Category Gedanken zur Woche

Anatomie eines Skandals

Der Skandal scheint perfekt: Eine linke Genderforscherin an der Uni Basel verbreitet «demokratiefeindliches Gedankengut». Als Folge davon «entzieht» ihr die Uni den Lehrauftrag. Die Rechten freuts und die Linken schiessen gegen die rückgratlose Uni. Die Rede ist von der Medienaffäre um die Soziologin Franziska Schutzbach, die in den letzten Wochen ihre Wellen schlug.

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Operation gelungen?

Der Weg zur Hölle ist bekanntlich mit guten Vorsätzen gepflastert. So war das auch mit der neuen Spitalfinanzierung. Diese sollte – so war jedenfalls der Plan – die Gesundheitskosten dank mehr Transparenz, Effizienz und Wettbewerb senken, ohne dabei die qualitative Versorgung zu gefährden.

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Lose-Lose-Situation

«Opposition ist Mist, das sollen die anderen machen», sagte einst der frühere SPD-Chef Franz Müntefering. Heute scheint eher das umgekehrte Motto zu gelten. Regieren ist Mist, das sollen die anderen machen.

Der Preis steigt

Mit wenigen Ausnahmen (Überbrückung bis zu den Stipendien oder der Arbeitslosenhilfe) ist die Aufforderung zur Selbsthilfe ein Unsinn. Sozialhilfe erhält – von Ausnahmen abgesehen – , wer es alleine nicht mehr schafft und nicht, wer Lust auf die Hängematte hat. Hilfe zur Selbsthilfe ist das Minimum.

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Ärger im Paradies?

Und wieder sind in einem grossen internationalen Datenleck die Mechanismen der Offshore-Welt enthüllt worden. Die sogenannten Paradise-Papers, Daten, die zu einem grossen Teil aus der Anwaltskanzlei «Appleby» stammen, einer Kanzlei, die auf den Bermudas gegründet wurde und über Ableger in verschiedenen Steueroasen verfügt, wurden vor einem Jahr der ‹Süddeutschen Zeitung› übergeben und vom «International Consortium of Journalists» ausgewertet. In der Schweiz waren daran ‹Tages-Anzeiger›, ‹Sonntags-Zeitung›, ‹Der Bund›, ‹24heures›, ‹Le matin dimanche› und ‹Tribune de Genève› beteiligt.

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Watergate 2.0?

Mittlerweile wird ja jedes Skandäli mit einem «gate» zum Schluss versehen, damit man auch merkt, dass es wirklich ein Skandal ist. Vielleicht hat es auch einfach ein Versehen gegeben, das nun mal überall vorkommt, auch in Amtsstuben und Ratssälen. 

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Dabeisein?

Manchmal regt sich in mir eine kleine Rebellin. Wenn alle etwas schlecht finden, beginne ich mich zu fragen, ob an der Geschichte nicht doch was Gutes dran ist. Das passiert natürlich vor allem bei Dingen, die mir eigentlich ein wenig Wurst sind. Zum Beispiel Olympia. Ich habe – ausser den Berner SP-Ständerat Hans Stöckli, der im Organisationskomitee von Sion 2026 sitzt – noch kein Mitglied von SP oder Grünen gehört, das sich irgendwie positiv zu Olympia geäussert hätte. Und es ist nicht nur eine Kritik an dieser spezifischen Kandidatur, auch nicht allein zu Olympia, sondern eine totale Grundsatzopposition. Auch gegen Fussball-Weltmeisterschaften oder Landesausstellungen. 

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Mitgefühl reicht nicht

Was ist also der richtige Umgang mit der Rechten? Es gibt keinen. Es bleibt nur eines: Wir sollten aufhören, uns an der Rechten abzuarbeiten (das gilt auch für mich selbst). Und uns darauf konzentrieren, welche Politik wir eigentlich selber wollen. Also nicht das tun, was rechts ist, sondern was wir richtig finden.  

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Suppen und Sündenböcke

Ich kann gut damit leben, für Dinge zu zahlen, die ich nicht oder selten nutze, aber dennoch sinnvoll sind. Tue ich ja mit meinen Steuern auch. Nur geht es nicht nur um mich. Die sich verändernden Mediengewohnheiten sind ein grosses Problem für die SRG. Die Zeiten, als sich eine Nation am Samstagabend vor dem TV als modernem Lagerfeuer versammelt, sind vorbei. Das Durchschnittsalter der SRF-ZuschauerInnen steigt.

Filz für Fortgeschrittene

Das Koch-Areal, genauer die Lautstärke der dort gespielten Musik, war vor nicht allzu langer Zeit in aller Munde. Das heisst, vor allem im Munde der FDP, die im Gemeinderat fleissig Vorstösse einreichte. Dann sank der Lärmpegel – und parallel dazu das Geschrei in den Medien.