Derby der Legislative

Die Zürcher Parlamentarier rannten im Letzigrund derart eifrig und mit vollem Einsatz dem Ball hinterher, dass beim knappen Dutzend an ZuschauerInnen vielleicht sogar die Hoffnung geweckt wurde, Postulate, Motionen und Anträge seien in Zukunft so auszufechten. Volksinitiative?

 

Sergio Scagliola

 

Auch wenn es im Letzigrund vergangenen Montag nicht brodelte, der Clash der Parlamente war ein kleines Torspektakel: Der FC Gemeinderat triumphierte im Derby gegen den FC Kantonsrat knapp mit 6:5. Das Derby der Legislative startete allerdings mit einem Fauxpas seitens Gemeinderat. Eine eigentlich ungefährliche Flanke konnte nicht aus dem Strafraum bugsiert werden, dafür ins eigene Tor. Aber da hatte Shaibal Roy, ehemaliger GLP-Fraktionspräsident, noch nicht aufgedreht. Kurze Zeit später glich die Nummer 11 des Gemeinderats zum Einstand aus. Parteikollege und ehemaliger Präsident der städtischen GLP Beni Schwarzenbach war allerdings unbeeindruckt. Ein selbstbewusster Weitschuss landete sehenswert im Tor des FC Gemeinderat. Möglichkeiten, das 2:1 weiter auszubauen, gab es für den FC Kantonsrat durchaus, letztendlich fehlte es aber an Ratseffizienz, ihre Vorstösse umzusetzen.

 

Alt-Gemeinderat Samuel Dubno (GLP) hatte seine beiden Söhne aufgeboten, die den Parlamentariern durchaus ein wenig die Show stahlen. Sie waren gleich für beide der nächsten Tore verantwortlich. Zunächst glich Immanuel Dubno nach einem schnellen Konter zum 2:2 aus. Nur wenige Minuten später das Highlight des Zürcher Derbys: Erneut war es Immanuel, der Abstimmungsprobleme in der Abwehr des Kantonsrats ausnutzen konnte – Tobias Langenegger (SP), der am Montag den rechten Flügel stellte, war unbewusst nach links abgedriftet – und so hatte der Dubno-Schützling genug Zeit für eine massgeschneiderte Flanke auf Bruder Elias, der per sattem Volley ins Toreck traf. Wäre nur die Südkurve voll gewesen… 

 

Aber der Kantonsrat liess sich nicht vom Stadtclub verunsichern und stellte noch vor der Pause auf 3:3. Nach Wiederanpfiff zur zweiten Halbzeit war es wieder Beni Schwarzenbach, der den Kantonsrat in Führung brachte. Aber wieder der schnelle Ausgleich: Elias Dubno sicherte sich wunderschön per Lupfer den Doppelpack. Fast hätte es zudem noch Mehrheitsverhältnisse gegeben. Nach einem Foul hätte der Schiedsrichter auch eine strenge rote Karte zücken können, es blieb jedoch bei der Verwarnung und der Kantonsrat so vollzählig. Weiter im alten Rhythmus: Wieder die Führung zum 5:4 durch den FCK, wieder der schnelle Ausgleich durch den Gemeinderat. Alle glaubten, die Luft sei nun draussen. Aber eine an diesem Montag starke GLP hatte andere Ambitionen – wieder  Shaibal Roy, diesmal in der allerletzten Sekunde, direkt gefolgt vom Abpfiff. 6:5. Ekstase auf den Rängen und beim FC Gemeinderat. 

 

Der FC Kantonsrat, der die Führung gleich viermal aus der Hand gegeben hatte, im Tal der Tränen: «Wir sind total enttäuscht. Aber so ist das mit den Heimspielen – der Gemeinderat hatte einen klaren Vorteil, schauen Sie doch auf die Tribüne. Und vielleicht war es auch nicht ideal, die SVP hinten links aufzustellen», resümierte Tobias Langenegger. Ein ernüchterndes Ergebnis für den Kantonsrat, der sich in der FiKo schon bald zur zukünftigen Strategie austauschen dürfte.

 

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