Bücher

Die Tote von Harvard

Das Hauptthema – des 1981 erstmals erschienenen Romans – ist schon auf der ersten Seite klar. An der renommierten Harvard-Universität ist man (Mann) bestürzt. Ein anonymer Stifter finanziert einen Lehrstuhl an der anglistischen Fakultät mit der einzigen Bedingung: Es muss eine Frau sein. Die Geschichte, die sich daraus ergibt, ist unfassbar, amüsant und geistreich.  Im Mittelpunkt…

Roland Baines 

Als Sohn eines britischen Offiziers wächst Roland Baines in Libyen auf. Kaum elf Jahre alt, begleiten ihn seine Eltern nach England ins Internat. Hier, gut 3000 km von der Mutter entfernt, geht sein Leben weiter. Mit der Mutter kann er nur brieflich verkehren. Roland, der in Libyen ein freies Kinderleben führen konnte, muss sich hier einordnen. Im Internat muss er «zügig lernen, nach der…

Hitzenacht

Der Autor, Nikolaj Schultz, lebt in Paris und leidet im Sommer – selbst in der Nacht – unter der Hitze. Er kann nicht schlafen, wälzt sich im Bett. Gleichzeitig wälzen sich Gedanken in seinem Hirn. War es im Sommer immer so heiss? Falls nicht, was sind die Gründe für diese Hitze? Der Autor weiss um den Klimawandel, denkt darüber nach. Er braucht zu viel warmes Wasser, der Kaffeeverbrauch…

Naiv und gewitzt

Der Polizist Koni Bühler, der in einer Kleinstadt im Mittelland amtet und viel lieber Bauer wäre, erhält zusammen mit seinem Freund, dem Werkmeister Bamert – die beiden kennen sich aus ihrer Zeit als Zöllner – vom Bürgermeister den Auftrag, einen Teil der Vorbereitungen für das 900-Jahresfest des Städtchens zu organisieren. Nur passt wenig zusammen. Die Urkunde, die das Gründungsdatum…

Haarsträubendes

Beim Recherchieren zu einem anderen Buch stiess ich auf ein zuvor übersehenes Mühle-Erstlesebuch. Es klang so amüsant, dass ich es nachbestellte. Kommentar der Pressevermittlerin: «Jörg Mühles Humor ist unschlagbar.» Stimmt! Plötzlich sind Vaters Haare weg, seine Haare, mit denen er ein ganzes Leben verbracht hatte, die mit ihm lesen, schreiben und rechnen gelernt hatten – auf und davon!…

Derb

Der zurückhaltende Ich-Erzähler verliess wegen seiner Homosexualität seine Familie auf dem Land. Sein Vater gehört zu den Grossbauern, seine Mutter ist verstummt. Die Schwester liebt ihren Mann, er sie auch, aber er ist notorisch untreu. Beide hängen an ihrem Sohn Daniel, der sich mit Toti, einem Flüchtling aus Syrien befreundet, was auch zur Freundschaft mit dem Grossvater führt, der mit…

Wer weiss, wer schwarz

Elf Romane hat die US-amerikanische Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin Toni Morrison geschrieben und nur eine einzige Kurzgeschichte. «Rezitativ» ist 1983 erschienen und liegt jetzt erstmals auf Deutsch vor.  In Morrisons Texten geht es immer wieder um die Frage, wie die Hautfarbe unsere Wahrnehmung und unser Schicksal beeinflusst und wie sich die US-amerikanische Geschichte der…

Sprunghaft

Die österreichische Autorin Brigitte Knapp macht es zumindest mir nicht leicht, dem Sinne ihrer Erzählungen immer genau zu folgen. Dafür überrascht sie mit einer Folge von faszinierenden Wort- und/oder Satzfolgen, die Zug und Melodie aufweisen, auch wenn der inhaltliche Zusammenhang zumindest für mich nicht immer herstellbar ist. In der Titelgeschichte «Fischer am Berge» geht es immer…

Soziale Heimatpartei

Die beiden Journalisten Gernot Bauer und Robert Treichlerbefassen sich in ihrem Buch mit Herbert Kickl, dem Vorsitzenden der Freiheitlichen in Österreich, einem Rechtspopulisten mit intakten Chancen, die kommenden Nationalratswahlen zu gewinnen. Im zweiten Teil geht es um Rechtspopulismus in Europa. Das Buch bietet im ersten, weitaus längeren Teil sehr viele Fakten zum Lebenslauf des 1968…

Dramatik und Anekdoten

Uwe Wittstock erzählt in «Marseille 1940» geglückte und gescheiterte Fluchten vor allem deutscher und jüdischer Künstler:innen aus dem besetzten Frankreich. «Marseille 1940» ist so etwas wie eine Fortsetzung des Buchs «Februar 33. Der Winter der Literatur» (2021), in dem Uwe Wittstock chronologisch und mit vielen kurzen Szenen schildert, wie die Machtübernahme Hitlers sich auf die…

Die Dame aus den Wellenhügeln

Margrit Schriber ist ein wunderbares, nicht immer ganz einfaches Buch gelungen, das der Stickkunst, der Maria Antonia Räss und den Appenzeller:innen ein Denkmal setzt: mit viel Liebe, Ironie und fast ohne Kitsch. «Nein, mein lieber Charles, so leicht gebe ich nicht auf. Eine Schau­stickerin, die mit sechzehn ihre Kunst in den europäischen Metropolen vorführt und mit siebenundzwanzig…