Schlagwort Kommentar

Bild von Markus Kunz

Ist Hotzenplotz Schweizer?

Zum Jahresschluss doch noch etwas Biss! Die Nationalität bei Tatverdächtigen – es gilt, ausser bei Männern mit Bart, die Unschuldsvermutung – wird von der Stapo nicht mehr automatisch genannt. Gut so. Es folgte lautes Aufjaulen im ‹Blick›, gefolgt vom ‹Tagi›, der den Hals kurz darauf wendet und lauter zustimmende Texte abdruckt. Da musste die NZZ natürlich auftrumpfen und publizierte eine Woche später ein Interview mit dem obersten Wachmeister Dimpfelmoser, vulgo Hans-Jürg Käser, Präsident der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren. Da lohnt sich die genaue Lektüre.

Anatomie eines Skandals

Der Skandal scheint perfekt: Eine linke Genderforscherin an der Uni Basel verbreitet «demokratiefeindliches Gedankengut». Als Folge davon «entzieht» ihr die Uni den Lehrauftrag. Die Rechten freuts und die Linken schiessen gegen die rückgratlose Uni. Die Rede ist von der Medienaffäre um die Soziologin Franziska Schutzbach, die in den letzten Wochen ihre Wellen schlug.

Ha ke Ahnig

Was das ist, werdet ihr euch fragen. Nun. Es ist ein Song von Steffe la Cheffe, einer Rapperin aus dem Breitsch (das ist ein Quartier in Bern, ich erkläre es euch ein andermal). Aber es ist natürlich noch mehr, der Soundtrack nämlich zum aktuell heissesten Streifen in Zürich. «Alle vs. Nielsen» heisst der. Es ist ein Politkrimi, wie ihn nur Wahlkämpfe schreiben können, geboren in der Not mangels anderer Argumente, und wenn ich auch ein grosses Verständnis habe für alles, was man in Wahlkämpfen macht, dann geht es mir hier ein birebitzeli zu weit. Ok, es geht mir viel zu weit.

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Operation gelungen?

Der Weg zur Hölle ist bekanntlich mit guten Vorsätzen gepflastert. So war das auch mit der neuen Spitalfinanzierung. Diese sollte – so war jedenfalls der Plan – die Gesundheitskosten dank mehr Transparenz, Effizienz und Wettbewerb senken, ohne dabei die qualitative Versorgung zu gefährden.

Digiblast

Mit viel Trara ist eben der Digital Day abgefeiert worden. Bei der gesellschaftlichen Analyse der Digitalisierung dümpeln die Medien leider mehrheitlich im seichten Gewässer: Sie schicken sich hier ins angeblich naturgewaltig Unvermeidliche, das nur Ewiggestrige kritisieren können, preisen es da als ökonomisches Allheilmittel und  beten dort die Probleme technikgläubig gesund.

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Lose-Lose-Situation

«Opposition ist Mist, das sollen die anderen machen», sagte einst der frühere SPD-Chef Franz Müntefering. Heute scheint eher das umgekehrte Motto zu gelten. Regieren ist Mist, das sollen die anderen machen.

Bild von Markus Kunz

Massenumerziehung

Man muss die Würste grillen, wenn sie prall sind. Die Gelegenheit dazu kommt mit der städtischen Volksinitiative zur gesunden Ernährung bzw. ihrem weichgekochten Gegenvorschlag. Die Tatsache, dass die InitiantInnen happige Konzessionen gemacht haben, um immerhin noch einen Teil ihrer Anliegen retten zu können, muss natürlich gar nicht heissen, dass der wurstige Wutbürger bzw. die wütende Wurstbürgerin nicht dennoch kräftig vom Leder ziehen können, um im Bild zu bleiben.

Der Preis steigt

Mit wenigen Ausnahmen (Überbrückung bis zu den Stipendien oder der Arbeitslosenhilfe) ist die Aufforderung zur Selbsthilfe ein Unsinn. Sozialhilfe erhält – von Ausnahmen abgesehen – , wer es alleine nicht mehr schafft und nicht, wer Lust auf die Hängematte hat. Hilfe zur Selbsthilfe ist das Minimum.

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Ärger im Paradies?

Und wieder sind in einem grossen internationalen Datenleck die Mechanismen der Offshore-Welt enthüllt worden. Die sogenannten Paradise-Papers, Daten, die zu einem grossen Teil aus der Anwaltskanzlei «Appleby» stammen, einer Kanzlei, die auf den Bermudas gegründet wurde und über Ableger in verschiedenen Steueroasen verfügt, wurden vor einem Jahr der ‹Süddeutschen Zeitung› übergeben und vom «International Consortium of Journalists» ausgewertet. In der Schweiz waren daran ‹Tages-Anzeiger›, ‹Sonntags-Zeitung›, ‹Der Bund›, ‹24heures›, ‹Le matin dimanche› und ‹Tribune de Genève› beteiligt.

Dieser Herbst

Ich werde dann einfach zu einem netten Menschen und während das vielleicht etwas doof wirkt, wenn ich Fremde im Tram und auf der Strasse anlächle, dann öffnet es gleichzeitig den Blick für Besonderes und Beeindruckendes.