Billiglohnland, Poppopulismus & Pynchon

Radio fürs linke Ohr: Radioprogramm von Hans Steiger

Samstag, 11. April

8.30 SWR: «Deutsche Unis und das Militär.» Dirk Asendorpf zur umstrittenen Rüstungsforschung.

10.00 DLF: «Klassik, Pop et cetera» mit dem Schriftsteller Wolf Wondratschek.

11.00 DLF: «Arbeiten im Billiglohnland.» Dirk Auer in der Reportagen-Reihe Gesichter Europas. Serbien gilt auf dem Balkan als ökonomischer Musterschüler. Um einem drohenden Staatsbankrott zu entgehen, bog das Land vor Jahren auf einen radikalen Reform- und Sparkurs ab: Renten und Gehälter wurden gekürzt, Zehntausende von Beschäftigten in Staatsbetrieben entlassen, Hunderte von Unternehmen privatisiert oder in die Insolvenz geschickt. Seitdem ist zwar die Arbeitslosigkeit gesunken, der Haushalt weist sogar einen Überschuss auf. Doch die Medaille hat eine Kehrseite: Arbeitslöhne, die nicht zum Leben reichen, kaum eine rechtliche Absicherung der Beschäftigten, machtlose Gewerkschaften. Auch ausländische Investoren stehen wegen schlechter Arbeitsbedingungen immer wieder in der Kritik. Und wie lebt es sich eigentlich mit 300 Euro Monatslohn, Wochenendarbeit und unbezahlten Überstunden? SRF 2 wiederholt die «Musik für einen Gast» mit Maja Stolle, Schauspielerin.

16.00 SRF 2: «Tyll.» Hörspiel nach dem Roman von Daniel Kehlmann. Teil zwei.

17.00 SWR: «Zeitgenossen.» Peter Hünermann, katholischer Theologe.

20.00 DLF: «Tell me something good, Stockhausen!» Ursendung eines Hörstücks von Wittmann/Zeitbloom. 50 Minuten Human Voice Machine mit mikrorhythmischen Sprachsamples, generiert aus Texten von Nick Bostrum, Rosa Luxemburg, Yuval Noah Harari, einem AI-Poem-Generator, Julius Sturm, Robert Barry u.a. «Smart systems, smart love, smart life, smart dust. Just do it.» So die Vorschau in Kürze. Ausgangspunkt scheint der «Gesang der Jünglinge» zu sein, mit dem Karlheinz Stockhausen bereits in den 1950er-Jahren versucht habe, «Dystopie und Utopie zu vereinen». Gleichzeitig bei SRF 2: «Die Entführung aus dem Serail.» Hörspiel von Feridun Zaimoglu und Günter Senkel. Sie hätten «Mozarts berühmtes Singspiel in einen poetischen Abenteuertraum widerstreitender Temperamente und Sitten» verwandelt.

21.00 SRF 2: «Musik unserer Zeit.» Barblina Meierhans.

22.00 DLF: «Ohne Noise keine Zukunftsmusik.» Posthumane Sinfonien oder von den Avantgarden im Medienzeitalter. Ein Beitrag von Anna Schürmer im Atelier neuer Musik. Und bei SRF 2 in Late Night Jazz: «Herbie Hancock wird 80 – Congratulations!»

23.00 DLF: «Ein wenig Zauber reicht dir ewig.» Sabine Fringes gestaltet eine Lange Nacht über den britischen Schriftsteller Roald Dahl (1916-1990), dessen Leben «einem skurrilen Abenteuerroman» gleiche: Spion, Kampfpilot, Schokoladenforscher und medizinischer Erfinder. Mit dem Schreiben begann er erst, nachdem er 1940 den Absturz seines Kampfflugzeugs über der libyschen Wüste überlebt hatte.

 

Sonntag, 12. April

8.30 SWR: «Dialog statt Hetze.» Für eine neue gesellschaftliche Kommunikation. Aula-Gespräch mit Bernhard Pörksen, Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen. «Fake News dominieren Fakten, Hetze und Empörung den Dialog und die sachliche Auseinandersetzung, Diffamierungen und Etikettierungen das Zuhören und Argumentieren. Angesichts dieser Lage rufen viele schon das Ende der demokratischen Kultur aus. Was wir jetzt brauchen, ist eine neue Ethik des Miteinander-Redens.»

9.30 DLF: «Erweckung der Toten.» Peter Altenberg und mein Bücherregal. Essay von Navid Kermani.

11.00 und 20.00 SRF 2: «Unter offenem Himmel» von Katharina Geiser. Buch-Gespräch. In diesem Roman geht es gemäss Ankündigung um «fünf Generationen von Schicksalsschlägen und Glücksmomenten einer Schweizer Familie» sowie um «den Mut unserer Vorfahrinnen.»

12.00 SWR: «Brüchiger Friede in Sri Lanka.» Silke Diettrich mit einem Rückblick auf das Jahr seit den Anschlägen auf Christen.

12.40 SRF 2: «Musik für einen Gast.» Gesa Schneider, Leiterin Literaturhaus Zürich.

13.30 DLF: «Zwischentöne.» Musik und Fragen zur Person. Eckart Runge, Cellist.

14.00 SWR: «Das Wunder von Narnia.» Kinderhörspiel nach dem Fantasy-Roman von C. S. Lewis. Heute der erste, morgen zur gleichen Zeit der zweite Teil.

15.00 SRF 2: «La Nüvla da Pra Davant.» Von Feen und anderen Klängen. Reprise eines Features von Martin Bezzola. Ein paar Dialas, also Bergfeen, soll es heute im Unterengadin und im Münstertal noch geben. Aber sie sind gut versteckt im Innern der Felsen. Mit ihnen Kontakt aufzunehmen ist heikel… Klangkünstler hat es mit seinem Mikrophon versucht. Gleichzeitig beim Deutschlandfunk in Rock et cetera: «Unter Brüdern.» Die familiäre Selbsthilfegruppe Bros. Landreth.

16.00 SRF 2: «Tyll.» Hörspiel nach dem Roman von Daniel Kehlmann. Teil drei.

16.30 DLF: «Hoch hinaus.» Neue Türme im Stadtbild. Maximilian Schönherr in der Rubrik Forschung aktuell.

18.20 SWR: «Licht im August.» Hörspiel in fünf Teilen nach dem Roman von William Faulkner. Mississippi, Sommer 1932: Lena Grove, schwanger und ledig, macht sich von Alabama aus auf die Suche nach Lucas Burch, dem Vater ihres ungeborenen Kindes… Fortsetzung am Ostermontag zur gleichen Zeit!

20.00 DLF: «Keiner weiss mehr.» Das multimediale Werk von Rolf Dieter Brinkmann. Feature von Markus Mayer.

23.00 SWR: «Alles fliesst.» Monika Gratz über Wasser und Musik.

 

Montag, 13. April

8.30 SWR: «ADHS.» Nicole Vidal zur Karriere einer Diagnose.

9.30 DLF: «Dunkelkammer.» Über den Fotografen Daniel Schwartz. Essay von Navid Kermani.

14.00 SRF 1: «Sarah, Birgit, Uta und die andern.» Ein Studiogespräch zu den Programmhighlights der letztjährigen Schweizer Künstlerbörse.

15.00 DLF: «Ein Lied, ein Volk, ein Fragezeichen.» Ulrich Biermann zu Populismus und Pop. Popmusik gilt als globales Phänomen, geprägt vor allem durch US- und britische Kultur. Das mag für die Mitte des 20. Jahrhunderts gelten, heute gilt es längst nicht mehr. Wachsender Populismus und selbst Nationalismus finden ihren Niederschlag in Bands, Songs und Sounds. Eine, wie Kulturwissenschaftler derzeit feststellen, überraschende aber nicht neue Entwicklung. Schon nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Nation in den Charts zum Thema. Während die 60er- und 70er-Jahre versuchten, den Begriff umzudeuten und funky zu machen, wurde in den 80ern mit Symbolen des Nationalen provoziert und gewarnt. Heute gehen Schlager, Rock und selbst der Folk mit rückwärtsgewandten Bildern des Völkischen und der Heimat um.

16.00 SRF 2: «Tyll.» Hörspiel nach dem Roman von Daniel Kehlmann. Teil vier.

16.30 DLF: «Ich hätte Ihnen das gern erspart.» Cytomegalie in der Schwangerschaft. Anneke Meyer in der Rubrik Forschung aktuell.

17.00 SWR: «Zeitgenossen.» Ulrich Matthes, Schauspieler.

18.20 SWR: «Licht im August.» Die zweite Folge. Tipp von gestern!

 

Dienstag, 14. April

8.30 SWR: «Der Reichstag vor Hitler.» Die Weimarer Parlamentsdebatten. Christoph König im Gespräch mit Maximilian Schönherr.

9.00 und 18.00 SRF 2: «Kontext.» Heute mit dem Sachbuch-Trio.

11.30 SRF 2: «Literaturfenster Schweiz.» Die bis auf weiteres werktags angesetzte Sendung soll in diesen etwas besonderen Zeiten eine Plattform für Autorinnen und Autoren bieten. Heute zum Beispiel liest Laura Vogt aus ihrem neuen Roman: «Was uns betrifft.» Darin soll sich «am Beispiel von drei Frauen radikal und meisterhaft» zeigen, mit welchen Brüchen und Umwälzungen eine moderne junge Frau konfrontiert wird, wenn sie Mutter wird.

15.00 SWR: «Folgen einer frühen Erfahrung.» Eva Gutensohn über Missbrauch im katholischen Kinderheim.

19.15 DLF: «Tschernjajew erzählt.» Wie Gorbatschows Berater die deutsche Einheit erlebte. Feature von Mario Bandi und Ulrike Bajohr.

20.00 DLF: «Jenseits der Null.» Ulrich Sonnenschein über ein Hörspielprojekt, das in der Nacht vom 18. auf den 19. April startet: «Die Enden der Parabel» von Thomas Pynchon wird in einer fast fünfzehnstündigen Radiofassung zu hören sein. Erstmals habe der Autor einer Bearbeitung seines Opus Magnum zugestimmt … Siehe auch Tipp vom Freitag!

21.00 SRF 1: «Endlich Zeit zum Lesen!» Es sind <dicke> Lesetipps angekündigt.

22.00 SWR: «Kampf dem Klimawandel.» Ein Buch-Gespräch mit John von Düffel über seinen neuen Roman. Der Vater ist tot, und seine Tochter kehrt zurück, um seinen Nachlass zu ordnen. Dabei lernt sie eine junge Klimaaktivistin kennen, die in enger Verbindung zum Vater stand… «Der brennende See», so die Vorschau, sei «Generationenroman und Wasserstandsbericht in einem». Anschliessend bis Mitternacht die «MusikGlobal.» Sona Jobarteh – die Stimme Gambias.

 

Mittwoch, 15. April

8.30 SWR: «Ein Leben für die Politik.» Michael Reitz über Richard von Weizsäcker.

15.00 SWR: «Grey Pride.» Nele Dehnenkamp über Homosexuelle im Seniorenheim.

20.00 SRF 1: «Meister Yodas Ende.» Aus dem letzten Soloprogramm von Georg Schramm. Und bei SRF 2 in  der Musik unserer Zeit: «Komponieren!» Mit Katharina Rosenberger.

22.00 SWR: «Wenn sich Staaten stylen.» Geheimwaffe Nation Branding. Feature von Marc Thörner.

 

Donnerstag, 16. April

8.30 SWR: «Grauere Sprache.» Helmut Böttiger zum 50. Todestag von Paul Celan.

15.00 SWR: «Von der Sucht gesund zu essen.» Nils Binnberg über Ernährung als Ersatzreligion.

19.15 DLF: «Helle wird Erzieher.» Ein Quereinsteiger lernt seinen Traumberuf. Feature von Rosemarie Mieder und Gislinde Schwarz.

20.00 DLF: «Insulae.» Erschaffung einer eigenen Insel. Hörspiel von Hartmut Geerken. Nach der Vertreibung aus seiner Heimat schuf sich der Berliner Philosoph Salomo Friedlaender in den Jahren 1933 bis zu seinem Tod 1946 in einer winzigen Sozialwohnung in Paris und unter katastrophalen ökonomischen und politischen Verhältnissen eine nur auf seiner inwendigen Landkarte verzeichnete Insel.

21.00 SRF 1: «Quarantäne-Slam» in der Schnabelweid.

22.00 SWR: «Jenseits der Null.» Das Pynchon-Projekt. Tipp von Di, 20 Uhr!

 

Freitag, 17. April

8.30 SWR: «Ein Mythos verblasst.» Gesine Dornblüth über Lenin heute. «Lenin hat eine Atombombe unter ein Gebäude namens Russland gelegt. Die Revolution war überflüssig», sagte offenbar Wladimir Putin. Zugleich steigt die Verehrung Stalins…

10.00 DLF: «Zwischen Enttäuschung und Sorge.» Wohin steuert jetzt Europa?

15.00 SWR: «Das Wespennest wird kommunal.» Frank Schüre über einen freien Kindergarten im Wandel.

19.15 DLF: «Feministische Freiluftgalerie.» Sophia Boddenberg mit einer Kulturreportage über politische Street Art in Santiago de Chile.

20.00 SRF 2: «Greta bringt die Welt in Ordnung.» Feature von Tom Schimmeck. Mit einem selbstgemalten Pappschild hockte sie sich vor das schwedische Parlament. Die kleine Tat zeigte enorme Wirkung. Hunderttausende sind heute weltweit bei #fridaysforfuture aktiv. Andere reagieren auf den Protest mit Hohn und offenem Hass… Zweitausstrahlung dieser Sendung am Sonntag um 15 Uhr! Parallel bei SRF 1: «Der Fliegenforscher möchte Madame Celestine kennenlernen.» Fritz Sauter in einem heiter-schrägen Panoptikum von Schein und Sein. Hörspielfassung: Buschi Luginbühl.

20.00 bis 6.00 SWR: «Die Enden der Parabel.» Gravity’s Rainbow. Nach dem Roman von Thomas Pynchon. Aus dem Amerikanischen von Elfriede Jelinek und Thomas Piltz. Part One: «Jenseits der Null.» 18. bis 26. Dezember 1944. In der Vorschau steht, dass das Werk «als radikalster und zugleich bedeutendster Roman der Postmoderne und Pop-Literatur» gelte. Es erzähle von einer Welt in Auflösung und Anarchie, vom Kampf um Freiheit und Identität und habe «bis heute nichts von seiner Aktualität verloren». Erstmalig willigte der Autor zum 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges in eine Bearbeitung ein. Und von der Pynchon-Übersetzerin Jelinek, die 2004 den Nobelpreis für Literatur erhielt, wird vermerkt: «Ich kann doch den Nobelpreis nicht kriegen, wenn Pynchon ihn nicht hat!» Weitere acht Stunden folgen bei SWR 2 in der Nacht vom Samstag zum Sonntag. Eine anders aufgeteilte Wiedergabe wird beim Deutschlandfunk vom Abend des 18. April bis in den Mai hinein zu hören sein.

 

DLF/Deutschlandfunk – 100,6 und 105,1 MHz. SWR/Südwestrundfunk 2 – 90,4 und 97,9 MHz auf UKW. Beide auch in digitalen Kanälen und Netzen zu finden. Zudem sind die meisten Sendungen im Podcast-Angebot.

 

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