Schlagwort Kommentar

Grapschomat

In meiner Jugend kursierte noch ein Schlager mit dem Refrain: «Beiss nicht gleich in jeden Apfel, denn er könnte sauer sein!» – eine im Ton der fröhlichen Frivolität dargebrachte Lektion in Mässigung an die Adresse junger Frauen. Wobei der Apfel nur ein Sinnbild ist (in Wirklichkeit sind wohl eher Bananen gemeint). Offenbar ging man damals davon aus, dass Frauen wahllos Männer anknabbern würden, wenn man sie nur liesse. Immerhin war aber schon impliziert, dass ein Frölein wählen durfte, bei wem es anbiss und ob überhaupt – wenngleich die Verpflichtung durchschien, beim einmal gewählten Adam (-sapfel) zu bleiben. Die Idee, dass der saure Grünggel auch ohne Umschweife auf dem Kompost landen könnte, verfestigte sich damals erst gerade im kollektiven Bewusstsein. 

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Suppen und Sündenböcke

Ich kann gut damit leben, für Dinge zu zahlen, die ich nicht oder selten nutze, aber dennoch sinnvoll sind. Tue ich ja mit meinen Steuern auch. Nur geht es nicht nur um mich. Die sich verändernden Mediengewohnheiten sind ein grosses Problem für die SRG. Die Zeiten, als sich eine Nation am Samstagabend vor dem TV als modernem Lagerfeuer versammelt, sind vorbei. Das Durchschnittsalter der SRF-ZuschauerInnen steigt.

Bild von Markus Kunz

Der Fall Fricker

Jonas war politisch tätig, immer auch in den Parteigremien, aber auch als kommunaler und kantonaler Parlamentarier. Er hat viel geleistet – und er war seiner Sache immer gewachsen. Kein Haudegen, kein Extremist, klar grün.

Filz für Fortgeschrittene

Das Koch-Areal, genauer die Lautstärke der dort gespielten Musik, war vor nicht allzu langer Zeit in aller Munde. Das heisst, vor allem im Munde der FDP, die im Gemeinderat fleissig Vorstösse einreichte. Dann sank der Lärmpegel – und parallel dazu das Geschrei in den Medien.

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Scherben

Nach der Abstimmung zur USR III und dem Ja zur Energiestrategie hatte man sich als Linke ein wenig ans Gewinnen gewöhnt. Der letzte Sonntag war deshalb ein ziemlicher Dämpfer. Umso mehr, weil wir eine Vorlage verloren haben, die wir hätten gewinnen können und sollen. 52,7 Prozent sagten Nein zur Altersvorsorge 2020, bei der Finanzierung durch die Mehrwertsteuer war es noch knapper: Aber auch sie scheiterte 50,05 Prozent – es hätte allerdings auch wegen dem Ständemehr nicht gereicht.  

Ohrfeige

Ich habe eine Vergangenheit als Schlägerin. Mir rutschte des Öfteren die Hand aus. Ich war ein kleines, aber durchaus kräftiges Mädchen mit einem schlecht kontrollierbaren Agressionsimpuls.

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Unspektakulär

Der Spuk war relativ schnell vorbei. Bereits im zweiten Wahlgang erhielt Ignazio Cassis die erforderlichen Stimmen. Und schon nach dem ersten Wahlgang schien ziemlich sicher, dass der Favorit das Rennen machen wird. Cassis erhielt im ersten Wahlgang 109 Stimmen – 122 hätte er gebraucht. Pierre Maudet erhielt 62 Stimmen, Isabelle Moret 55, 16 Stimmen gingen an andere (wohl Spassvögel, die Christa Rigozzi oder ähnliches aufgeschrieben haben).

Selbermetzgen

Auf die Gefahr hin, dass Sie mich fürderhin für gefühlskalt und verklemmt halten, bekenne ich: Ich hasse Filme und Bücher, die auf meine Tränendrüsen drücken oder mich fleischlich antörnen wollen.

Bild von Markus Kunz

Wenn’s nur das wäre

Es ist gefährlich, einen Grünen in die Ferien zu schicken. Er liest dann dort Bücher, in meinem Fall nicht nur den üblichen kriminalistischen Schund, sondern auch Naomi Kleins 700-Seiten-Werk mit dem (in der Übersetzung) knackigen Titel «Die Entscheidung. Kapitalismus versus Klima», das zwar etwas geschwätzig, aber dennoch überaus wichtig ist.

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Vogt, Gessler und Seldwyla

Es war eine der mühsamen Debatten im Gemeinderat. Und wie oft bei besonders mühsamen Debatten sind sie erst kaum totzukriegen und kehren später als Wiedergänger zurück. Die Rede ist hier vom Spurabbau beim Bellevue. All diese Gemeinderatsdebatten, endlosen Diskussionen – ich hätte es erfolgreich verdrängt, müssten wir jetzt nicht – mindestens indirekt – noch einmal darüber befinden.