von Min Li Marti

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Zurück in die strahlende Zukunft

Die PräsidentInnenkonferenz der FDP hat entschieden: Sie will das AKW-Neubauverbot wieder aufheben. Der Antrag kam laut Medienberichten aus Zürich. Technologieneutralität bei der einheimischen Stromproduktion: Beim Ausbau und Ersatz bestehender einheimischer Produktionsanlagen darf es keine gesetzlichen Technologieverbote geben. So sind die Voraussetzungen zu schaffen, um namentlich KKW der neuen Generation zuzulassen. 

Heilige Kuh KMU

«KMU stärken. Arbeitsplätze sichern.» Damit plakatieren die BefürworterInnen der Abschaffung der Stempelsteuer im Moment das Land. Wirtschaftsverbände und bürgerliche Parteien können praktischerweise das gleiche Plaktatsujet bei jeder Abstimmung recyclen. Ich kann mich kaum an eine Abstimmungskampagne erinnern, bei der nicht die KMU ins Spiel gebracht wurden. Schon 2001 warnte der Gewerbeverband, dass eine Kapitalgewinnsteuer die…

Ambivalenzen

Vor einiger Zeit hatte ich eine sehr angeregte Debatte darüber, ob man das Werk vom Künstler trennen kann. Die Antwort ist ja hier auch ein wenig wie bei Radio Eriwan: «Im Prinzip Ja, aber…» Selbstverständlich kann ein Werk grossartig sein, obwohl der Künstler kein netter Mensch ist. Ein Verbrecher gar. Aber dennoch gibt es nicht…

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Keine Überraschung

Die grosse Überraschung blieb aus. Die Umfragen hatten bei allen eidgenössischen Vorlagen klare Resultate vorhergesehen. Unklar blieb einzig, ob die rekordhohe Stimmbeteiligung – es war die vierthöchste Stimmbeteiligung seit 1971 – einen Unterschied machen würde.

Erreger und Erregung

Bis vor Kurzem hielt ich das Gerede rund um die Spaltung der Gesellschaft für völlig übertrieben. Mittlerweilen bin ich mir nicht mehr so sicher. Ich werde mit Überzeugung Ja stimmen zum Covid-19-Gesetz, bin selber geimpft, halte das Zertifikat für sinnvoll und gut gemacht und kann nur schwer nachvollziehen, warum jemand sich nicht impfen lassen will.

Mythos Miliz

Von allen schweizeri­schen Mythen Kühen ist mir ja das Milizsys­tem der Liebste. Ich finde es richtig, wenn PolitikerInnen noch einen Fuss im Berufs­ leben haben, im Alltag verankert sind.

Hat die Pandemie ein Geschlecht?

Helen Lewis schrieb noch relativ zu Beginn der Corona-Pandemie einen vielbeachteten Artikel in «The Atlantic» zu den Auswirkungen von Corona auf die Frauen. Corona, so Lewis, sei eine Katastrophe für den Feminismus und werfe die Frauen um Jahrzehnte zurück. Denn die Pandemie habe die Abmachung vieler Paare infrage gestellt, wonach beide erwerbstätig sein können, weil jemand anderes auf die Kinder schaut. Was ist dran an Lewis’ These?

Demokratierelevant

Vor ein paar Tagen erschien im Magazin ‹The Atlantic› eine längere Geschichte über einen Hedge Fund (Alden Global Capital), der in den USA sukzessive lokale Zeitungen – darunter auch grosse wie die ‹Chicago Tribune› oder die ‹Baltimore Sun› – aufkauft. Dem Hedge Fund geht es dabei nicht um den Journalismus, sondern darum, Gewinn zu erzielen. Das Überleben der Zeitung ist Alden Global Capital egal.

Die hässliche Seite

«Facebook und die grossen Tech-Firmen erleben ihren Tabak-Moment», sagte der US-amerikanische Senator Richard Blumenthal. Er meinte damit, dass jetzt rausgekommen sei, dass Facebook und Soziale Medien – wie Zigaretten – süchtig machen und die Firmen wie damals die Tabakkonzerne dies genau wüssten und sogar noch absichtlich verschlimmert hätten. Der Anlass: Das Hearing mit der ehemaligen Facebook-Angestellten und Whistleblowerin Frances Haugen.

Neue Nüchternheit?

64,1 Prozent der Stimmbevölkerung sagten klar Ja zur Ehe für alle. Ja sagten auch alle Kantone, sodass die Ehe für alle auch locker das Ständemehr erreicht hätte, das aber hier gar nicht nötig war. Wir haben immer im Abstimmungskampf und in der Kommissionsberatung betont, dass die Bevölkerung hier wohl weiter ist als Parlament und Bundesrat. Jetzt hat sich dies eindrücklich bestätigt.