ERZ-Saga Nr. 3: Fernwärme – der Fall Durena AG

Nicht nur bei ERZ Abfall, auch bei ERZ Fernwärme gibt es «Hoflieferanten». Über die Durena-Connection berichtet Niggi Scherr in der ERZ-Saga Teil 3.

 

Die Durena AG aus Lenzburg ist sozusagen der Hausplaner bei ERZ Fernwärme. Die firmeneigene Referenzliste nennt folgende grössere ERZ-Aufträge:

• Beim Holzheizkraftwerk Aubrugg (2009-2011, 75 Mio. Franken) zeichnete die Durena AG verantwortlich für Projektentwicklung, Konzept & Businessplan, Gesamtprojektleitung & Generalplanung, sowie für die Fachplanung Kesselanlage, thermisches System, Dampfturbogruppe und Holzlogistik;

• beim Einbau der drei neuen Spitzenlastkessel im Heizkraftwerk Aubrugg (2009-2011, 15 Mio. Franken) war sie für die Einbindung ins Fernwärmenetz Zürich zuständig (Planung, Ausschreibung, Fachbauleitung, Inbetriebnahme und Optimierung der Einbindung in das Fernwärmesystem);

• beim Fernwärmespeicher Hagenholz (2015-2016, 9,6 Mio. Franken) erstellte sie das verfahrenstechnische Konzept sowie den technischen Teil der Ausschreibung der Anlage und begleitete die Ausführung der Anlage im Bereich der Verfahrenstechnik sowie mit einem Mandat für die Koordination.

 

Auch bei dem mit Abstand grössten Fernwärme-Vorhaben, dem zurzeit in der gemeinderätlichen Kommission beratenen 235-Mio.-Projekt für eine Verbindungsleitung zwischen den Fernwärmenetzen Zürich-Nord und Zürich-West als Ersatz für die heutige Fernheizungsanlage an der Josefstrasse (GR 2017/220), kam die Durena AG zum Zug. 2012 wurde sie freihändig als Generalplanerin mit der Vorprojektierung beauftragt, im Ausführungsprojekt ist sie für die Verfahrenstechnik verantwortlich. Die auf die Ausnahmeklausel § 10 Abs. 1 lit. c der Submissionsverordnung («technische oder künstlerische Besonderheiten des Auftrags») gestützte freihändige Vergabe begründet der Stadtrat im StRB 2012/725 wie folgt: «Die Mitarbeitenden dieser Firma arbeiten seit Jahrzehnten als Planer für ERZ Fernwärme und kennen als einzige die technischen Besonderheiten der fraglichen Netze. Sie verfügen über detaillierte Kenntnisse der Besonderheiten des gesamten Fernwärmenetzsystems, seiner unterschiedlichen Hauptwärmequellen und der lokal dezen-tralisierten Spitzenlast-Zuführungen. Das Durena-Personal hat über einen langen Zeitraum Netzberechnungen erstellt und aufwändig gepflegt, so dass es heute über zuverlässiqe Basisdaten verfügt, auf denen ein Gross-projekt wie der geplante Netzzusammenschluss solide abgestützt werden kann.»

 

ERZ verschafft Durena AG Konkurrenzvorteil

Dass die Lenzburger Firma dank zahlreicher früherer Planungsaufträge über spezifisches Insiderwissen über das komplexe Fernwärme-System verfügt, steht ausser Frage. Allerdings sollte dieses Systemwissen – das auf bezahlten ERZ-Aufträgen beruht – auch inhouse beim Anlagenbetreiber dokumentiert und verfügbar sein. Nimmt man die Begründung zum Nennwert, bedeutet das, dass ERZ Fernwärme auf Gedeih und Verderb vom Fachwissen eines privaten Dritten abhängig ist. Aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang ein Hinweis im Durena-Newsletter 2013/1 über folgenden Auftrag: «Aufnahme und Dokumentation von 30 bestehenden Fernwärmeübergabestationen Entsorgung und Recycling Zürich ERZ». Mit diesem Auftrag zur Bestandesaufnahme hat ERZ ihrem Wunschplaner aktiv einen weiteren Wissensvorsprung gegenüber potenziellen Konkurrenten verschafft.

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