Axpo-Leitung soll gebodigt werden

Gegen den Ausbau der Axpo-Starkstromleitung zwischen Horgen und Wädenswil hagelt es jetzt Einsprachen aus Wädenswil. Dortige Bauern und Landschaftsschützer verlangen im Plangenehmigungsverfahren eine Erdverkabelung wie in Horgen.

 

Vielen Landschaftschützern, Bauern und Erholungssuchenden ist sie ein Dorn im Auge: Die Starkstromleitung, die auf rund 50 Betonmasten und auf einer Länge von gut 8 Kilometern zwischen den Unterwerken im Horgenberg sowie im Wädenswiler Berg vor allem Kulturland und ein weitläufiges Erholungsgebiet überspannt. Sowie streckenweise auch Naturschutzgebiet. Um die Transportkapazität und Versorgungssicherheit am linken Seeufer zu erhöhen – so die Axpo –, soll die Leitung von 50 auf 110 Kilovolt Spannung ausgebaut werden. Das aber sorgt in der Region schon seit längerer Zeit für Spannungen ganz anderer Art (P.S vom 4. April 2016). Nun hat der Energiekonzern beim Eidgenössischen Starkstrominspektorat das Plangenehmigungsgesuch eingereicht. Bei der Opposition in Wädenswil, der IG Starkstromleitung in den Boden, reagiert man umgehend. 13 betroffene Bauern und Landeigentümer, die vor Jahresfrist die IG gegründet hatten, haben nun gemeinsam eine Anwältin damit beauftragt, während der angelaufenen öffentlichen Planauflage beim Eidgenössischen Starkstromin­spektorat Einsprachen zu machen. Dies bestätigt Susanna Kramer, Sprecherin der Gruppierung, welche mittlerweile auf über 70 Personen angewachsen ist. Schon bisher hatten sich die 13 Landeigentümer standhaft geweigert, einen neuen Dienstbarkeitsvertrag zu unterschreiben. Mit dem Vertrag und entsprechenden Abgeltungen will sich die Axpo das Durchleitungsrecht auf unbestimmte Zeit sichern. Der Wädenswiler Abschnitt ist rund 4,5 Kilometer lang und führt vor allem durch Kulturland, überspannt aber etwa auch ein kleines Flachmoor und ein im Schutzinventar des Bundes aufgeführtes Bachtobel.

 

Massive Störung

«In diesem empfindlichen Naherholungsraum stört die Leitung extrem im Landschaftsbild, sie verursacht Elektrosmog und behindert die Bauern bei der Bodenbewirtschaftung», sagt Susanna Kramer. Die IG verlangt daher, dass die Freileitung im Hinblick auf den Kapazitätsausbau gebodigt wird – und zwar im wörtlichen Sinne: Die ohnehin anstehende Sanierung der Oberen Bergstrasse, eine Kantonsstrasse, die den Wädenswiler Berg durchschneidet, solle dazu genutzt werden, die Leitung dort im Boden zu verkabeln, lautet ihre Forderung. Rückendeckung erhält die IG dabei vom Wädenswiler Stadtrat. Die Stadt, die im Bereich der Freileitung selber etwas Land besitzt, hat den Dienstbarkeitsvertrag bislang ebenfalls nicht unterzeichnet. Stadtpräsident Philipp Kutter (CVP) lässt aber offen, ob der Stadtrat auch Einsprache erheben wird.
Die Axpo ihrerseits macht geltend, dass für den Ausbau der Freileitung im Wädenswiler Abschnitt nur gerade drei Masten sowie Isolatoren und punktuell auch Leitungsseile ersetzt werden müssten. Eine gegenüber der Freileitung im Bau und Unterhalt ungleich teurere unterirdische Kabelrohrblockleitung lasse sich daher in diesem Abschnitt nicht rechtfertigen, argumentiert man beim Energiekonzern.

 

Temporäre Waldrodungen

Anders in Horgen. Dort hatten die lokale IG Lebensraum und der Horgner Gemeinderat ebenfalls auf eine Erdverkabelung gepocht – bis die Axpo schliesslich einlenkte. Aber nur, weil dort die Freileitung – anders als in Wädenswil – auf einer Länge von 2,75 Kilometern durch ein Gebiet führt, das im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) enthalten ist. Künftig soll die Leitung gemäss dem Plangenehmigungsgesuch dieses landschaftlich reizvollste Gebiet im weiteren Umkreis des Horgner Bergweihers und des Naturschutzgebiets Grindelmoos auf komplett anderer Route unterirdisch umfahren. Gemäss Planauflage sollen ab dem Unterwerk Horgen Erdkabel unter bestehenden Forststrässchen durch den Wald hinab zum Autobahnanschluss Horgen verlegt werden. Und von dort dann entlang der Zugerstrasse wieder hinauf zur Hanegg nahe der Hirzelpassstrasse und der Wädenswiler Grenze. In der Waldpartie müssten für den Bau insgesamt 9100 Quadratmeter Wald «temporär gerodet» werden, wie es im Axpo-Rodungsgesuch heisst. Das betroffene Waldgebiet werde aber später wieder «auf natürliche Weise aufgeforstet», sagt Axpo-Sprecher Tobias Kistner dazu. Von den Rodungen betroffen ist auch Gemeindewald. Der Gemeinderat von Horgen hat am Montag entsprechende Dienstbarkeitsvereinbarungen mit der Axpo gutgeheissen und sieht mit der nun vorgesehenen Verkabelung auch keinen Anlass mehr für eine Einsprache, wie Gemeindepräsident Theo Leuthold (SVP) sagt.

Arthur Schäppi

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