Es wird knapp beim Stadtpräsidium: Kaspar Bopp (links) oder Stefan Fritschi? (Bilder: zVg.)

Bopp oder Fritschi

Es wird wohl knapp werden, die Ausgangslage für das Stadtpräsidium ist offen: Hier Kaspar Bopp, SP, Finanzvorstand seit 2019, als Vertreter des eher progressiv-urban ausgerichteten Winterthurs, da der im Winterthurer Bildungsbürgertum bestens vernetzte Stefan Fritschi, Stadtrat seit 16 Jahren, davon 9 Jahre als Vorsteher der technischen Betriebe. Kaspar Bopp hat wohl etwas die grössere Hausmacht, Fritschi das gehobene, eher traditionelle ‹Winterthur› hinter sich.

Sie vertreten nicht nur zwei gegensätzliche politische Lager, sie vertreten auch je einen deutlich anderen Politstil. Der 45jährige Kaspar Bopp, offensiv und ambitioniert, der 54jährige Stefan Fritschi, schon fast etwas abgeklärt, der, so scheint es, gar nicht unbedingt für das Stadtpräsidium kandidieren wollte, sich viel Zeit liess bis zum Entscheid.

Beide sind stark verwurzelt in Winterthur. Bopp hat rund 35 Jahre seines Lebens hier verbracht – Winterthur hat ihn geprägt. Er ging in Winterthur zur Schule, war in der Pfadi aktiv und hat sich in Sportvereinen engagiert. Fritschi wuchs in Veltheim in einer Pfarrersfamilie auf, besuchte das Gymnaisum in Winterthur, war ebenfalls in der Pfadi aktiv: Beide verfügen also über einen starken ‹Eingeborenenbonus›, in Winterthur bei Wahlen ein wichtiger Faktor.

Wo sind die Differenzen?

Die politischen Differenzen sind im Wesentlichen in der Finanzpolitik zu finden. Fritschi plädiert hier für Steuersenkungen, um Unternehmen weniger zu belasten und neue Unternehmen anzulocken. Damit verbunden ist es seine Absicht, mehr Arbeitsplätze zu schaffen, um zu verhindern, dass Winterthur zur Schlafstadt werde. Kaspar Bopp seinerseits stellt sich auf den Standpunkt, dass Steuersenkungen einfach eine ständige Spirale nach unten zur Folge hätten. «Gesamtschweizerisch stehen wir finanziell alles in allem gesehen gut da, die Steuerbelastung im Vergleich mit den Grossstädten ist sogar eher tief.» Winterthur brauche Investitionen und diese hinauszuschieben verteuere die Aufgaben vielfach nur, sodass spätere Generationen umso mehr bezahlen müssten. Hier treffen sich die beiden: Kaspar Bopp wie auch Stefan Fritschi lehnen die Anti-Schulden-Initiative der FDP ab.

Klar sind auch die Differenzen im Verkehrsbereich: Während Stefan Fritschi die Anti-Tempo-30-Initiative begrüsst hat und ihre Vorteile für die Busbetriebe herausstreicht, bedauert Bopp deren Annahme und verweist auf die Mehrheit der Winterthurer Bevölkerung, welche die Initiative abgelehnt hat. Mit der Annahme würden viele Massnahmen zum Schutz vor dem Strassenlärm nun verunmöglicht. 

Stefan Fritschi tritt generell etwas zurückhaltender auf, etwa wenn es um die Kulturförderung geht, so hält er zwar fest, dass diese wichtig sei, bezüglich der anstehenden Kürzungen will er sich aber nicht gross festlegen, während Kaspar Bopp deutlicher manifestiert, sich für eine verbesserte Finanzierung im Kulturbereich einsetzen zu wollen.

Was hat sie gefreut?

Sowohl Bopp wie Fritschi blicken auf eine längere Zeit im Stadtrat zurück. Welches war in dieser Zeit ein speziell positives Ereignis? 

Für Kaspar Bopp war dies der Abschluss der langwierigen Geschichte um die Verselbstständigung der städtischen Pensionskasse. «Es ist erfreulich, dass wir nach einer langen Phase der Blockade hier eine tragfähige Lösung erarbeiten konnten. Das Parlament hat dieser Lösung einstimmig zugestimmt, und die Bevölkerung hat sie mit deutlicher Mehrheit bestätigt. Es freut mich besonders, dass wir damit die Vorsorge unserer Mitarbeitenden nachhaltig stabilisieren konnten.»

Für Stefan Fritschi ist es ein Erlebnis in der Natur: «Im März 2024 durfte ich eine Traubeneiche unterhalb des Rosengartens pflanzen. Das war der 1000. Baum von unserer Aktion 1000 zusätzliche Bäume für Winterthur. Das war für mich ein sehr schöner Moment, und ich war auch ein wenig stolz darauf.»

Der Joker für die nächsten vier Jahre

Was würden Bopp und Fritschi als Stadtpräsident am liebsten innert der nächsten vier Jahre umgesetzt sehen, könnten sie einer Fee einen Wunsch äussern? Kaspar Bopp: «Wenn ich einen Joker hätte, würde ich ihn wohl für die sofortige Verlegung der Autobahn in Töss in den Tunnel einsetzen. Das wäre ein enormer Gewinn für Winterthur: eine Stadtreparatur riesigen Ausmasses. Ein solches Projekt würde die Lebensqualität in mehreren Quartieren spürbar verbessern und Winterthur langfristig prägen. Das wäre ein Projekt, das über Generationen Wirkung entfaltet.» 

Stefan Fritschi dagegen setzt auf die Umnutzung des «schönsten Parkhauses»: «Für die Umnutzung der Halle 53 von einem Parkhaus zu einem Kultur-/Kongress-/Mehrzweckzentrum würde ich gerne den Joker setzen. Ganz wichtig für Winterthur ist mir aber auch, dass wir einen grösseren finanziellen Spielraum hätten.»

(P.) S. O. S. !

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