Frauen(t)räume

In den siebziger- und achtziger Jahren wurde es zur feministischen Selbstver-ständlichkeit, für Frauen öffentliche Räume einzufordern. In gemischten Gruppen über das Verhältnis der Geschlechter zu diskutieren, war ja extrem unerspriesslich.
Selbst linke Männer erklärten den Frauen, wie Emanzipation geht – selbstverständlich aber nicht ihre eigene, oder was das eigentliche Problem sei – nämlich nicht das Verhältnis zwischen den Geschlechtern, oder Mann verteidigte, redete schön, relativierte.

 

Damals entstanden Frauenhäuser, Frauendiscos, Frauenkinos usw. (Einige wenige emanzipatorische Männergruppen gab es auch.) Die breite Allgemeinheit fand das unnötig. Die Frauen dürften ja jederzeit auch in Männerdomänen mitmachen, also im Militär, am Stammtisch, in Schützen-, Jagd-, oder sonstigen Vereinen, in der Politik oder auf den Führungsetagen – wenn sie denn die Kompetenz dazu hätten. Man monierte, der Separatismus der Frauen sei kontraproduktiv, sie müssten die Männer miteinbeziehen, sonst dürften sie sich nicht wundern, wenn diese die Emanzipation ablehnten.

 

Viele dieser Fraueninstitutionen sind irgendwann wieder verschwunden – nicht alle wurden politisch oder finanziell abgewürgt. Manchmal kamen die Frauen einfach nicht mehr. Fanden sie es ohne Männer langweilig? Hatten sie kein gemeinsames Ziel mehr zu erstreiten? Oder ist es eben doch nicht befriedigend, sich im kleinen Zirkel gesondert zu treffen, während die Weltherrschaft immer noch unantastbar in Männerhand liegt? Es wäre jedoch sträflich, zu behaupten, diese Räume hätten nichts bewirkt. Vergleicht man die damalige Stimmung, z.B. anhand des Films «Die göttliche Ordnung» mit heute, fällt der Unterschied sofort auf: So vieles ist für Frauen dank ihrem unermüdlichen Engagement unterdessen selbstverständlich geworden.

 

Die Nichtpräsenz von Frauen an öffentlichen Orten zieht sich jedoch bis heute durch, jüngst etwa als Klage in der Gratispresse, die Frauen seien in Fernseh-Shows untervertreten. Grosses Rätselraten über die Gründe, wo doch die Frauen heute gleich gut oder besser ausgebildet, qualifiziert, geeignet sind, auch Mut, Schwung, Erfahrung oder Durchsetzungswillen mitbringen. Sie wollten eben bei ihren Kindern bleiben, oder sie wollten sich nicht exponieren, heisst es dann in einer Art Realitätsverweigerung. Denn wie es sich anfühlt, in der Männerwelt eine Frau zu sein – exponiert oder nicht –, weiss die halbe Welt ja schon immer: Die Frauen erleben kaum je ein faires Kräftemessen im Kampf um ihre gesellschaftliche Stellung. Sondern die Gegenseite (meistens Männer, aber leider auch einige Frauen) entscheidet das Match jenseits aller Spielregeln für sich: nämlich unter der Gürtellinie, siehe etwa den Fall Kavanagh.

 

Heute gibt es neue öffentliche Räume: die social media. (In gewisser Weise müssen wir ihren unsäglichen Trollen geradezu dankbar sein, dass sie für alle sichtbar vorführen, was Frauen tagtäglich im Grossen und im Kleinen widerfährt.) Die neuen Frauenräume sind einerseits mediale Bewegungen wie MeToo oder Netzcourage, die den unfairen Kampf unermüdlich anprangern. Aber auch eine neue Vielfalt an feministischen Diskussionsrunden, Lesegruppen, Redaktionen bis hin zur autodidaktischen Frauen-Unis, die am universellen Ziel arbeiten, uns Frauen endlich zur Würde, zur Stimme und zum guten Leben zu verhelfen, das uns seit jeher zustünde.

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