Der Imker und seine Honigbienen

Bienen sind für Mensch und Natur essenziell. Der Imker Christian Bacher führt Interessierte in das Handwerk ein. Anstatt Pflanzenschutzmittel zu verwenden, schlägt er Patenschaften für Blühstreifen vor.

 

Angela Bernetta

 

Die Bienenkisten vor dem alten Haus in Hedingen sind umschwärmt. «Bienen sind wetterfühlig und vermutlich wegen der trockenen Bise unruhig», sagt Christian Bacher und wischt sich eine aus dem Gesicht. «Heute werde ich vermehrt gestochen.» An Armen und Beinen spüre er es kaum noch. «Im Gesicht sind Stiche allerdings unangenehm.» Der 41-jährige Biologe bezeichnet sich mit seinen 50 bis 60 Völkern als Hobby-Imker. Gleichwohl verbringt er viel Zeit mit seinen Honigbienen und betreibt einen Handel für Imkereibedarf. Innere Ruhe und Zeit seien wichtige Voraussetzungen im Umgang mit den Honigbienen. «Sie spüren meine Gemütslage und stechen entsprechend mehr oder weniger zu.»

 

Wichtige «Nutztiere»

 

Während der Blust stellt sich heraus, ob der Imker seine Völker über das vergangene Jahr umsichtig und sorgfältig versorgt und überwintert hat. Im Frühling und Sommer suchen die Bienen nach Nektar und Pollen, tappen auf den Blüten herum und bestäuben so Blüh- und Nutzpflanzen nebenbei, was sie unentbehrlich für Mensch und Natur macht. Während ihres vier- bis fünfwöchigen Lebens produziert eine Honigbiene etwa einen Teelöffel Honig. Für ein ganzes Kilogramm müsste ein Volk, bestehend aus 40 000 bis 60 000 Bienen, mehrmals um die Welt fliegen. «Ein gutes und starkes Volk produziert etwa 100 Kilogramm Honig im Jahr, wobei der Grossteil von den Bienen selber verbraucht wird.» Christian Bacher lässt ihnen, was sie zum Überleben brauchen. «Ich nehme nur den Überschuss.» Um Honig zu gewinnen, kratzt der Imker das Wachs von den Waben und stellt die Holzrahmen voller Honig in die Schleuder. Die gewonnene, goldgelbe Flüssigkeit lässt er anschliessend durch ein Sieb in ein Gefäss fliessen und verteilt sie in Gläser. Gesund sei Honig lediglich in Massen genossen, sagen Ernährungsfachleute. Drei Esslöffel täglich seien ein guter Richtwert für gesunde Erwachsene. Bienenhonig besteht zu 80 Prozent aus Zucker, der Rest sind Wasser sowie geringe Mengen an Aminosäuren (Eiweisse), Vitamine und Mineralstoffe.

 

Weniger Spritzmittel

 

Entwickelt sich ein Bienenvolk nicht wie erwartet, muss es aufgelöst werden. Der Imker sorgt auch dafür, dass Bienen nicht schwärmen. «Sie tun dies instinktiv, wenn es beispielsweise zu wenig Platz im Stock hat. Das Bienenvolk fliegt davon und sucht sich einen neuen Standort.» Honigbienen wurden über die Jahrhunderte domestiziert und sind heute ohne Imker nicht mehr überlebensfähig. «Sie werden nicht alleine mit Parasiten fertig und finden keine natürlichen Nistplätze mehr.» Deshalb werde er regelmässig aufgeboten, um Schwärme einzufangen. 

Ein Parasit macht den Imkern seit bald 40 Jahren zu schaffen. «Die Varroamilbe befällt die Bienenbrut, ernährt sich vom Blut der Larven und Bienen, schwächt diese und überträgt Krankheiten.» Je milder der Winter, desto schlimmer die Milbenplage. Man rücke ihr mit organischer Säure oder mittels Brutstopp-Verfahren zu Leibe.

 

Auch die schwindende Biodiversität auf intensiv genutzten Feldern und Wiesen sowie Pflanzenschutzmittel setzten den Honigbienen zu, aber auch den rund 600 wild lebenden Arten. Etwa die Hälfte der teilweise solitär lebenden Wildbienen ist bereits gefährdet. Die Pestizide machen die Bienen orientierungslos. «Akute Vergiftungen können zum sofortigen Tod führen.» Finden sie trotzdem zurück in den Bienenstock, zeigt sich das Problem 21 Tage später beim Nachwuchs. 

«Das ist ein heikles Thema, das noch einiger Diskussionen bedarf, bevor eine tragfähige Lösung gefunden wird», antwortet Christian Bacher auf die Frage, ob die Volksinitiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide», die Ende Jahr zur Abstimmung kommen soll, eine Lösung sein könnte. «In Berlin beispielsweise gibt es Patenschaften für Blühstreifen, die sehr beliebt sind.»

 

Viel Interesse am Handwerk

 

Um den Bienen zu helfen, müsse man nicht selber imkern. «Man kann einen Imker finanziell unterstützen oder Pate eines Bienenvolks werden. Oder man lässt seinen Garten etwas verwildern, was Lebensraum nicht nur für Bienen schafft.» Im städtischen Siedlungsgebiet sei das Nahrungsangebot ohnehin reichhaltiger, da Wiesen und Brachen nicht gespritzt werden und es kaum Monokulturen auf intensiv genutzten Flächen gäbe. 

Christian Bacher weiss einiges über die Imkerei und wird regelmässig um Rat gefragt. Als Betriebsleiter Bienen Schweiz führt er in den Kursen des Bienenzüchtervereins Affoltern am Albis Interessierte in das Handwerk ein. Die Grundausbildung dauert 18 Halbtage verteilt auf zwei Jahre. «Wir vermitteln das nötige Rüstzeug an Theorie und Praxis, so dass Bienen und Imker voneinander profitieren können.» Es freue ihn, dass vermehrt junge Leute das Handwerk erlernen wollen. «Die Szene durchmischt sich und legt ihr angestaubtes Image langsam ab.»

 

Weitere Infos: www.bienen-affoltern.ch

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