Bild: Bettina Diel

Dasein

Bei Klaus Merz liegen keine 100 Seiten zwischen zwei Sätzen zum Niederknien.

Das Modell einer Bühnenrekonstruktion eines Arbeitszimmers in die Bühnenrekonstruktion eines Arbeitszimmers getragen, stellt die Vorstellung mit der Darstellung in eine Korrelation, die wiederum einen infiniten Möglichkeitsraum darstellt, in dem Klaus Merz Worte sucht, findet, verwirft und immer so weiter und immer so fort. Nichts ist hier eigenartig, höchstens ein wenig verstiegen oder seltsam oder banal oder halt komplett trefflich auf den Punkt gebracht. Ein Angebot von Manuel Bürgin, in dem sich Silke Geertz, Miriam Japp und Christoph Rath wie Magritte-Figuren zeitgleich auf mehreren Ebenen zugleich bewegen und stillstehen, eine Leerstelle und ein Trugbild darstellen. Konkret und abstrakt, real anwesend und als Hauch einer Idee auch schon wieder um die Ecke verschwunden. Nur das Schmunzeln ist geblieben. Einmal fällt das Paradox «die Besonderheit des Gewöhnlichen» und schiebt sich gedanklich – also wie von Zauberhand – so lange geduldig weiter vor, bis es an der Stelle aufscheint, die einem Credo vorbehalten wäre, sofern dafür Bedarf ist. Natürlich nicht. Denn Jetzt ist ja auch jederzeit von der exakt gleichen Bedeutung, nur dass es sich von alleine multipliziert, schier endlos aneinanderreiht und in dieser Häufung zur möglichen Verlockung führen kann, unter der Vielzahl von Möglichkeiten eine als herausragend überhaupt aussuchen zu wollen, derweil schon wieder eine Hand voll neuer Jetzts hinzugekommen sind und mit ihrem Erscheinen die Absicht als genauso ehrbar wie sinnlos entlarven, womit sich Ausgangspunkt und Endpunkt als identisch manifestieren. Das ist aber nicht ernüchternd, sondern ermutigend. Denn eine erlangte Quintessenz ist, wenngleich flüchtig und schon gar nicht weltverändernd, ausreichend Ansporn für einen neuen Anlauf, dem Schauen, dem Fühlen, dem Denken, ergo dem Dasein eine weitere Chance zu lassen, sich als heiter, erhellend, lebenswert zu erweisen. Mit oder ohne eigenes Zutun.

«Eine Ahnung vom Ganzen», 1.11., Theater Ticino, Wädenswil. Tourdaten: theatermarie.ch