Kantonsrat Stefan Feldmann tritt im Februar nach insgesamt 29 Jahren im Amt zurück. (Bild: Eduard Gautschi)

«Bei Steuerfragen galt es oft, Schlimmeres zu verhindern»

Vor 23 Jahren wurde der damals 33-jährige Stefan Feldmann als eines der jüngsten Kantonsratsmitglieder gewählt. 19 Jahre lang setzte er sich für Anliegen der Sozialdemokraten ein. 2007 verlor die SP wegen der Einführung des neuen Wahlverfahrens «doppelter Pukelsheim» mehr als ein Dutzend Sitze im Kantonsrat. Auch Feldmann verlor seinen Sitz. 2011 eroberte er ihn zurück.

Am 2. Februar wird Stefan Feldmann zum letzten Mal im Kantonsrat Platz nehmen als SP-Politiker aus dem Wahlkreis Uster. «Damit geht für mich eine lange politische Ära zu Ende. Alles in allem war ich in verschiedenen Funktionen mehr als ein Vierteljahrhundert sehr nah am Kantonsrat und seiner Arbeit dran», sagt Feldmann. «Der Rat und vor allem die Fraktion war somit lange Zeit ein wichtiger Teil meines Lebens.» Sein politisches Engagement beschränkte und beschränkt sich aber nicht nur auf den Kantonsrat. Er war und ist in seiner Heimatstadt Uster als Stadtrat auch politisch aktiv. Daneben arbeitet der gelernte Buchhändler als selbstständiger Kommunikationsberater vor allem für Non-Profit-Organisationen.

Jüngster Gemeinderatspräsident

Sein politischer Werdegang lässt sich wie folgt zusammenfassen: In Uster war er von 1997 bis 2010 Mitglied des Gemeinderats. Bereits als 30-Jähriger präsidierte er 2000/2001 den Rat als jüngster Gemeinderatspräsident. 2001 bis 2005 war er Präsident der SP-Gemeinderatsfraktion. 2018 wurde er in den Stadtrat gewählt und übernahm das Ressort Bau. Er kandidiert für eine dritte Amtszeit. Am 12. April findet die Wahl statt. 2008 bis 2012 war er Präsident der Sozialdemokratischen Partei des Kantons Zürich und von 1998 bis 2004 Geschäftsführer der SP-Kantonsrats- und der SP-Verfassungsratsfraktion. 

Wenn man sich ein von Politik stark geprägtes Leben vorstellen will, dann sieht es wahrscheinlich so ähnlich aus wie das von Feldmann. Seine sozialdemokratische Prägung stammt aus dem Elternhaus: Grossvater und Vater waren politisch aktiv. Zur Überzeugung, dass Solidarität etwas vom wichtigsten ist im Leben, trug auch sein Engagement in der Pfadi bei. Ohne Solidarität liessen sich auch andere Ziele wie Freiheit oder Gleichheit nicht verwirklichen, sagt Feldmann. In der Pfadi habe er gelernt, schon in jungen Jahren Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. «Das hat mich geprägt.»

Kontakte werden fehlen

Ein Teil des politischen Lebens und Umfelds fällt nach dem Rücktritt aus dem Kantonsrat weg. «Dort sieht man sich Woche für Woche, spricht auch über Privates, durchaus auch über Parteigrenzen hinweg. Das fällt jetzt dann weg und diese Kontakte werden mir fehlen», sagt Feldmann. Wegfallen wird auch seine Aufgabe als Lektor der Kantonsratsprotokolle: Woche für Woche las er jeweils rund 60 Seiten Protokoll, korrigierte Fehler und nahm bei missverständlichen Formulierungen Kontakt mit den Votant:innen auf, um eine bessere zu finden. Aber er wolle während der laufenden Legislatur zurücktreten und seinem Nachfolger, SP-Stadtrat Ivo Hasler aus Dübendorf, Platz machen, so dass dieser bei den nächsten Wahlen als Bisheriger antreten kann.

Finanzen und Wirtschaft 

Die nächsten Kantonsratswahlen finden am 4. April 2027 statt, Feldmanns letzte Sitzung am 2. Februar 2026. Als Kantonsrat war er vor allem in der Finanz- und Steuerpolitik aktiv. In seiner ersten Amtsperiode von 2003 bis 2007 war er Mitglied der Finanzkommission. In der Amtszeit von 2011 bis 2023 politisierte er in der WAK, der Kommission für Wirtschaft und Abgaben. Die Kommission befasste sich mit Steuerfragen, behandelte aber auch Aufgaben aus den Bereichen Arbeitsmarkt, Volkswirtschaft, Wirtschaftsförderung, Land- und Forstwirtschaft, Fischerei und Jagd sowie die Standortentwicklung und Wohnbauförderung.  

Noch mehr als im Kantonsrat war die SP auch in der WAK in der Oppositionsrolle. Feldmann: «Meine Aufgabe in dieser Kommission war, bei Steuerfragen oft noch Schlimmeres zu verhindern.» Die Bürgerlichen verträten heute die Meinung, dass jedesmal, wenn man den Steuerfuss senke, damit mehr Steuereinnahmen generiert würden. Ich sagte dann: «Dann senken wir den Steuerfuss doch am Besten auf null Prozent, dann gibt es ja am meisten Steuern…» 

Doppelmandat

Zu seinen Doppelmandaten einerseits als Gemeinde- und Kantonsrat wie auch als Stadt- und Kantonsrat sagt Feldmann: «Gleichzeitig Gemeinderat und Kantonsrat zu sein, funktioniert gut. Als Stadtrat und Kantonsrat ist man politisch und zeitlich aber schon sehr gefordert.» Zur Veränderung in der politischen Landschaft mit dem Wachstum der SVP sagt Feldmann: «Heute stehen sich zwei leider ziemlich verhärtete Blöcke gegenüber. Die FDP hat früher ab und zu noch einen eigenen Kurs gefahren. Heute macht sie fast nur noch Politik im Windschatten der SVP.»  Eine löbliche Ausnahme habe er bei der Beratung des Jagdgesetzes erlebt, da gab es links wie rechts keine vorab gefestigten Positionen, was interessante Diskussionen ermöglicht hätte. «Schön und erstrebenswert wäre es, wenn dies öfters geschehen würde», so Feldmann. Zurückblickend auf 19 Jahre im Kantonsrat sagt Feldmann: «Es war für mich eine spannende Zeit, in vielen Dingen auch eine persönliche Weiterbildung. Das wiegt die frus­trierenden Momente, die es natürlich auch gab, mehr als auf.»