von Min Li Marti

Gräben in den Köpfen

Stadtluft macht frei. Dieses geflügelte Wort stammt aus dem Mittelalter. Damals setzten sich Leib­ eigene auf der Flucht von ihrer Grundherr­schaft in die Städte ab. Das führte zum Rechtsbrauch, dass Leibeigene nach Jahr und Tag nicht mehr von ihren Grundherren zurückgefordert werden konnten. Sie wurden also durch die Stadt frei.

Nicht o.k.

Vieles erscheint in diesen Tagen wie ein Déja-vu, wie auch die Politikphilosophin Katja Gentinetta in der ‹NZZ am Sonntag› schreibt. Wie im vergangenen Herbst steigen die Fallzahlen, der R-Wert, die ersten Warnungen aus den Spitälern sind zu hören. Was sich auch ähnelt, ist die Debatte: Wieder wird um Freiheit gestritten, um Eigenverantwortung, um Freiwilligkeit. Der Unterschied zum letzten Jahr: die Impfung.

Verbaerbockt?

Es fällt auf, mit welcher Hingabe sich die Presse auf immer wieder neue Skandale rund um Baerbock stürzt. «Kleinkram» zwar, schreibt die ‹Süddeutsche Zeitung› am Dienstag, aber «in jedem Fall relevant». Der Fall hat starke Parallelen zum US-Wahlkampf 2016. Auch dieser war dominiert von realen und vielmehr vermeintlichen Skandälchen rund um die demokratische Kandidatin Hillary Clinton.

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Geschichte eines Kompromisses

«Früher war mehr Lametta», klagte einst Opa Hoppenstedt unter dem Weihnachtsbaum. Das gilt natürlich auch für die Politik. Diesen Anschein macht es zumindest, wenn man die jüngsten Abgesänge auf den historischen Parkplatzkompromiss liest. Vor allem jene aus der NZZ. 

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Am hellichten Tag

Demokratien sterben nicht mit einem Knall, meinten die Harvard-Professoren Steven Levitsky und Daniel Ziblatt in ihrem Buch «How Democracies die», sie sterben mit einem Wimmern, durch einen langsamen, aber stetigen Angriff auf die Institutionen, auf die Presse und die Gerichte. Dieser Angriff ist schon lange im Gang.

Künstliche Dummheit

Dass Menschen Fehler machen und Vorurteile haben, ist uns allen bekannt und bewusst. Daraus resultiert der Wunsch, dieses allzu menschliche Verhalten objektiver und berechenbarer zu machen. Und hier kommen die Computer und Algorithmen ins Spiel.

Fuck de Planet

Das Bauchgefühl der freisinnigen WählerInnen ist also eines, das Nein sagt zum CO2-Gesetz. Das hat vermutlich zwei Ursachen: Die eine ist, dass die ökologisch orientierten Liberalen genauso wie die eher Linksliberalen seit einiger Zeit eine elektorale Alternative haben.

Sorge und Sorgen

Wir alle erinnern uns an diesen Moment während der ersten Welle von Corona, wie wir alle auf den Balkonen gestanden sind und fürs Gesundheitspersonal geklatscht haben. Es war berührend. Konkrete Taten – Fehlanzeige.

Grünes Angebot

Mit Annalena Baerbock stellen die deutschen Grünen zum ersten Mal in ihrer Geschichte eine Kanzlerkandidatin. Die Kürung der Kandidatin ging dermassen professionell und reibungslos über die Bühne, obwohl Mitpräsident Robert Habeck ebenfalls Interesse bekundete. Dies hatten viele der ehemaligen Sponti-Partei nicht zugetraut. Es bildete auch einen Kontrast zur CDU, die sich ungleich schwerer tat. Am…

Zeichen und Zeitgeist

Rassismus und Kolonialisierung ist ein Teil unserer Geschichte und teilweise auch unserer Gegenwart. Um dies zu überwinden, müssen wir das Problem erst verstehen. Dazu gehört auch die Geschichte. Zudem sind Bauten und Werke oft in einer Zeit entstanden, die andere Massstäbe hatte. Der Umkehrschluss ist aber nicht gültig: Nicht alles, was daneben ist, muss auch behalten werden.