Category Kolumne Post Scriptum

Von Äckern und Strassen

In den letzten Monaten habe ich ja viel Zeit für die Wohnungssuche aufgewendet und durfte dabei auch zweimal Wohnungen in der Saumackerstrasse besichtigen. Leider hat es dort nicht geklappt, denn, so sagte ich mir, es gäbe wohl die eine oder andere Bekannte aus meiner Vergangenheit, die es sehr passend fände, mich bei den Saumackern versorgt zu sehen. 

Vierhänder

Ich arbeite an einer neuen Stelle. Die Schule hat einen hohen Sozialindex, also ein eher aufwändiges Miteinander. In meinem ersten Wahlfach Werken für eine
3. Sek erscheint nur die Hälfte der Gruppe.

He! Sie! Ritter!

Wir sitzen da also abends auf der Piazza del Quarto Novembre, (Bosa, Sardegna), hören zu, wie ein klappriger Jüngling mit Hilfe von Laptop und Synthie ein Platzkonzert gibt (Canzoni, tadellos geschnulzt), und schauen der bosanischen Jugend beim Flirten zu. Da erzählt mir S., die auf dem Telefonino Zeitung liest, dass das Schweizer Militär in Unterwasser, Toggenburg, mit dem Heli Wasser auf die Alpweide transportiere, damit die Kühe dort nicht elendiglich verdursten.

Bild von Markus Kunz

Wahre Arroganz

Ja, verehrtes Publikum, wir hier in der politischen Mehrheit sind richtige Bräzelibuben und -mädchen dagegen. Wahre Arroganz tritt anders auf. Das nehmen wir demütig zur Kenntnis. Aber mehr davon? – Nö, ich denke, es reicht wieder für ein paar Jahrzehnte.

Wohn-Spintisiererei

Vor vier Wochen bin ich umgezogen in eine hübsche 3-Zimmer-Wohnung an szenigster Lage im Kreis 3 – zum Schnäppchenpreis! Spintisiererei? Nein – aber ich muss bereits wieder weitersuchen, denn habe sie nur bekommen, weil die ganze Liegenschaft im November abgerissen wird zugunsten eines «Ersatzneubaus». Dies setze ich in Anführungszeichen, weil mir schwant, dass hier nicht…

Sand im Getriebe

Der Postauto-Skandal gibt mir zu denken. Ist es vielleicht doch nicht möglich, Dienstleistungen des Service public gewinnbringend anzubieten? In anderen Branchen findet man zwar nicht unbedingt ausgewachsene Betrügereien, aber doch kreatives Ausreizen oder Umdeuten des Systems.

Bild von Markus Kunz

Aufstand der Dummen

Ich stimme trotzdem ja. Nur schon, damit die Debatte weitergeht. Nur schon, damit die Banken irritiert sind, wie damals die Armee. Nur schon, weil es vor 50 Jahren hiess: «Soyez réalistes, demandez l’impossible.»

Nicht wahr?

Frankreich jubelt, allen voran Emmanuel Macron, der den jungen Mann offiziell empfängt und ihm die Staatsbürgerschaft und eine Stelle bei der Feuerwehr verspricht. Denn dieser junge Mann ist nun kein gebürtiger Franzose, sondern ein sogenannter Wirtschaftsflüchtling aus Mali. Seit 2013 von zuhause weg, als Bootsflüchtling in Italien gestrandet und nun in Paris angekommen, wo er bei seinem Bruder lebt. Mamoudou Gassama ist ein illegaler Einwanderer. Einer von so vielen, die in Frankreich und auch bei uns leben und deren Namen, Gesichter und Geschichten wir weder kennen noch sehen wollen.

Unschuldig frei

Es ist furchtbar falsch. Ich weiss das so genau, wie ich seit Jahrzehnten nicht weiss, wie ich es ändern könnte. Bis es mir vielleicht einfällt, mache ich es nun so wie Elena Ferrante: «Ich weigere mich aus Prinzip, schlecht über eine andere Frau zu sprechen, selbst wenn ihr Verhalten inakzeptabel, verletzend oder ärgerlich war. Der Grund für meine Haltung ist, dass mir die Situation von Frauen dieser Welt bewusst ist.

Feminismus II

Am 1. Mai trugen in Zürich Feministinnen eine «rebellische Vulva» (ein madonnen-ähnlich gewandetes, übergrosses weibliches Genitale) im Umzug mit. Sie solidarisierten sich so mit Frauen in Spanien, die mit einer ähnlichen Prozession gegen ein Abtreibungsverbot und für sexuelle Freiheit demonstriert hatten. Ein intaktes Patriarchat in Form von Staat, Gerichten und Kirche sanktionierte sie prompt und hart wegen Verletzung religiöser Gefühle.