von Min Li Marti

Die zweite Spalte

Es gab eine Anekdote, die man sich bei einer Gewerkschaft erzählt. Darin habe man einmal, vor langer Zeit, vielleicht in den 1970er-Jahren, bei der Gewerkschaftszeitung die Idee gehabt, man wolle doch auch mal die Frauen ein wenig besser ansprechen. Mit einer Kolumne mit Themen für die Frau. Sie hiess «Die Spalte der Frau». Sie erschien nur einmal. Die Zweideutigkeit ist den Zeitungsmachern erst nach Erscheinen aufgefallen.

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Wo WählerInnen wandern

Die elektorale Zukunft der sozialdemokratischen Parteien war schon oft Thema dieser Kolumne. Jetzt haben die PolitikwissenschaftlerInnen Silja Häusermann und Herbert Kitschelt und weitere AutorInnen drei Papiere für die deutsche Friedrich-­Ebert-Stiftung zum Thema beigesteuert. Sie zeigen darin auf, was mögliche Gründe für die Wählerverluste von sozialdemokratischen Parteien in Europa sind, wohin die Wählerinnen und Wähler gewandert sind und welche strategischen Optionen für die Sozialdemokratie bestehen, diese Wählerinnen und Wähler allenfalls wieder zurückzugewinnen.   

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Figgi und Müli

Was man sich noch vor Monaten kaum ausmalen konnte, ist tatsächlich passiert. Donald Trump ist von der Bildfläche verschwunden. Ohne Twitter, ohne Social Media fehlt ihm offenbar das Ventil und die Bühne. Letzte Woche stand er allerdings wieder im Rampenlicht, wenn auch unfreiwillig.

Aufreger

Social-Media-Konzerne wie Facebook und Twitter sind die dominierenden Medienportale der Gegenwart. Sie machen Meinungen und verbreiten Informationen. Dies mit einem Algorithmus, der Polarisierung und Emotion fördert. Ohne journalistischen Kodex. Wenn jetzt Twitter und Facebook beginnen, Falschmeldungen, Hassbotschaften und Ähnliches zu verbannen, kann dies positiv gesehen werden. Als Schritt in die Richtung einer verlegerischen Verantwortung. Die Gefahr ist aber auch, dass dies willkürlich geschieht.

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Normalität

Am Mittwoch wurde Joe Biden als 46ter Präsident der Vereinigten Staaten unter hohem Sicherheitsaufwand vereidigt. Vielleicht ist es wie ein Aufwachen aus einem vierjährigen Alptraum. Vielleicht gibt es danach wieder etwas Normalität. Und etwas Langeweile. Man sehnt sich ja schon fast danach. 

Sonderfall

Der Politiker und Historiker Alexis de Tocqueville bereiste zwischen 1831 und 1832 die Vereinigten Staaten und schrieb danach das berühmte Buch «Über die Demokratie in Amerika». De Tocqueville war eigentlich der Meinung, dass Freiheit in einer Demokratie gefährdet sei, denn in einer Demokratie würde die Gleichheit mehr geschätzt als die Freiheit. Es drohe daher eine «Tyrannei der Mehrheit».

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Alles wird gut?

Es gab so diesen kurzen Moment, als man dachte, es kommt ein neues Jahr. Und alles wird gut. Dann folgt der Kater. Das böse Erwachen. Die Erkenntnis, dass alles auch im Januar noch gleich ist. Die ersten Vorsätze gebrochen, das Wetter grau, die Tage kurz.  Die Corona-Zahlen sinken zu wenig. Trump versucht immer noch, das Wahlresultat umzustossen.  Alles wie bisher?

Sie bewegt sich doch

Rational gesehen war es kein schlechter Abstimmungssonntag. Kaum eine Initiative schafft es je, eine Mehrheit der Stimmbevölkerung zu überzeugen. Meist sinkt die anfängliche Zustimmung nach einer Abstimmungskampagne – und wir erlebten hier eine besonders heftige – dann deutlich unter die 50-Prozent-Grenze.

Schweigen und Schreien

In Lugano ging eine 28jährige Schweizerin mit dem Messer auf zwei Passantinnen los und verletzte eines der Opfer schwer, aber zum Glück nicht lebensbedrohlich. Laut Angabe von Fedpol hatte die Täterin einen jihadistischen Hintergrund, aber auch psychische Probleme.

Fressen und Moral

«Bei der Arroganz, die hinter dieser Initiative steckt, wird mir fast schlecht.» Das meinte Bundesrat Ueli Maurer zur Konzerninitiative in  einem Live-Video zur SVP-Basis. Warum wird Maurer schlecht? Darum: «Mit dieser Initiative sagen wir: Wir sind moralisch die Besten, wissen weltweit, wie es geht. (…) Es passt doch nicht zur Schweiz, dass wir auf der ganzen Welt moralisieren.»