Geld schreibt den Verlauf unserer Geschichte

Anika Brunner

 

«Was wir hier in der Schweiz in der Klimapolitik entscheiden, hat sowieso keinen Einfluss auf das globale Klima!», eine Aussage, die ich immer wieder in Gesprächen oder auf Podien höre.

 

Eines ist klar: Die Schweiz allein kann die Welt nicht retten. Alle Länder stehen in der Verantwortung. Die Stärkung der internationalen Zusammenarbeit – nicht nur in der Klimapolitik – ist im 21. Jahrhundert zentraler denn je. Doch Fakt ist: Erstens, die reichen Staaten treiben die Klimakrise im grössten Masse an. Zweitens zeigt sich, dass die Schweiz durch ihren Finanzplatz zu einem globalen wichtigen Player in der Klimapolitik wird.

Mehr als ein Viertel des weltweit grenzüberschreitenden Vermögens wird in der Schweiz verwaltet. Die aktuelle Investitionslogik des Finanzplatzes unterstützt eine Erderwärmung von 4 bis 6 Grad. Zur Erinnerung: Wir sollten laut den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen bei maximal 1,5 Grad bleiben. Wir müssen uns also definitiv nicht kleiner machen, als wir sind.

Selbstverständlich ist es wichtig, dass jeder und jede selbst handelt und sich fürs Klima einsetzt, beispielsweise durch eine pflanzliche Ernährung oder das Umsteigen auf den öffentlichen Verkehr. Doch wenn wir sehen, dass der Schweizer Finanzplatz 22 mal so viele Treibhausgasemmissionen wie unser Land direkt ausstösst, so müsste allen klar sein, wo wir ansetzen müssen.

Das bedeutet, man kann noch so umweltfreundlich leben, bringt man sein Geld zur Bank und zahlt in die Pensionskasse ein, so wird mit genau diesem Geld die Klimakrise weiter befeuert. Denn das Geld wird investiert in fossile Energiebranchen – den Treiber der Klimakrise.

Der Finanzplatz spielt eine entscheidende Rolle in der Zukunft unserer Menschheitsgeschichte. Denn die Investitionen von heute bestimmen unser Leben von morgen.

Grosse Macht bringt aber auch grosse Verantwortung mit sich. Deshalb müssten Finanzinstitute ihre direkten und indirekten Investitionen transparent deklarieren und regelmässig Risiken und Opportunitäten analysieren. Die Geldflüsse der Nationalbank, der Pensionskassen und weiteren Finanzinstitute müssen mit den Klimazielen in Einklang gebracht werden. Wir brauchen Regeln und Richtlinien für Investitionen.

Dies forderte auch bereits 2015 das von allen Ländern unterschriebene Pariser Klimaabkommen. Wer ehrliche Klimapolitik macht, kann das Handeln nicht nur auf die Einzelperson abdelegieren, sondern sorgt für vernünftige politische Rahmenbedingungen und scheut sich auch nicht, die Probleme an der Wurzel zu packen.

Es kann nicht sein, dass für den kurzfristigen Profit unsere Zukunft verspielt wird.

 

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