Befriedet

Germinal Roaux bringt in «Cosmos» das Wissen vom Ursprung mit dem Wissen durch Bildung in einen Einklang.

Eine karge Hütte im mexikanischen Yucatán ist für den Maya Leon (Andrés Catzín) vollends ausreichend viel Materialismus, um sein Dasein in Einklang mit der Natur, Gottheiten und Ahnengeistern zur Zufriedenheit führen zu können. Allerdings gehört ihm rein faktisch noch nicht mal dieses kleine Häuschen, was keinen bedeutenden Unterschied machen würde, weil das Terrain, worauf es steht ohnehin vom Staat enteignet wird, weil eine Schnellstrasse hierhin gebaut werden soll. Aus Gründen der wirtschaftlichen Prosperität einer strukturschwachen Gegend, heissts. In der Stadt hat er einen Bruder, mit dem er zwar seit Jahren aus nicht genauer beschriebenen Gründen kein Wort mehr gewechselt hat, aber in der Not ist die Versöhnung näher und ein Unterschlupf ist so gut wie der andere. Allerdings muss er von dessen Mitbewohner erfahren, dass Pedro schon vor Monaten verstorben ist und sich zwecks einer Versöhnung vergebens darum bemüht hatte, Leon ausfindig zu machen. Kurzfristig könne er gerne als sein Gast hierbleiben. 

Der Zufall oder das Schicksal bringt Leon in einer Apotheke mit Lena (Angela Molina) in Kontakt. Sie lebt extrem zurückgezogen in einem ehemals feudalen Herrenhaus mit Dienstmädchen und Gärtner, war früher eine gefeierte Literatin und Hochschulprofessorin. Doch der Trubel um sich als Person wurde ihr zuviel, die Einfälle für ein weiteres, der Erwartung gemäss natürlich bahnbrechendes Werk, wollen ihr partout auch nicht kommen und gesundheitlich, das spürt sie zu ihrem Widerwillen überdeutlich, erkennt sie ihr nahendes Ende. Irgendwie finden diese anscheinend völlig konträren Welten auf Anhieb einen auf Vertrauen fussenden Draht zueinander. Solange er ihr die gröbsten Aussenarbeiten abnähme, liesse sie ihn in einer Kammer hausen. Ihr Auskommen respektive Vermögen genüge vollends, auch noch eine dritte Person zu ernähren. 

Germinal Roaux dreht in Schwarzweiss und erzählt seine Geschichte in einem für heutige Verhältnisse aussergewöhnlich geruhsamen Tempo. In dieser kompletten Unaufgeregtheit indes glückt es ihm umso eindringlicher, die beiden verschiedenen Figuren und ihre Welten je über eine veränderte Grundstimmung und Tonalität der Erzählweise als nachfühlbar wohlig, erfüllend und in sich ausreichend auszumalen. Es sind zweierlei endgültige Abschiede, die er in «Cosmos» in einer Art Vergleichbarkeit verhandelt, weil sie sich im Kern der finalen Verabschiedung vom jeweils Wesentlichen durchaus ähneln. Aus dieser unausgesprochenen, aber dennoch geteilten Gewissheit entsteht ein unerschütterlicher Schutzraum einer Befriedung.

«Cosmos» spielt im Kino Movie.