von Min Li Marti

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Der Richter und seine Partei

Die SVP will ihren Bundesrichter Yves Donzallaz nicht zur Wiederwahl empfehlen. Der Grund: Unliebsame Urteile.  Geärgert hat die SVP, dass Donzallaz zu einer knappen Mehrheit beigetragen hat, dass die UBS KundInnendaten an Frankreich liefern muss. 2015 hat er mitentschieden, dass die Personenfreizügigkeit Vorrang gegenüber der Masseneinwanderungsinitiative habe.

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Im Grunde gut?

Die Menschheit ist im Grunde gut, meint Rutger Bregman. Und wohl auch vernünftig. Aber eine kleine Minderheit kann einen grossen Effekt haben. Wenn man sie anstachelt. Es braucht jetzt etwas weniger Aufmerksamkeit für jene, die nach Aufmerksamkeit schreien. Dann sollten wir diese Lage meistern können. Im Guten. 

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Im sinkenden Schiff

Seit über zehn Jahren erscheint das Jahrbuch der Qualität der Medien der Forschungsgruppe Öffentlichkeit und Gesellschaft. Das jeweils ein recht pessimistisches Bild der Qualität zeichnete. Jahr für Jahr reagierte die Branche pikiert. Es stimme gar nicht, dass die Qualität der Medien sinke: Im Gegenteil: Sie seien interessanter geworden, lesbarer, besser. 

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Joe Business

Die Amerikaner haben einen Sinn fürs Show-business – sie haben es schliesslich auch erfunden. Und darum können sie tatsächlich Anlässe, die sonst von der Anlage her sterbenslangweilig wären, mindestens zeitweise unterhaltsam gestalten. So auch Parteitage, die hierzulande – wenn nicht gerade der Kapitalismus überwunden wird – sich niemand freiwillig im Fernsehen schauen würde.  

Zeitverschwendung?

Das ist die Geschichte einer enttäuschten Liebe. Sie endet nicht tragisch, sondern ratlos. Mit einem Schulterzucken. Oder wie Bob Dylan einmal sang: «I aint saying you treated me unkind, could have done better but I don’t mind, you just kinda wasted my precious time, but don’t think twice it’s alright.»

Ungemütlich eingerichtet

Man könnte denken, das würde den Männern gefallen, zumal ja das mit dem Patriarchat und dem Führen sonst nicht mehr so ganz klar ist. Das war allerdings nicht so. Mir schien, als wäre es der Mehrheit in diesem Kurs – Frauen genauso wie Männern – viel lieber, es wäre umgekehrt. Und ich fragte mich da, warum funktioniert das Patriarchat, wenn es so offensichtlich an den Bedürfnissen der Menschen vorbei geht?

Radikalisierung

Warum Min Li Marti sich nach dem 11. September nicht radikalisierte, obschon sie aus Neugier sogar ein paar neokonservative Bücher gelesen hatte.

Kinder, Küche, Corona?

Man soll niemals eine gute Krise verschwenden, soll Winston Churchill nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gesagt haben. Und so ist auch jetzt die Stunde der Corona-Interpreten angebrochen.

Polarisierung

Seit Jahren ärgert mich eine gewisse Form der Politikberichterstattung, die eine falsche Äquivalenz mit Objektivität verwechselt. Diese beliebte Form geht wie folgt: Die einen sagen dies, die anderen sagen das, die Wahrheit liegt wohl in der Mitte. Und gescholten werden die Polparteien, gelobt werden die dazwischen. Polarisierung ist in dieser Lesung immer schlecht, Kompromisse sind…

Reinkultur

Am vergangenen Donnerstag beendete Bernie Sanders seine Präsidentschaftskampagne. Am Montag gab er in einem gemeinsamen Videoauftritt mit Joe Biden bekannt, dass er dessen Kandidatur unterstützt. Damit endet eine spektakuläre Kampagne relativ sang- und klanglos. Für viele seine AnhängerInnen ein bitterer Moment. Einige geben die Wahlen im November schon verloren. Bernie hätte gewonnen, meinen sie, aber Joe Biden, ein schwacher Kandidat, sei chancenlos gegen Trump.