Werden freilebende Wisente hierzulande geduldet? (Bild: Stefan Eichholzer)

Ausstellung wirbt für die grossen Pflanzenfresser

Seit Anfang Mai präsentiert der Tierpark Langenberg die Ausstellung «Wisent & Co. – die Landschaftsgärtner», welche die Rückeroberung und den Einfluss der grossen Pflanzenfresser auf die Schweiz in den letzten 150 Jahren zeigt und für Akzeptanz wirbt. 

Vor 150 Jahren waren Steinböcke, Rothirsche, Rehe und Wildschweine in der Schweiz fast ausgestorben. Doch dank Schutzmassnahmen und gezielter Wiederansiedlung konnten sich ihre Bestände wieder erholen. «Heute spielen diese Tiere eine wichtige Rolle in unserem Ökosystem», betonte die Biologin Linda Frey, die die Ausstellung konzipiert hat, während der Eröffnung Ende April. Die etwa 30 Anwesenden lernten, dass die grossen Pflanzenfresser beispielsweise Samen verbreiten und durch ihr Fressverhalten Lebensraum für andere Tier-, Pilz- und Pflanzenarten schaffen.

Trotz dieser Erfolge sind der Elch und der Wisent bis heute (noch) nicht wieder heimisch geworden. Aus diesem Grund widmet sich das Artenschutzprojekt «Wisent Thal», unterstützt von der Stiftung Wildnispark Zürich, dieser Herausforderung und treibt seit Herbst 2022 im Solothurner Jura die Wiederansiedlung der Wisente voran, der grössten Landsäugetiere Europas. Martin Kilchenmann vom Wildnispark Zürich erklärte, das die europaweit 8000 bis 9000 freilebenden Wisente von nur zwölf Tieren abstammten. Die gut überwachte und betreute Testherde, auf dem Gemeindegebiet von Welschenrohr in einem 50 Hektar grossen Gehege untergebracht, stammt aus dem Tierpark Langenberg und ist mittlerweile von fünf auf sieben Tiere angewachsen. In ein paar Jahren sollen sich die Tiere dann ohne Zaun im Jura frei bewegen können, was Otto Holzgang, Projektleiter von «Wisent Thal», bestätigte. 

Auswilderung polarisiert

Das Artenschutzprojekt stösst jedoch auf Widerstand, insbesondere bei den Bauern, die befürchten, dass die freilebenden Wisente den Kühen das Gras wegfressen und die Getreidekulturen zertrampeln könnten. Auch unter den Förstern gibt es Bedenken wegen der Verbisse. Daher betonen Projektverantwortliche wie Holzgang die Notwendigkeit einer unvoreingenommenen Durchführung von Studien zu möglichen Schäden und einer verstärkten Aufklärung der Bevölkerung, um die Akzeptanz des Wildrindes zu erhöhen. Wie aus den Umfragen in der Region hervorgeht, polarisiert der Wisent auch dort. Otto Holzgang wies darauf hin, dass regelmässige Austausche mit den Kritikern in Arbeitsgruppen stattfinden.

Die Ausstellung, im Elchhaus im Langenberg West zu finden, widmet dem Projekt «Wisent Thal» ein eigenes Kapitel. Besondere Aufmerksamkeit erregt dabei das Skelett einer Wi­sentkuh, die 18 Jahre lang im Tierpark Langenberg gelebt hatte und nun als besondere Attraktion dient. Die Ausstellung ist täglich von 9 bis 19 Uhr geöffnet, und der Eintritt ist gratis. Weitere Informationen finden sich via www.wildnispark.ch