Schlagwort Kommentar

Wohn-Spintisiererei

Vor vier Wochen bin ich umgezogen in eine hübsche 3-Zimmer-Wohnung an szenigster Lage im Kreis 3 – zum Schnäppchenpreis! Spintisiererei? Nein – aber ich muss bereits wieder weitersuchen, denn habe sie nur bekommen, weil die ganze Liegenschaft im November abgerissen wird zugunsten eines «Ersatzneubaus». Dies setze ich in Anführungszeichen, weil mir schwant, dass hier nicht…

Seid nicht so kleinlich wegen 100 Mio. Franken

Am letzten Abstimmungssonntag hat der rechtbürgerliche Block eine grosse Schlappe eingefahren. Die Zürcher Stimmbevölkerung lehnte die Verkehrsfonds-Vorlage hochkant ab. Im Kantonsrat stimmten noch CVP, FDP, SVP, EDU und BDP ohne eine einzige abweichende Stimme geschlossen für das Gesetz. Bei der Volksabstimmung hingegen legten zwei Drittel der Stimmenden ein Nein ein. Nicht eine einzige Gemeinde stimmte zu.   Bemerkenswert ist dieses Ergebnis auch in Anbetracht der Vorgeschichte dieser Vorlage. Denn bereits 2016 griff der Kantonsrat erstmals in die öV-Kasse Verkehrsfonds. Man wollte sparen und kam auf die Idee, anstatt 70 Mio. Franken nur noch 20 Mio. in den öV-Topf einzulegen. Die…

Viele Postkarten schreiben

Oder um wieder Florian Vock zu zitieren: «Anders zu sein, ist unser Privileg und wir müssen ganz schön viel aushalten dafür. (…) Aber wir dürfen nicht reproduzieren, wozu uns die Gesellschaft drängt: Ausgrenzung.» Also auf zum Postkartenschreiben. Egal woher und wie hübsch sie ausschauen: Viele sollen es sein!

Sand im Getriebe

Der Postauto-Skandal gibt mir zu denken. Ist es vielleicht doch nicht möglich, Dienstleistungen des Service public gewinnbringend anzubieten? In anderen Branchen findet man zwar nicht unbedingt ausgewachsene Betrügereien, aber doch kreatives Ausreizen oder Umdeuten des Systems.

Für alle statt für die FDP

Zehn Abstimmungsvorlagen in der Stadt Zürich am letzten Sonntag– und keine Frage, über welches Resultat ich mich am meisten gefreut habe: Das klare Ja zur städtischen Vorlage fürs Koch-Areal. Sie wurde mit 72,7 Prozent Ja angenommen, während die Volksinitiative der FDP 34,9 Prozent Ja-Stimmen erhielt.

Bild von Markus Kunz

Aufstand der Dummen

Ich stimme trotzdem ja. Nur schon, damit die Debatte weitergeht. Nur schon, damit die Banken irritiert sind, wie damals die Armee. Nur schon, weil es vor 50 Jahren hiess: «Soyez réalistes, demandez l’impossible.»

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Zeit für Väter

Durch den Mutterschaftsurlaub können Mütter – einfach weil sie sich eine zeitlang alleine um das Kind kümmern – die Kinder auch besser betreuen, wissen besser, was sie brauchen und gewöhnen sich daran, sich um alles zu kümmern. Schon schleicht sich die traditionelle Rollenverteilung ein, ohne dass das Paar dies wirklich gewollt hat – auch gerade zu Lasten der Väter.

Nicht wahr?

Frankreich jubelt, allen voran Emmanuel Macron, der den jungen Mann offiziell empfängt und ihm die Staatsbürgerschaft und eine Stelle bei der Feuerwehr verspricht. Denn dieser junge Mann ist nun kein gebürtiger Franzose, sondern ein sogenannter Wirtschaftsflüchtling aus Mali. Seit 2013 von zuhause weg, als Bootsflüchtling in Italien gestrandet und nun in Paris angekommen, wo er bei seinem Bruder lebt. Mamoudou Gassama ist ein illegaler Einwanderer. Einer von so vielen, die in Frankreich und auch bei uns leben und deren Namen, Gesichter und Geschichten wir weder kennen noch sehen wollen.

Ein nötiger Entscheid

Das Fazit ist klar: Mario Fehr beherrscht das Metier eines Regierungsrats. Vieles ist mit den Zielen der SP vereinbar, anderes verstösst zumindest für eine Mehrheit nicht klar gegen diese Ziele. Oder banal ausgedrückt: Mario Fehr verdient für eine Mehrheit keine Abwahl.

Sündenbock auf Silbertablett

Mir liegt es fern, zu behaupten, die SP habe zum Stadionprojekt gefälligst Ja und Amen zu sagen. Mehr gemeinnützigen Wohnraum zu fordern, ist selbstverständlich in Ordnung und in der Stadt Zürich obendrein durch solide Mehrheiten bei Volksabstimmungen legitimiert. Aber eine möglichst solide Mehrheit braucht man beim besten Willen auch für jedes neue konkrete Projekt – und für ein Projekt dieser Grössenordnung erst recht.