Balla Balla

«Mad Heidi» ist voll bescheuert, aber eben auch hochgradig sich selbst veräppelnd, ergo potenziell kultverdächtig.

 

Falls es dem Filmteam glückt, einen Internethype auszulösen und ein vergleichsweise junges Publikum in die Kinos zu locken, könnte der Film von Johannes Hartmann und Sandro Klopfenstein zum Überraschungshit mutieren. Denn der Plot ist so hanebüchen deppert, die Zitate und Anspielungen so augenscheinlich total drüber und die Splattereffekte dermassen selbst gebastelt grottenschlecht, dass der über allem schwebende Unernst die ganze Chose sehr wohl mit brüllender Komik überzieht. In «Mad Heidi» ist die Schweiz zwar eine Tyrannei, aber auch total divers, und der Käse hat das Sagen. Das einzige die ganze Toleranzwolke nicht tangierende, also übriggebliebene Feindbild ist die Laktoseintoleranz. Oberkäser und Staatspräsident Meili (Casper van Dien) plant den Hoselupf mit der Welt. Sein Chemiker Schwitzgebel (Pascal Ulli) hat eine ultimative Käsewaffe auf Basis von Muttermilch entwickelt, die Laktoseintolerante in hirnlose Kampfmaschinen verwandelt. Der einzige noch lebenstüchtige Widerstand kommt aus dem Voralpenidyll Heidiland und heisst auch noch so. Heidi (Alice Lucy) und ihre Kampfgenossin in Martial Arts Klara (Almar G. Sato) nehmen erfüllt von Rachegedanken am ausgebombten Winkelriedalpöhi (David Schofield) den Kampf gegen alles und alle auf: Den personifizierten Reduitgedanken mit dem Auftrag der Idyllenzementierung Kommandant Knorr (Max Rüdlinger), die Keuschheit und Unschuld mit Gewalteinsatz verteidigende, sadistisch aufgeladen gestrenge Gouvernante Fräulein Rottweiler (Katja Kolm) und natürlich die Millionen von SekundantInnen alias Volk, das alles hinnimmt, solange jederzeit ausreichend Käse auf dem Tisch steht. Zur Hilfe eilt dem Damenduo ein schwarzer Goat Peter (Kel Matsena), der die Milieukontakte mitbringt und die Schmuggelwege kennt, denn mit Armbrustpumpguns allein lässt sich die Welt nicht retten. Unterirdisch unernst, aber unterhaltsam. froh.

 

«Mad Heidi» spielt in den Kinos Abaton, Arena.

 

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