- Im Kino
Bella figura
Drei Episoden verschiedener Allerweltsfamiliensituation hängt Jim Jarmusch scheinbar wahllos aneinander und beendet jede mit dem sehr britischen «Bob’s your uncle». Was soviel heisst wie that’s it. Ein Geschwisterpaar (Adam Driver und Mayim Bialik) besucht ihren anscheinend vor Verwahrlosung und Vereinzelung bedrohten Vater (Tom Waits) in den US-amerikanischen Pampas. Zwei Schwestern (Cate Blanchett und Vicky Krieps) ergeben sich der Erwartung, einen möglichst friedfertigen Anstandsbesuch zum vorweihnachtlichen Tee bei ihrer Mutter (Charlotte Rampling) in einem gut betuchten englischen Vorort mit Würde hinter sich zu bringen. Zweieiige Zwillinge (India Moore und Luka Sabbat) verabschieden sich symbolisch in der leergeräumten Familienwohnung in Paris nach dem Unfalltod ihrer Eltern. Die Stimmung prägt jeweils ein einprägsamer Song aus jeweils ebenso prominenter Feder. Zeitgleich formal je ein Hohelied auf Familienbande bei inhaltlich letztlich eben floskelhafter Leere. Fast alles, was hierin unter dem Begriff Handlung subsumiert werden müsste, was übertrieben wäre, weils vor allem anderen ein ausgesprochener Schauspielfilm mit kaum nennenswerter Entwicklung geschweige denn Dialogen ist, ist sattsam bekannt, ergo allzumenschlich. «Father Mother Sister Brother» spielt mit seinem Publikum. Im Sinne davon, dass es sich quasi selbst dabei ertappen kann, es rückblickend immer schon gewusst zu haben, was das Erleben im Vorwärtsgang nicht zwingend ungehemmter, souveräner oder aufrichtig empathischer macht. Selbst im Wiederholungsfall. Also aus der Kindersicht. Denn Eltern, so zumindest lässt es Jim Jarmuschs Film vermuten, haften nach erfolgtem Abnabelungsprozess nicht mehr für ihre Kinder. Weils nunmal kein Tierfilm ist, klammern sich irgendwie alle künstlich an die Konvention, selbst wenn der Sinn des nachgerade krampfhaften Einhaltens derselben nurmehr fragwürdige Züge trägt.
«Father Mother Sister Brother» spielt in den Kinos Le Paris, RiffRaff.