Das Schlachthofareal wird geplant

Anna Schindler, Direktorin Stadtentwicklung Zürich und François Aellen, Direktor Umwelt- und Gesundheitsschutz Zürich informierten am vergangenen Montagabend über den Planungsstand einer Zukunft für das Schlachthof-Areal.

 

Thomas Loosli

 

Der Schlachthof in Zürich hat eine lange Geschichte. Es ist eine Geschichte der Verdrängung. Die hygienischen Verhältnisse sorgten im 19. Jahrhundert dafür, dass man den Schlachthof zuerst aus den Stadtmauern verbannte und 1906 noch weiter weg an den heutigen Standort auslagerte. Diese Verdrängung ist verständlich, denn trotz weniger Geruchsemissionen im Vergleich zu früher kommt einem das «gute Düftchen» zum Beispiel nach der Überquerung der Duttweiler-Brücke deutlich riechbar entgegen. Etwa 270 000 Tiere werden jährlich an diesem Ort in den Tod geführt. Dagegen gibt es durchaus Proteste. Jeden Freitagmorgen früh versammeln sich AktivistInnen vor dem Schlachthof Zürich und halten Mahnwache. Das Quartier Hard West um den Letzigrund hat in den letzten Jahren eine beträchtliche Veränderung durchlaufen und ist zu einem Wohnquartier aufgestiegen. Entsprechend schwer lässt sich ein Schlachthof inmitten eines trendigen Quartiers noch erklären oder halten. Gleichzeitig ist es eine Realität, dass Tiere geschlachtet werden müssen, solange man ihr Fleisch verzehren will.

 

Was passiert auf Schlachthof-Areal?

Bis 2029 wird am aktuellen Betrieb des Schlachthofs festgehalten. Was nachher passiert, wird zusammen mit benachbarten Unternehmen, den Quartiervereinen, Inte­ressenverbänden und GrundeigentümerInnen entschieden. Die Stadt hat am vergangenen Montag die Stakeholder ins Restaurant Schlachthof einberufen, um über den aktuellen Stand der Planung zu informieren. Allerdings konnten Frau Schindler und Herr Aellen noch wenig berichten, erst Ende 2020 werde die Nutzungsstrategie stehen. Davor gibt es ein Mitwirkungsverfahren für die inte­ressierte Bevölkerung, so genannte Echoräume wofür aber erst die Daten bekannt sind: 9.12.19/26.2.20. «Der regionale Richtplan sieht vor, dass das Schlachthofareal ein Gebiet für Gewerbe kleiner und mittlerer Unternehmen wird», sagt Anna Schindler. «Eine Wohnzone der Grösse von etwa einem Hektar wäre aber möglich», führt sie aus. Auch ist noch ungewiss, ob es mit der Fleischwirtschaft beim Schlachthof weitergeht oder ob der Schlachthof aus der Stadt Zürich weichen muss.

 

Mehr Freiraum für das Quartier Hard

Für etwas Aufhorchen sorgte an der städtischen Informationsveranstaltung Esther Bosshardt vom AnwohnerInnenverein Zürich Hard West. Sie gab zu Bedenken, dass der Stadtrat in den Jahren 2012 und 2015 mehr Freiraum für das Areal zugesichert habe. Zudem heisst es im Protokoll des Stadtrats Zürich vom 12. Juli 2017 als Antwort auf eine Anfrage von Markus Knauss und Felix Moser betreffend Grünflächen auf dem Schlachthof­areal: «Das Schlachthofareal befindet sich in einem mit öffentlichem Freiraum unterversorgten Gebiet. Zur Verbesserung der Freiraumversorgung nimmt das Schlachthofareal daher eine wichtige Rolle ein.» Anna Schindler wandte darauf ein, dass die Zukunft des Schlachthof-Areals immer offen gewesen sei. «Die Möglichkeiten eines Freiraums sind da, aber sie sind auf die Möglichkeiten beschränkt, die die Bau- und Zonenordnung (BZO) innerhalb der Industrie- und Gewerbezone gestattet», fügte sie an. «Es ist einfach schade», meint Esther Bosshard. «Zürich ist gebaut», habe es noch unter Stadtpräsidentin Ursula Koch geheissen. Unterdessen sei der Druck der Wirtschaft so enorm, dass man gegen die vielen Bauprojekte kaum noch ankomme. Das Aufwertungsprogramm von 1996/97 unter Stadtpräsident Josef Estermann habe vorgesehen, dass zwischen Hardturm und Üetliberg eine Art Freizeit- oder Sportmeile hätte entstehen sollen, mit Grünflächen dazwischen. Inzwischen ist dieses Programm wieder verworfen worden. Esther und Rico Bosshardt haben 2005 nach langem Kampf die Herdernwiese erhalten können, eine kleine Wiese, respektive ein Spielplatz am Rand des Schlachthofareals bei der Bushaltestelle Herdern. Sie sind Mitglieder des Vereins Herdernwiese und organisieren dort kulturelle und kulinarische Veranstaltungen wie ein Frühstückspicknick, Kino- und Grillabende und bieten für Kinder Spielzeug und für Erwachsene Hängematten an. In diesem Quartier sei wenig Grünraum vorhanden, meint Esther Bosshardt. Anders sieht die Direktorin der Stadtentwicklung Anna Schindler die städtische Politik. «Die Stadt hat sich mit der neuen BZO klar dafür ausgesprochen, dass sie die wenigen noch verbliebenen Industrie- und Gewerbezonen retten und dafür sorgen will, dass Grünflächen genauso sowie kleinere und mittlere Betriebe in der Stadt nicht zu kurz kommen.» Neben dem Raum für Gewerbe scheint auf dem Schlachthofareal hinsichtlich Frei- und Grünraum wenig Potenzial vorhanden zu sein.

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