Hormone und Medis herausfiltern

Statt heute drei Kläranlagen für Hirzel, Horgen, Oberrieden, Thalwil und Rüschlikon soll es ab 2025 nur noch eine gemeinsame ARA mit modernster Membrantechnik in Thalwil geben. Für das um die 60 Millionen Franken teure Projekt bedarf es aber noch Klärungen der politischen Art.

 

von Arthur Schäppi

 

Egal ob jemand die Toilettenspülung in Horgen, Oberrieden, Thalwil oder Rüschlikon drückt oder den Duschhahn aufdreht – ab 2025 soll das Abwasser aus den vier Gemeinden stets an denselben Ort in Thalwil gelangen: In eine gemeinsame regionale ARA, die dort so dimensioniert wird, dass sie bis 2060 genügt und die Abwässer von bis zu 60 000 Menschen oder 80 000 sogenannte Einwohnereinheiten (inkl. Firmenabwässer usw.) verarbeiten kann.

Grenzüberschreitend gereinigt wird das Abwasser am linken Zürichseeufer zwar bisher schon. Aus Oberrieden beispielsweise fliesst es mehrheitlich in die ARA von Horgen, der kleinere Teil in jene von Thalwil, wo auch das Gebrauchtwasser von Rüschlikon landet. Und mit der Eingemeindung von Hirzel in Horgen wird auch das Hirzler Klärwasser ab 2018 nicht mehr in die dortige ARA, sondern nach Horgen geleitet.

Jetzt aber verfolgen die Behörden von Horgen, Oberrieden, Thalwil und Rüschlikon eine gemeinsame Vorwärtsstrategie für einen umfassenden Zusammenschluss, wie sie letzthin in der ARA Thalwil bekanntgaben. Demnach wollen sie auf dem Gelände der ARA Thalwil über der Seestrasse für etwa 60 Millionen Franken von 2020 bis 2025 eine neue, zentrale Kläranlage erstellen und über die Abwassergebühren finanzieren.

Vorgesehen ist auch eine Pump-Doppelleitung von Horgen nach Thalwil unter der Seestrasse. Dank modernster Membrantechnik soll das künftige Klärwerk in Thalwil auch für die Umwelt so gravierende Mikroverunreinigungen wie etwa durch Medikamente, Hormone oder Pflanzenschutzmittel weitgehend herausfiltern.

 

Unter Handlungsdruck

Horgens Gemeindepräsident Theo Leuthold (SVP) gab zu verstehen, dass der Schulterschluss nicht ganz freiwillig erfolgt. Mit verschärften Einleitbestimmungen machte der Kanton Druck für eine umfassende Erneuerung der aus den 1960er-Jahren stammenden und gerade mal drei Kilometer voneinander entfernten Klärwerke. Und mit dem revidierten Gewässerschutzgesetz stellt der Bund grössere ARA-Betreiber vor die Wahl, bis 2035 Mikroverunreinigungen weitgehend zu eliminieren oder vorab wie die übrigen Klärbetriebe in der Schweiz eine jährliche Ersatzabgabe von 9 Franken pro Einwohner an einen Mitfinanzierungsfonds zu leisten.

 

Vorentscheid 2018

Bis im Frühling 2018 soll ein Vorprojekt vorliegen. Im gleichen Jahr sollen dann die Gemeindeversammlung von Horgen und der Zweckverband ARA Thalwil, dem auch Rüschlikon und Oberrieden angehören, über den Projektierungskredit befinden. 2020 wird in allen vier Gemeinden an der Urne über die Baukredite und die Trägerschaft abgestimmt. Der angestrebte Zusammenschluss sei günstiger und nachhaltiger als Alleingänge und belaste weniger Anwohner, unterstrich der Thalwiler Infrastrukturvorstand und Präsident des ARA-Zweckverbands Thalwil, Jan Rauch. Horgen kommt mit dem Abbruch seiner ARA zu einem attraktiven Gelände mit Seeanstoss, das weiterhin öffentlich genutzt werden soll, wie Theo Leuthold sagt. Wegen allerlei finanziellen, technischen, politischen und terminlichen Unwägbarkeiten nicht weiter verfolgt habe man einen Anschluss an die Kläranlage Werdhölzli. Und etwa ein Ausbau der Biofiltration in Thalwil anstelle der Membrantechnik wäre teurer und komplizierter und würde zusätzliches Land beanspruchen, das wegen eines Baurechtsvertrags ohnehin erst 2035 zur Verfügung stünde, erklärten die Behörden.

 

 

Kommentar: Mit Garpotenzial

Bei der Präsentation des regionalen ARA-Projekts in Thalwil sprachen die Behördenvertreter gleich mehrmals von einer «vernünftigen» Lösung für alle und auch von einer «Zweckehe». Dass die Entsorgung des kleinen oder grösseren Geschäfts gemeindeübergreifend in einer gemeinsamen ARA aber durchaus politisches Gärpotenzial bergen kann, zeigte sich 2009 in Richterswil. Dort stank einer Mehrheit ein Anschluss an die ARA Wädenswil so sehr, dass sie das Vorhaben an der Urne deutlich bachab schickte. Sturm gelaufen waren vor allem das örtliche Gewerbe und Detaillisten, die gegenüber einem Alleingang Mehrkosten befürchtet hatten. Zumindest längerfristig zur Diskussion steht auch eine Aufhebung der ARA Schönenberg. Vertiefte Abklärungen bezüglich eines Anschlusses an die ARA Wädenswil sollen aber erst vorgenommen werden, wenn Wädenswil, Schönenberg und Hütten im Mai 2017 über eine Gemeindefusion entschieden haben. Dies gab der Wädenswiler Stadtrat kürzlich auf eine Interpellation der Grünen bekannt.

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