Anna und Ruth sind sich verwandtschaftlich verbunden. Annas verstorbener Mann war der Bruder von Ruth. Aber vor allem sind die beiden seit Jahrzehnten befreundet. Ruth führte jahrelang eine Kita, hat nun Geld und das Elternhaus im Tessin geerbt. Sie sind beide um die 60 und überlegen sich, was noch werden soll. Sie bauen das Haus um und bieten darin einen Aufenthalt von drei Monaten für Frauen an, die entweder schon alt sind oder sich dem Alter nähern. Die drei Monate sollen eine Gelegenheit bieten, sich Gedanken über das Frauenleben im Alter zu machen und anderseits auch an einem eher künstlerischen Projekt zu arbeiten und logischerweise das Leben miteinander zu erproben. Wobei sie keinen Gruppenzwang wollen und sie auch keine gemeinsamen Projekte verlangen oder anstreben. Klar ist: Anna und Ruth stellen die Infrastruktur zur Verfügung, sind selber aber nur sehr bedingt Teil des Projekts.
Es sind fünf Frauen um die 60 Jahre, die sich für dieses Damenprogramm eingefunden haben, respektive ausgewählt wurden. Sie unterscheiden sich stark: Mathilde kocht vor allem gerne und sie ist hier, um weg von ihrem Mann zu sein, der nicht ganz so schlimm ist, wie er zuerst erscheint. Mathilde will von Projekten oder Künsten nichts wissen, dafür schafft sie es, im abgelegenen Tessinerdorf Kontakte aufzunehmen. Sie wird als Köchin und gute Seele des Dorfes nach dem Programm im Tessin bleiben. Vera fotografiert alles immer wieder, ihre Porträts öffnen Möglichkeiten zu Diskussionen. Hella näht und mahlt und sucht als Einzige den Kontakt zu einem Mann, was ihr auch gelingt. Louise arbeitet am Projekt zum guten Glück und sie beschäftigt sich immer noch mit dem Tod ihres Ehemannes, mit dem sie eine extrem innige Beziehung geführt hatte. Claudia schliesslich nimmt Urlaub von ihrer dementen Mutter und erlebt in der Zeit einen Schrecken mit dem schweren Unfall ihrer Enkelin.
Es ist ein Buch, in dem viel von den Vergangenheiten die Rede ist, vom Altern als Frau, aber keineswegs larmoyant. Oft mit viel Witz werden Frauenleben und Frauengegenwart thematisiert. Etwa mit Sprüchen wie «leben sei doch viel aufregender als altern». Ein undramatisches Buch mit einigen Überraschungen in der Gegenwart.
Theres Roth-Hunkeler: Damentour. Bücherlese, 2025, 315 Seiten, ca. 25 Franken.