Keine weiteren Studien

Ich habe es so dermassen satt. Diese Studien. Diese Studien, die herausfinden, dass Väter nach der Geburt ihres Kindes gar nicht daheim bleiben möchten. Gerade wurde wieder über eine berichtet: «Väter gehen lieber ins Büro», steht im Titel, dann: « Die wenigsten Männer nehmen nach der Geburt unbezahlte Elternzeit, obwohl Grossbetriebe das anbieten».

 

Liest man genauer, ist es wie immer. Nämlich anders. Es sind die unbezahlten Absenzen, die unbeliebt sind. Ganz im Gegensatz zu jenen, die das Unternehmen mitfinanziert. Dann beziehen die Männer nämlich durchaus Vaterschaftsurlaub. Und wenn das Arbeitsumfeld ganz grundsätzlich familienfreundlich ist, ermutigt es Männer, sogar ohne Lohn länger zu Hause zu bleiben. Zusammengefasst: Männer bleiben dann nicht so gerne zu Hause, wenn sie alles selber bezahlen müssen, alle Ferienwochen investieren sollen und es insgesamt im Betrieb weder üblich noch beliebt ist. Wie verblüffend!

 

Die Beschränktheit der Aussagekraft wird nur noch unterschritten von der Unnötigkeit solcher Studien an sich. Weil, wenn die Männer jetzt tatsächlich lieber ins Büro gehen würden, was dann?
Die einzige relevante Studie dazu, ob es sinnvoll ist, dass Väter nach der Geburt ihres Kindes ebenfalls zuhause bleiben, wurde bereits gemacht. Von uns allen, die wir Kinder haben. Von uns Frauen vor allem. Wir wissen: wenn es so bleibt, wie es ist, die Väter nach der Geburt also nur wenige Tage oder zwei Wochen daheimbleiben, dann hängt auch die nächsten 2000 Jahre alles nur an uns. Dann wird diese elende Rollenteilung so zementiert bleiben, wie sie es heute ist und dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob parallel dazu mehr Frauen berufstätig sind oder nicht. Wenn wir weiterhin die ersten Wochen alleine zuhause bleiben, dann wird es die Gleichstellung nie geben – sei es jene im Beruf oder jene daheim.
Durch diese ersten Wochen, die wir nach der Geburt alleine mit unseren Kindern verbringen, legen wir den Grundstein dafür, dass wir uns für den Rest unseres Lebens viel stärker um die kinderspezifischen Angelegenheiten kümmern als der Elternteil, der keinen Urlaub hat.

 

Oder wer von euch hat es jemals erlebt, dass eine Einladung zu einem Kindergeburtstag von einem Vater gemacht und verschickt wurde? Und wer hätte es erlebt, dass das Fest dann vom Vater alleine geschmissen wird – obwohl die Mütter das sehr oft machen (an einem Nachmittag unter der Woche, da kann der Vater nicht, dafür die Mutter, die legts auf den freien Tag, den sie dank Teilzeit hat). Welcher Vater kann aus dem Stand die Schuh- und Kleidergrösse seiner Kinder nennen? Welcher Vater macht alle Kinderarztkontrolltermine ab und geht dann auch hin? Welcher Vater hat alle Geburtstage seiner engsten Familie im Kopf, inklusive jene der Eltern seiner Frau? Welcher Vater hat alle Telefonnummern der Freundinnen und Freunde der Kinder gespeichert? Welcher Vater schneidet die Zehen- und Fingernägel seiner Kinder? Wieviele Väter gehen alleine ans Elterngespräch, weil die Frau sich gerade gar nicht freischaufeln kann? Wen ruft die Krippe, der Hort, die Schule als Erstes an, wenn das Kind krank ist?
Natürlich gibt es Ausnahmen. Natürlich basiert obige Aufteilung manchmal auch auf einer expliziten Abmachung. Allerdings reden wir hier nun nicht über Ausnahmen. Wir reden über den Regelfall. Wir reden darüber, dass Frauen diesen einen Teil der Arbeit leisten, weil sie das im Mutterschaftsurlaub so gelernt haben.

 

Es braucht also keine weiteren Studien. Es braucht Väter zu Hause. Von Anfang an.

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