Category Gedanken zur Woche

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Einfach kompliziert

Der G20-Gipfel ist zu Ende. Und hinterlässt einen etwas ratlos. Die Berichterstattung war dominiert von den Krawallen. Unglaubliche Zerstörungswut der Chaoten. Wie im Krieg sei es gewesen. Und gewisse Bilder sehen auch tatsächlich so aus. Andere wiederum schreiben, es sei die falsche Polizeitaktik gewesen, die zur Eskalation geführt habe. Im Zentrum aber bei beiden Erzählungen: Die Krawalle. Was bleibt noch? Höchstens Angela Merkels Augenrollen.

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Der Balken im eigenen Auge

Ich ärgere mich relativ regelmässig über die Artikel in der NZZ und anderswo, die den Meinungs- und Tugendterror der sogenannten Political Correctness anprangern.

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Gewollte Machtlosigkeit

Wenn man in der Opposition ist und gegen die Regierung antritt, so ist das Motto klar: Wir wollen einen Wechsel! Für die Regierung hingegen gilt: Wer will, dass es so bleibt, wählt uns. Prototypisch dafür ist «keine Experimente», Konrad Adenauers Slogan bei den Bundestagswahlen 1957 oder Barack Obamas berühmtes «Change» bei der amerikanischen Präsidentschaftswahl 2008. «Change» oder Wechsel wollen auch die Bürgerlichen in der Stadt Zürich. Wie vor vier Jahren schon treten SVP, FDP und CVP gemeinsam an, um die bürgerliche Wende im Stadtrat zu erreichen. Die Chancen dafür sind allerdings nicht unbedingt gestiegen.

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Die wahre unsichtbare Hand

Die typische politische Diskussion rund um ausserfamiliäre Kinderbetreuung: Sie ist zu teuer. Das Einkommen der Frau geht ja vollkommen für die Kinderbetreuung drauf. Die Erwerbsarbeit lohnt sich also gar nicht. Was tun: Kosten senken und Steueranreize schaffen.

Ausweitung des Themenspektrums

So gut es tut, solch ermunternde Worte zu hören, die Fortschrittchen, die von der LGBT-Community eins ums andere erstritten werden mussten und weiter müssen, können den kräftigsten Kampfgeist arg strapazieren. Dafür ist das Gemeinschaftsgefühl der Pride da: Energie tanken – und weitermachen.

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Kein Schönwetter-Programm

«Ich werde die Menschenrechte zerstören (rip up) und die Gesetze ändern, wenn sie uns daran hindern, den Terrorismus zu bekämpfen», meinte die englische Pre­mierministerin Theresa May im Nachgang zu den Terroranschlägen in Manchester und London. Das kann man auch als Wahlkampfgeplänkel einer zunehmend nervösen May abtun. Oder als Ausdruck der allgemeinen Hilflosigkeit, wenn es um so etwas unfassbar sinnloses wie Terrorismus geht.

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Ideologische Scherze

Der Philosoph Peter Boghossian und der Mathematiker James Lindsay leisteten sich einen Scherz. Sie schrieben zusammen ein Papier mit dem Titel «The conceptual Penis» (der konzeptuelle Penis), das in der Zeitschrift Cogent Social Science veröffentlicht wurde. Der Penis sei kein Organ, sondern ein soziales Konstrukt, das isomorphisch zu einer performativen toxischen Maskulinität führe.

«Wir sind das Präsidium für alle»

Die Delegierten der SP Kanton Zürich haben am Montag entschieden: Priska Seiler Graf und Andreas Daurù bilden das neue Co-Präsidium. Wie sie das Amt interpretieren und was sie als erstes anpacken wollen, erklären die beiden im Gespräch mit Nicole Soland.

In der Mehrheit

Wann hat es das zum letzten Mal gegeben? Oder eher: Hat es das überhaupt schon mal gegeben? Dass man sich am Abstimmungssonntag die Resultate zu Gemüte führt und feststellt: Die Mehrheit hat den Stimmzettel genau gleich ausgefüllt, wie man es selbst getan hat.

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Unwillkommenskultur

Ganz selten bin ich mal einer Meinung mit Barbara Steinemann oder Claudio Zanetti von der SVP. Nur in einem wohl: In der Skepsis gegenüber Integrationsvereinbarungen. Ich habe ein wenig ein grundsätzliches Unbehagen, wenn der Staat seine Bewohner erziehen will. Und es gruselt mich auch ein wenig vor einer Vorstellung einer Leitkultur, die vom Staat oder vom Boulevard diktiert wird. Wo ein Wohlverhalten verlangt wird, das über die Verfassung und unsere Gesetzgebung – und über das von SchweizerInnen hinausgeht. Und letztlich, ja, finde ich auch, dass Integration auch in der Eigenverantwortung der MigrantInnen liegt.