Positive Trends

Winterthur weist nach wie vor eine hohe Sozialhilfequote auf und muss auch in den nächsten Jahren mit zusätzlichen Ausgaben rechnen. Aber 2018 stieg die Quote erstmals nicht an, und die Anzahl der Ablösungen nahm deutlich zu. Die Sozialhilfequote von 5,6 Prozent nahm in Winterthur 2018 erstmals seit 2013 nicht mehr zu. Die kon­stante Quote ist einerseits auf die kleinere Zunahme der Fallzahlen bei der Sozialhilfe und der etwas grösseren bei den Ergänzungsleistungen zurückzuführen, anderseits auf die steigende Einwohnerzahl. Die Quote verläuft parallel zur Einwohnerzahl. Winterthur übt also derzeit kaum eine Sogwirkung auf Schlechtgestellte aus, aber sie meiden die Stadt auch nicht.

 

Übergangshilfe

Die Entwicklung in der Sozialhilfe und bei den Zusatzleistungen ist recht unterschiedlich: Bezogen 2009 2715 Fälle (ein Fall ist ein Haushalt, sei dies eine Einzelperson oder eine Familie mit oder ohne Kinder) Sozialhilfe, waren es 2018 4576 Fälle, wobei sich der Zuwachs seit 2016 verlangsamt. Zusatzleistungen bezogen 2009 3389 Fälle, 2018 waren es 4203 Fälle, wobei zwischen 2017 und 2018 ein beachtlicher Zuwachs von 200 Fällen erfolgte. Obwohl bei der Sozialhilfe wie auch bei den Zusatzleistungen Bund und Kanton die zu bezahlenden Leistungen detailliert regeln, existieren dennoch kleine Unterschiede: Während bei den Zusatzleistungen für AHV- und IV-BezügerInnen der Spielraum sehr klein ist, kann die Gemeinde bei der Sozialhilfe Akzente setzen, die die Gesamtsumme und vor allem die Effizienz beeinflussen; zumindest solange in der Wirtschaft ein Bedarf an Arbeitskräften besteht. Sozialhilfe ist im Prinzip als Übergangshilfe gedacht: Sie sollte dann eingesetzt werden, wenn jemand in ein Loch fiel und Zeit und eventuell auch Hilfe benötigt, um sich daraus wieder herauszustrampeln. In rund der Hälfte der Fälle funktioniert die Sozialhilfe in Winterthur noch nach diesem System. Beziehende verlassen die Sozialhilfe nach einem, immer mehr nach zwei oder drei Jahren und finden im besten Fall eine Stelle im ersten Arbeitsmarkt, im zweitbesten Fall erhalten sie eine Rente und im drittbesten Fall für die Gemeinde ziehen sie in eine andere.

 

Mehr Ablösungen im zweiten und dritten Jahr

2018 gelang vor allem der Abschluss in Winterthur gut: 1141 Fälle konnten abgeschlossen werden, während «nur» 1210 neue hinzukamen. Dabei setzte sich eine Entwicklung fort: Die Zahl der Ablösungen im ersten Jahr nimmt ab, dafür konnten mehr im zweiten und dritten Jahr abgelöst werden. Praktisch bedeutet dies, dass die Wirtschaft in Winterthur Personen aus der Sozialhilfe aufnehmen kann: Aber sie müssen zuerst aufwendiger ausgebildet werden. Das hängt stark damit zusammen, dass der Bedarf an Hilfskräften sinkt, während Ausgebildete gesucht sind. Gelingt es, SozialhilfeempfängerInnen zu qualifizieren, steigen derzeit ihre Vermittlungschancen. Winterthur investierte in die Sozialhilfe mit einem besseren Betreuungsschlüssel und es besteht die Hoffnung, dass sich dies lohnt. Die Ausgaben für die Sozialhilfe werden dadurch nicht kleiner, die Resultate aber besser. Hier zeichnet sich zudem eine neue Notwendigkeit ab: Bei Jugendlichen galt schon immer Ausbildung vor Sofortbeschäftigung, nun scheint dies auch für über 45 Jährige immer nötiger.

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