Damit das Dorf nicht überrollt wird

Mit einer Begegnungszone und Tempo 20 soll die Aufenthaltsqualität im Richterswiler Ortskern verbessert und der Verödung der Ladenszene entgegengewirkt werden. Die SP hätte zwar eine Fussgängerzone bevorzugt, stellt sich aber dennoch wie die GP hinter die 3-Millionen-Vorlage.

 

 

Arthur Schäppi

 

 

Malerische Häuserfronten und verwinkelte Strassen und Gassen in einem geschützten Ortsbild von nationaler Bedeutung: Richterswil verfügt zweifelsohne über den schönsten Dorfkern am linken Zürichseeufer. Doch die Idylle trügt. Der Detailhandel leidet auch hier unter dem schleichenden Strukturwandel – weg von den klassischen Dorfläden mit Laufkundschaft hin zu blossen Dienstleistungsbetrieben. Und Autolärm, Abgase und enge Trottoirs laden nicht gerade zum Flanieren oder Einkaufen ein. Eine von der Gemeinde in Auftrag gegebene Studie bezeichnet die Verkehrssituation im Ortszentrum denn auch wenig schmeichelhaft als «Stimmungskiller». Die wohl gewichtigsten Ursachen dafür: die Strassenraumgestaltung und das Verkehrsregime. Sie präsentieren sich noch immer so, als würde die 1985 eröffnete Seestrasse als Zentrumsumfahrung nicht existieren und als müsste sich der Durchgangsverkehr somit noch immer durch den engen Ortskern quälen.

 

Kreuzung wird Dorfplatz

Jetzt aber soll dort der innerdörfliche Verkehr zugunsten des Langsamverkehrs und der Anwohner gedrosselt und die Aufenthaltsqualität mit einer Neugestaltung des Strassenraums verbessert werden. «Revitalisierung Dorfkern» heisst die entsprechende Vorlage für 2,981 Millionen Franken, die am 10. Juni zur Abstimmung gelangt. Sie ist das Konsensprodukt eines mehrjährigen Mitwirkungsverfahrens, auf das sich die Gemeinde mit Vertretern der Fachgeschäfte, der IG Dorfkern, des örtlichen Hauseigentümerverbands, des Verkehrsvereins und weiterer Organisationen geeinigt hatte.

 

Herzstück ist dabei eine Begegnungszone, die sich auf einer Länge von fast 250 Metern über die Dorfstrasse vom Wisshusplatz bis über das Restaurant Raben hinaus erstreckt und die als Seitenarme auch die Post- und Teile der Dorfbach- und Kirchstrasse umfasst. Gelten soll dort Tempo 20 und Fussgängervortritt und ermöglicht werden ein einvernehmliches Nebeneinander auf derselben, trottoirlosen Verkehrsfläche.

 

Die verkehrsberuhigte Kreuzung Dorf-, Dorfbachstrasse würde so zum Dorfplatz – was mit einer Wasserring-Struktur am Boden optisch unterstrichen wird. Bäume, weitere Pflanzen und fixe oder mobile Sitzelemente sollen den Strassenraum gliedern und sicherer machen.

 

Sozialdemokraten und Grüne sagen Ja zum Vorhaben. Wobei die SP die Schaffung einer Fussgängerzone bevorzugt hätte, was gemäss Gemeinderat indes zu einem späteren Zeitpunkt an sich ohne grosse Kostenfolge noch immer möglich wäre. Trotz dieses «Schönheitsfehlers» stehe die SP hinter der Vorlage, zumal sie eine spürbare Aufwertung des Dorfkerns bringe und auch Anklang in breiten Bevölkerungskreisen finde, sagt SP-Vorstandsmitglied Peter Walt. Bei einem Nein hingegen sei zu befürchten, dass der unhaltbare Zustand auf unbestimmte Zeit andaure. Dass das Projekt selbst von SVP und FDP trotz teilweisen Vorbehalten bezüglich der Kosten unterstützt wird, dürfte vor allem daran liegen, dass mit der Umgestaltung kein Parkplatzabbau erfolgt.

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