Widerstand gegen Schweizer AKW ist eine trinationale Angelegenheit. (Bild: Unsplash)

Alte Atomkraftwerke abschalten, keine neuen bauen

Der Trinationale Atomschutzverband (TRAS) wehrt sich seit 2005 über die Landesgrenzen hinweg gegen alte wie neue AKW und gegen die Gefahr, die von AKW im Allgemeinen und von den Schweizer Uralt-Atommeilern im Speziellen ausgeht.

«Wir setzen uns über die nationalen Grenzen hinweg für den Schutz der Bevölkerung vor bestehenden Atomrisiken ein.» Dieser Satz begrüsst einen auf der Startseite des Trinationalen Atomschutzverbands (TRAS) / Association Trinationale de Protection Nucléaire (ATPN) von Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Auf einem gleich darunter verlinkten Flyer listet der 2005 gegründete Verband seine Aufgaben und Ziele auf. Zuoberst auf der Liste: «Durchsetzung des Atomausstiegs.»

Mit der Abschaltung des französischen AKW Fessenheim im Jahr 2020 und dem deutschen Atomausstieg 2023 habe TRAS «seine bisher wichtigsten Ziele erreicht», schreibt der Verband. Er konzentriere sich jetzt «auf die rasche Abschaltung der schweizerischen AKW Beznau, Leibstadt und Gösgen». Dafür, sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen, sieht der Verband offensichtlich keinen Anlass. Unter dem Stichwort «Verhinderung neuer AKW» verweist TRAS im Flyer zum Beispiel auf die Pläne des Bürgermeisters von Fessenheim zum Bau neuer AKW, sogenannter Small Modular Reactors (kleine modulare Reaktoren): Dieses Vorhaben sei klar abzulehnen. In der Schweiz engagiert sich der Verband gegen den Weiterbetrieb der AKW über ihre vorgesehene Laufzeit hinaus, aber auch gegen die Aufhebung des Neubauverbots: «Dies geschieht durch wissenschaftliche Gefährdungsanalysen, rechtliche Schritte und Öffentlichkeitsarbeit.»

Risiko ohne Grenzen

Ein Beispiel ist etwa die im Juni 2025 erschienene Studie «Grenzenloses Risiko. Gefährdung Deutschlands durch schwere Unfälle in Schweizer Atomkraftwerken.» Herausgeber und Auftraggeber ist der TRAS in Zusammenarbeit mit dem BUND-Landesverband Baden-Württemberg. Die Autor:innen sind Armin Simon von «Ausgestrahlt – gemeinsam gegen Atomenergie» und Angelika Claussen von den «Internationalen Ärzt:innen für die Verhütung des Atomkriegs – Ärzt:innen in sozialer Verantwortung (IPPNW)».

Aus der Zusammenfassung: «Die Schweizer AKW gehören zu den ältesten der Welt und sind mit unbefristeten Betriebsbewilligungen ausgestattet. Keines von ihnen entspricht aktuellen Sicherheitsanforderungen an Atomkraftwerke. Alle vier stehen auf oder sehr nahe an der deutschen Grenze.» Ein schwerer Atomunfall hätte deshalb «mit grosser Wahrscheinlichkeit grossräumige und gravierende Auswirkungen auf Deutschland». Nach einem Atomunfall in einem Schweizer AKW könnte die Evakuierungszone nicht nur Freiburg im Breisgau, «sondern auch Städte wie Karlsruhe, Stuttgart, Mannheim, Heidelberg, Reutlingen, Heilbronn, Ulm, Nürnberg, Augsburg und München» umfassen. Auch die gleichzeitige Evakuierung mehrer Grossstädte «oder etwa des gesamten Oberrheingrabens» könnte erforderlich sein. Darauf sei der Katastrophenschutz jedoch «nicht ausgelegt».

«Mindestens ein Mitspracherecht»

Eva Stegen aus Freiburg im Breisgau ist Vorstandsmitglied von TRAS. Sie arbeitet seit über 20 Jahren als Energiereferentin bei den Elektrizitätswerken Schönau, die als Reaktion auf die Kata­strophe von Tschernobyl entstanden sind und ihren Kund:innen erneuerbaren Strom bieten. Was die Gefährdung Süddeutschlands durch die Schweizer AKW betrifft, ist für sie klar: «Die Nachbarländer Deutschland und Frankreich, die gemäss fast allen Szenarien stärker von einem Atomunfall in einem Schweizer AKW betroffen wären als die Schweizer Bevölkerung, müssten mindestens ein Mitspracherecht zur Zukunft dieser AKW haben.»

Sie erinnert zudem an die Forderung, die der Stromkonzern Axpo kürzlich gestellt hat: Die AKW Gösgen und Leibstadt sollten nicht nur länger laufen dürfen als 60 Jahre, sondern der Staat müsse sich auch an den finanziellen Risiken beteiligen, die dieses Vorhaben mit sich bringen würde. Immerhin hat Bundesrat Rösti der Axpo eine Absage erteilt, wobei es für neue AKW nach heutigem Stand durchaus Geld vom Bund geben könnte. Wie auf der Webseite von SRF nachzulesen ist, braucht es gemäss früheren Schätzungen der ETH für einen um zehn Jahre längeren Betrieb Investitionen von rund einer Milliarde Franken pro AKW: «Es besteht also massiver Aufhübschungsbedarf», kommentiert Eva Stegen trocken und fügt an, ohne Steuergelder seien aktuell auch gar keine neuen AKW zu realisieren, ob in der Schweiz oder in der EU.

Weitere Infos unter atomschutzverband.ch

(P.) S. O. S. !

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