von Min Li Marti

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Am hellichten Tag

Demokratien sterben nicht mit einem Knall, meinten die Harvard-Professoren Steven Levitsky und Daniel Ziblatt in ihrem Buch «How Democracies die», sie sterben mit einem Wimmern, durch einen langsamen, aber stetigen Angriff auf die Institutionen, auf die Presse und die Gerichte. Dieser Angriff ist schon lange im Gang.

Künstliche Dummheit

Dass Menschen Fehler machen und Vorurteile haben, ist uns allen bekannt und bewusst. Daraus resultiert der Wunsch, dieses allzu menschliche Verhalten objektiver und berechenbarer zu machen. Und hier kommen die Computer und Algorithmen ins Spiel.

Fuck de Planet

Das Bauchgefühl der freisinnigen WählerInnen ist also eines, das Nein sagt zum CO2-Gesetz. Das hat vermutlich zwei Ursachen: Die eine ist, dass die ökologisch orientierten Liberalen genauso wie die eher Linksliberalen seit einiger Zeit eine elektorale Alternative haben.

Sorge und Sorgen

Wir alle erinnern uns an diesen Moment während der ersten Welle von Corona, wie wir alle auf den Balkonen gestanden sind und fürs Gesundheitspersonal geklatscht haben. Es war berührend. Konkrete Taten – Fehlanzeige.

Grünes Angebot

Mit Annalena Baerbock stellen die deutschen Grünen zum ersten Mal in ihrer Geschichte eine Kanzlerkandidatin. Die Kürung der Kandidatin ging dermassen professionell und reibungslos über die Bühne, obwohl Mitpräsident Robert Habeck ebenfalls Interesse bekundete. Dies hatten viele der ehemaligen Sponti-Partei nicht zugetraut. Es bildete auch einen Kontrast zur CDU, die sich ungleich schwerer tat. Am…

Zeichen und Zeitgeist

Rassismus und Kolonialisierung ist ein Teil unserer Geschichte und teilweise auch unserer Gegenwart. Um dies zu überwinden, müssen wir das Problem erst verstehen. Dazu gehört auch die Geschichte. Zudem sind Bauten und Werke oft in einer Zeit entstanden, die andere Massstäbe hatte. Der Umkehrschluss ist aber nicht gültig: Nicht alles, was daneben ist, muss auch behalten werden.

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Der J-Faktor

Wer jung ist, ist nicht immer vernünftig, und das ist durchaus das Privileg der Jugend. Nicht umsonst spricht man von Jugendsünden. Es ist auch nur folgerichtig, dass alle, die nicht jung sind, nicht immer Verständnis für die Jungen haben, und Verständnis ist hier durchaus im doppelten Sinn gemeint. Es geht nicht nur um Wohlwollen. Manchmal checkt man es auch einfach nicht.

Nullsummenspiel

Soeben ist die deutsche Übersetzung von Amanda Gormans Gedicht «The hill we climb» erschienen. Die junge Poetin hatte es anlässlich der Inauguration von Joe Biden vorgetragen. Rund um Gormans Gedicht ist eine grössere Kontroverse ausgebrochen. Im Mittelpunkt stehen aber weder Gorman noch ihr Gedicht, sondern die Übersetzung. Sowohl in den Niederlanden wie auch Spanien wurde die Wahl der ÜbersetzerInnen als unpassend kritisiert, der Auftrag wäre besser an eine Woman of color gegangen.

Denkwürdiges Jubiläum

Ein Jahr Corona. Ein denkwürdiges Jubiläum. Auf Twitter kursierte die Frage, was man seinem Ich vor einem Jahr mit dem heutigen Wissen mitgeben würde. Ich wüsste nicht viel zu sagen. Ausser: Du sollst den Sauerteig von Nicole auch nach dem Lockdown weiterpflegen. Vor allem hätte ich vor einem Jahr nicht gedacht, dass es so lange dauert. Und wenn ich ehrlich bin, würde ich das wohl meinem Ich vor einem Jahr nicht sagen. Dabei kann ich nicht klagen. Homeoffice geht bei mir gut. Die Absage von Veranstaltungen hat mir viele freie Abende beschert, die ich nicht missen möchte. In den Ausgang ging ich auch vorher nur selten.

Irrungen, Verwirrungen

Im Prinzip war man sich ja einig, dass die Vollverschleierung ein Problem ist, das die Schweiz höchstens am Rand betrifft, da es in der Schweiz kaum Frauen gibt, die einen Niqab tragen. Der radikale Islam ist ein Problem, hat aber mit der überwältigenden Mehrheit der Schweizer Muslime nichts zu tun. Die Vollverschleierung ist aber dennoch ein durchaus problematisches Symbol.