Kunstkrux

Ruedi Häusermann beschenkt uns mit einer Kleinkunstperle, die Kunst­herstellung als solche thematisiert.

 

Proben und sich zeitgleich selber vermarkten, die Welt erobern und schon an deren Grössenverhältnissen scheitern – es soll Augenblicke im Leben geben, in denen nicht mehr ganz so klar unterscheidbar ist, was vorne und was hinten ist. Also spielt Herwig Ursin mal zum Publikum hin, dann hinter dem Paravent ins Off. Also widmet sich das Kubus-Streichquartett mal der Würdigung alles Schönen, um gleich genauso gekonnt einen Staubsauer zu begleiten. «Letzter Aufruf für Ursin und Kubus» ist die Konzerttheater gewordene Beweisführung, wie herausfordernd vielfältig das Berufsfeld der kreativen Kunstherstellung ist. Die Polen wollen keine Choreographie und kein Miniakkordeon, der Lieferservice hat die Rauchmaschine abgegeben, ohne zu klingeln, und das Fernsehen hat bei seiner Aufnahme mehrheitlich Wünsche, die der eigenen Dramaturgie zuwiderlaufen. Es könnte zum Verzweifeln sein, wenns (zum Zusehen) nicht gar so lustig wär. Die vier Musikerinnen Ola Sendecki, Ruth Gierten, Liese und Trude Mészár entlocken ihren Instrumenten Töne, die kaum darin lauernd vermutet wurden, sind zur Not auch Souffleusen, Übersetzerinnen, Bühnenrowdies, Vorzeigeballett und ernsthafte Kammermusikerinnen. Wenn die Kreativität drängt, rauszudürfen, das Bedürfnis nach eigener Freiheit der Entscheidungen dem geruhsamen Angestelltendasein aber im Weg steht, bleibt einzig das Dasein als Eier legende Wollmilchsau – bei prekärem Entgelt. Die Raffiniertheit, mit der hier der Umgang mit Technik und Bühnenbau (Edith Szabò) in Handlung transformiert werden, erschliesst sich einem erst nach und nach – ähnlich verhält es sich mit dem malerischen Ausdruck Herwig Ursins: Aus Klecksen wird die ganze Welt. Eine (Lebens-)Welt, die zwar ihre Mängel hat, aber trotz ihrer schier endlosen Stolperfallen und Irrwegen eben doch die allerliebste ist. Tapfer weitermachen! Denn die Welt wartet (darauf). froh.
«Letzter Aufruf für Ursin und Kubus», 15.3., Theater
Rigiblick, Zürich.

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