- Im Kino
Annäherung
Sprache und Identität sind und waren die Themen sowohl für Siri Hustvedt als auch ihren während der Dreharbeiten verstorbenen Lebensmenschen Paul Auster. In ihren literarischen Werken, deren entlang Sabine Lidl ihr Leben auffächert, ist die Aufrichtigkeit am Fühlen autobiographisch gefärbt, nicht aber die Figuren und Handlungen als solche. Was trotz allem nicht mit Fiktion gleichzusetzen ist, denn das Ringen um Begrifflichkeiten, das trefflichste Bild, die stringenteste Logik unternimmt Siri Hustvedt in einem allgemeinen Interesse für das Verstehen, Begreifen. Sehr wohl gehts ihr letztlich um Universalität. In existenziellen Fragen, während derer sich niemand zu verstellen vermag, sollte die Auseinandersetzung mit diesen tiefen Themen aufrichtig geführt, durchlebt und auch durchlitten werden. Alles andere wäre Maquillage. Fürs Fernsehen hat Sabine Lidl bereits mehrere Portraits gedreht: Emma Thompson, Nan Goldin, Doris Dörrie, Hannelore Elsner. Personen mit einer öffentlichen Persona und einer privaten Haltung, die mal mehr hinter einer Rolle zurückstehen muss, die aber nie ganz abgeschaltet, übergangen oder als irrelevant abgekanzelt werden kann. Zumindest, wenn in der Herstellung von Kunst etwas Echtes herausschauen soll. Als Partnerin von Dani Levy versteht Sabine Lidl auch Siri Hustvedts langjährige Begleiterin mutmasslich nur zu gut, das Vorurteil allein als Frau von wahrgenommen zu werden, was in der Konsequenz dazu verleitet, gar nicht richtig hinzusehen, wer genau die Person ist, die für sich selber jemand ist. Vier mutige, eigenbrötlerische Frauen der Kunstgeschichte bilden einen losen Rahmen einer Erzählung, die mehr Reflexion, Ringen und Ergründen ist, als ein vermittelbarer Ausdruck eines intrinsischen Interesses am Verstehen, Begreifen, Durchschauen – was dann noch in nachvollziehbare, verständliche, ansprechende Worte gegossen gehört.
«Siri Hustvedt – dance around the self» spielt in den Kinos Piccadilly, RiffRaff.