von Min Li Marti

Frauen ohne Rechte

Am 24. Juni entschied der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten in seinem Urteil im Fall Dobbs vs. Jacksons Women’s Health Organization, das Recht auf Abtreibung aufzuheben. Dieses wurde 1973 im Urteil Roe vs. Wade beschlossen und 1992 im Urteil Planned Parenthood vs. Casey bestätigt. Dieser Entscheid hatte sich abgezeichnet, nachdem am 2. Mai ein Vorentwurf des Entscheids den Medien zugespielt wurde (P.S. berichtete). Jetzt wurde das Urteil mit 6 zu 3 Stimmen gefällt.

Deine Zauber binden wieder

Der Beziehungsstatus der SP zu Europa war in den letzten Jahren, wie es auf Facebook so schön heisst, kompliziert. In den 1990er-Jahren und zu Beginn des neuen Jahrtausends war die Liebe heiss, dann kühlte sie abrupt ab und in den letzten Jahren scheint die schon fast erloschene Flamme wieder etwas aufzulodern.

Grausamkeiten

Wenn man dem Tenor gewisser Feuilleton-Artikel und den Bedenken gewisser meist älterer und gutsituierter Männer Glauben schenkt, dann ist der Genderstern das wichtigste Thema des Feminismus. Nun ist die Bemühung um inklusive Sprache weder neu noch unwichtig, aber es wäre mir bis anhin nicht aufgefallen, dass dieses Anliegen bei Politikerinnen und Aktivistinnen mit oder ohne Stern real an vorderster Stelle steht. Die ganze Debatte scheint eher ein Popanz, an dem sich die oben erwähnten Herren gerne abarbeiten. 

Klatsche

Der vergangene Abstimmungssonntag hatte es mit drei nationalen, vier kantonalen und sechs städtischen Vorlagen in sich. Die eidgenössischen Abstimmungen beinhalten wenig Überraschungen. Der Fall war relativ schnell klar. Die Stimmbevölkerung hat allen drei Vorlagen zugestimmt.

Höchste Elternzeit

Das Bundesgericht hat im Bereich Scheidungsrecht eine Reihe von Leitentscheiden gefällt. Im Wesentlichen setzen sie auf finanzielle Eigenverantwortung beider Ehepartner unabhängig von den Betreuungspflichten.

Tummelwiese der Eitelkeiten

1985 schrieb Neil Postman den Bestseller «Wir amüsieren uns zu Tode». Darin geisselt der Autor die zersetzende Wirkung des Fernsehens auf Politik und Gesellschaft. Das Buch ist Mitte der 1980er-Jahre entstanden, noch vor dem Internet, vor sozialen Medien. Sogar noch vor dem Kabelfernsehen. Also in der guten alten Zeit – sozusagen.  Als ich in den 1990er- Jahren Publizistikwissenschaften studierte, witzelte ich, dass Postman so was nur schreiben könne, weil er keine Ahnung vom realen Fernsehprogramm habe. «Wir langweilen uns zu Tode» wäre eher treffend. 

1. Mai: Schöne neue (Arbeits)welt

Plattformökonomie, Homeoffice, Greenwashing: Die Arbeitswelt der Gegenwart verspricht Flexibilität, Selbstständigkeit und Fortschritt. Aber liefert sie das auch?

Was Hänschen nicht lernt…

Vor Kurzem waren im Kanton Zürich die Aufnahmeprüfungen für das Gymnasium. Aus Gesprächen mit Freundinnen und Freunden weiss ich, wie belastend diese sind für Kinder und Eltern. Aber auch die Lehrstellensuche ist nicht ohne.

No future?

Der Historiker Timothy Snyder hat mit «The road to unfreedom» (Der Weg in die Unfreiheit) einen Bestseller der Trump-Ära geschrieben. Darin beschreibt er den Prozess des Abgleitens in einen autoritären Staat. Das Buch hat allerdings eine erstaunliche Aktualität, denn es geht zu einem nicht unwesentlichen Teil auch um Russland. In einem Podcast mit dem ‹New York-Times›-Journalisten Ezra Klein spricht er unter anderem darüber, warum die Gefahr, die von Russland ausgeht, in den letzten Jahren unterschätzt wurde.

Perpetuum Mobile

In der dringlichen Debatte des Nationalrats zur Ukraine sprach SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi von Nigerianern und Tunesiern mit ukrainischen Papieren, die wehrlose Ukrainerinnen vergewaltigen. Wie meist, passt weder im Saal noch auf dem Präsidiumsbock jemand auf. Erst in den sozialen Medien führte sie zu Aufregung und Empörung.