Dada-Gaga

 

Dada hier und da. Überall Dada. Im Landesmuseum, im Kunsthaus, im Museum Rietberg, auf den Theaterbühnen. Und natürlich bei Zürich Tourismus.

Hundert Jahre Dada – das muss gebührend gefeiert werden, dachten sich das Kulturestablishment und die Reisewirtschaft. Am besten mit viel Brimborium, damit die BesucherInnen herbeiströmen und es nur so spült vor lauter Geld in den Kassen. Denn Dada war richtig wichtig. Geboren im Zürcher Niederdorf an der Spiegelgasse, wo heute der Shop und die hippe Café-Bar Cabaret Voltaire ihren Platz finden, konstituierten sich die DadaistInnen als politische Kunst- und Protestbewegung.

Um die Schweiz herum zerfleischten sich gerade die Reste des alten Europas im Ersten Weltkrieg und packten hierfür nie gekannte Kriegsgräueln aus. Die Dadaisten indes protestierten subtil mit ihrer Poesie, ihrem schalkhaften Witz und einer Kunst, die so anders war als alles, was es bisher gab. Die gewaltige Destruktion dieser Anti-Kunst, diese Selbstironie und die Manifeste waren der kulturelle Super-GAU für alles Etablierte.

Genau dieser Kunstrevolution widmet man nun zum hundertsten Geburtstag die Hallen der Institutionen. Die Puppen von Sophie Taeuber hängen schlaff in den Vitrinen, Dada-Bücher kleben als Einzelseiten gerahmt an den Wänden und Gedichte laufen in Endlosschleife vom Tonband. Wo bleibt das Cabaret? Wo bleiben die bissigen politischen Statements à la Dada? Wo das laute ‹Anti-› in der ‹Anti-Kunst›?

Dada wird also hundert. Oder besser: Wurde vor hundert Jahren geboren. Denn noch nie war Dada so tot wie an seinem hundertjährigen Jubiläum. Dieser Geburtstag hat so viel Charme wie eine Beerdigung. Fragt sich, ob das 103. Jubiläum wohl dadaistischer wird?

 

Tobias Urech

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