Der Widerstand gegen den Abriss

Die Familienwohnungen am Beckhammer 21, 23 und 25 sollten abgerissen werden. Die Eigentümerin plante den Bau von 58 Kleinstwohnungen. Doch die bisherigen MieterInnen leisteten Widerstand. Am letzten Samstagnachmittag organisierten sie das «Pro Beckhammer Fest» und konnten bereits den ersten Erfolg feiern: Die Eigentümerin hat den geplanten Neubau zumindest vorerst auf Eis gelegt. 

 

Fabienne Grimm

Die Stimmung an diesem Samstagnachmittag ist trotz des Regens ausgelassen. Kinder rennen vergnügt über den Rasen, drei ältere Damen sitzen gemütlich beisammen und trinken Kaffee, und Patrick Ryf, Präsident des Vereins «Pro Beckhammer», sammelt fleissig Unterschriften für die durch ihn mitverfasste Petition. Die Petition und das «Pro Beckhammer Fest», das an diesem Nachmittag stattfindet, verfolgen ein gemeinsames Ziel: Die Häuser am Beckhammer 21, 23 und 25 im Zürcher Allenmoos-Quartier sollen vor dem Abriss gerettet und die Mieter­Innen davor bewahrt werden, ihre Wohnungen zu verlieren. Einen ersten Erfolg können die BewohnerInnen der Siedlung bereits vorweisen: Erst wenige Tage vor dem Fest hat die Violanta AG, die Eigentümerin der Liegenschaften, den geplanten Neubau zumindest vorerst sistiert und das Baugesuch sowie die Kündigungen zurückgezogen. 

 

Singles statt Familien

Im Frühjahr 2020 erhielten die Anwoh­nerInnen ein Kündigungsschreiben der zuständigen Verwaltung. Die Eigentümerin plante den Abriss der drei Häuser. Statt der bisher 18 Familienwohnungen war auf dem Areal ein Neubau mit 58 Kleinstwohnungen vorgesehen. Wo jetzt vor allem Familien leben, hätten so in Zukunft in erster Linie Einzelpersonen ein Zuhause gefunden. Doch gerade die Durchmischung sei es, was die Siedlung ausmache, erklärt Ryf. «Am Beckhammer leben viele Familien mit Kindern, aber auch viele ältere Menschen, die teilweise schon über 50 Jahre hier wohnen. Das gemeinschaftliche Zusammenleben prägt diesen Ort.» Diesen Eindruck bestätigt auch Isabelle Bamert. Auch sie lebt mit ihrer Familie am Beckhammer. «Wir sind hier eine Gemeinschaft, wir helfen einander. Ist jemand krank, übernehmen wir aus der Nachbarschaft gerne den Einkauf. Oder wir passen gegenseitig auf die Kinder auf.» Für Bamert ist klar: «Es geht hier nicht um Verdichtung. Es geht um Profitmaximierung. Die Eigentümer wollen höhere Gewinne erzielen und nehmen dafür in Kauf, dass sie eine Gemeinschaft auseinanderreissen.» Auch für Ryf ist klar, dass es der Violanta AG nicht um Verdichtung geht: «Die 18 Drei- bis Viereinhalb-Zimmerwohnungen bieten Platz für bis zu 60 Menschen; die im Baugesuch vorgesehenen Kleinstwohnungen lediglich für 58 Menschen.» 

 

Der Kampf gegen Unbekannte

Wer sich hinter der Violanta AG verbirgt, bleibt ein Mysterium. Alleiniger Zeichnungsberechtigter ist gemäss Handelsregistereintrag Andreas Steiner aus Alpthal. Dieser ist auch bei zwei weiteren Immobilienfirmen zeichnungsberechtigt. Alle drei Firmen haben ihren Sitz in Küsnacht. Die Zeitschrift des Mieterinnen- und Mieterverbands Zürich ‹M + W› versuchte, Steiner im Rahmen einer Recherche über den Beckhammer ausfindig zu machen – ohne Erfolg. Die angegebene Telefonnummer der Firma ist ungültig, und an der Adresse in Küsnacht fand ‹M + W› lediglich einen Briefkasten vor. Herrn Steiner hatten die Nachbarn in Küsnacht noch nie zu Gesicht bekommen. 

Diesem Unbekannten hatten die BewohnerInnen des Beckhammers im Frühjahr den Kampf angesagt. Sie gründeten den Verein «Pro Beckhammer» und lancierten zwei Petitionen. Unterstützung erhielten sie von SP-Nationalrätin Jacqueline Badran, wie Ryf erklärt. Für Badran war klar, dass sie sich einsetzen will: «Ich kenne mich in solchen Dingen aus. Wir haben die Petition so umformuliert, dass sie zielgerichteter ist. Ausserdem konnte ich in Erfahrung bringen, dass die Siedlung im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder Schweiz (ISOS) gelistet ist.» Die Auflistung im ISOS macht den Abriss der Gebäude zwar nicht zwingend unmöglich, doch der Prozess kann sich dadurch erschweren.

Was die Eigentümerin dazu bewogen hat, das Bauprojekt zumindest vorerst auf Eis zu legen, ist nicht klar. «Wir waren überrascht, wie schnell die Kündigungen zurückgezogen wurden», sagt Ryf. «Der Druck hat sich gelohnt.» Sich jetzt auf dem Erfolg auszuruhen kommt für Ryf aber nicht infrage: «Wir werden dafür kämpfen, dass die Stiftung zur Erhaltung von preisgünstigen Wohn- und Gewerberäumen der Stadt Zürich (PWG) dem Eigentümer die drei Gebäude abkauft.» Ausserdem wolle sich der Verein in Zukunft für ähnliche Anliegen im Quartier einsetzen. «Das Projekt der Violanta AG wird nicht das Letzte gewesen sein.»

Auch SP-Gemeinderat Severin Meier betont, dass man jetzt nicht nachlassen dürfe: «Ich kann mir gut vorstellen, dass die Eigentümerin jetzt den Sturm abwarten will, um das Projekt danach erneut zu lancieren.» Damit der Beckhammer auch weiterhin auf dem Schirm der Politik bleibt, hat Meier zusammen mit SP-Gemeinderat Matthias Renggli und zwei Mitunterzeichnenden diesen Mittwoch eine schriftliche Anfrage eingereicht.

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