in drei der 19 Parkierungszonen: Ausgerechnet an den Stadträndern, in Oberseen, Dättnau und Rosenberg wurden Einsprachen gegen die konkreten Parkfelder eingereicht. Kein Wunder: Diese Zonen sind diejenigen mit den höchsten Autodichten, ihre Bewohnerinnen sind es gewohnt, mit dem eigenen Auto ‹in die Stadt› zu fahren – und wollen natürlich gratis Parkplätze vor der Haustüre. «Wir wollen aber auch das Binnenpendeln ganz klar reduzieren», hielt Christa Meier fest.

Sie sieht der Erledigung der Rekurse positiv entgegen. «In diesen Zonen lassen wir bis dahin alles beim Alten.» Im übrigen Stadtgebiet werden ab September die bestehenden weissen Parkfelder schrittweise blau markiert. Diese Arbeit soll je nach Wetter bis ca. November erledigt sein. 

Neben den erwähnten Aussenquartieren gibt es zwei grössere und einige kleinere Gebiete, in denen das Parkieren auf öffentlichem Grund nicht mit den Anwohnenden-Karten möglich ist: Im Stadtzentrum und dem ehemaligen Suzler-Areal Stadtmitte und im neuen Zentrumsgebiet Neuhegi sowie in den Quartierzentren wie zum Beispiel Töss oder Veltheim werden Parkgebühren erhoben. «Wir wollen, dass diese Parkplätze nicht für längere Zeit belegt werden, sondern dass Wechsel erfolgen können.»

Einige wenige Quartiere, wie etwa das eingangs erwähnte Eichliacker-Quartier, hatten bisher keine markierten Parkplätze. Dies soll auch in Zukunft so bleiben, allerdings gilt die Blaue Zone trotzdem. Plakattafeln werden in diesen Quartieren auf die Parkierungseinschränkungen aufmerksam machen.

Nachweis für Dauerkarten notwendig

Bisher wurde für Autobesitzende, welche über keinen eigenen Parkplatz verfügen, eine Nachtparkierungsgebühr erhoben. Neu können Kombikarten zum Preis von 710 Franken bezogen werden, welche das Parkieren in der Blauen Zone Tag und Nacht ermöglichen. Notwendig ist dazu jedoch ein expliziter Nachweis, dass kein Parkplatz auf privatem Grund zur Verfügung steht. Gewerbebetriebe und Spitex können Spezialbewilligungen für sämtliche Zonen zum Preis von 200 Franken beziehen. Dabei werden die jeweiligen Autokennzeichen hinterlegt. Physische Karten werden keine mehr ausgegeben. Für Besuchende können Tagesbewilligungen über das Online-Tool Parking-Pay bezogen werden, wie die für die Umsetzung zuständige Stadträtin Katrin Cometta (GLP) ausführte.

25 Jahre sind nicht genug …

P.S. feiert eigentlich seinen 25. Geburtstag. Aber es könnte der letzte sein. Wir brauchen Ihre Hilfe.