- Kultur
Assoziation
Sieben Kinder und drei Mütter (Karin Pfammatter, Mirjam Rast und Lene Urzendowsky) proben in «Monster» getreu der Freudschen Psychoanalyse mittels freier Assoziation die Herausarbeitung einer inhaltlichen Dringlichkeit, die sich anhand der Bühnenperformance allein aber nicht als erkennbar herauskristallisiert. Kinder spielen, «wer bin ich?», wie das alle Kinder tun. Mütter hadern mit der Passgenauigkeit der Rationierung ihrer Liebesbekundungen, wie das alle Mütter tun. Gemäss Beipackzettel des inszenierenden Trios Anta Helena Recke, Maxi Menja Lehmann und Anna Froehlicher soll «Monster» die «visuelle Albtraumanalyse» des Entwicklungsschrittes der kindlichen Erkenntnis respektive Erfahrung eines Ichs, das sich von der frühkindlichen Entität mit der Mutter als eins kolossal unterscheidet. Anhand von Kindern von Schwarzen Vätern und weissen Müttern exemplarisch vorexerziert. Ob aus einer Partnerschaft eines Schwarzen US-amerikanischen Soldaten und einer weissen deutschen Mutter oder aufgrund einer Adoption aus mannigfaltigen Gründen als dunkelhäutiges Kind bei hellhäutigen Eltern aufwachsend, soll «Monster» gemäss keinen massgeblichen Unterschied darin ausmachen, inwieweit die Hautfarbe ein entscheidendes Merkmal darstellt, das dieses «Trauma» des Ich-Erkennens nochmals intensiviert. Kinder äussern Wünsche als Statthalter für ihre wahrlichen Begehren, Mütter reden als Ausweichmanöver von Konfrontationen über vollends verschiedene Themen als die angesprochenen. Beide reden in der Folge aneinander vorbei. In der Küche, im Supermarkt, beim Zubettgehen, immer. Inwieweit die einzelnen Aussagen tatsächlich eine Heutigkeit widerspiegeln oder vielmehr eine Erfahrung aus weit zurückliegender Vergangenheit, lässt sich nur erahnen. Der Strauss an Fragenkomplexen ist so überwältigend gross belassen, dass sich daraus zuletzt überhaupt keine klare Aussagen extrahieren lässt. Zumindest nicht aus einer Publikumssicht.
«Monster», bis 1.6., Schauspielhaus, Zürich.