Entschlossen gegen Ensemble

Der Showdown um ein zweites Zürcher Fussballstadion neigt sich dem Ende zu. In 23 Tagen können die StadtzürcherInnen darüber abstimmen, ob auf der Hardturm-Brache das Projekt Ensemble realisiert werden soll oder nicht. Dazu hat die SP in einer Medienkonferenz vor einer Woche ihren Kampagnen-Schlussspurt gegen das Stadionprojekt lanciert.

 

Zara Zatti

 

Die SP Zürich will in den letzten Wochen vor der Abstimmung aufzeigen, dass die Bevölkerung mit dem Projekt Ensemble über den Tisch gezogen wird. Am 23. August lancierte die SP zudem eine Initiative für ein alternatives und von der Stadt finanziertes Stadion. Diese soll den ZürcherInnen vor Augen führen, dass der Traum von einem Fussballstadion auf dem Hardturm-Areal auch bei einem Nein am 25. November nicht begraben ist, betonte die Präsidentin der SP Stadt Zürich, Liv Mahrer. Ein Ja an der Urne sei also nicht die «letzte Chance», wie es von den Befürwortern von Ensemble gerne suggeriert wird. Wie SP-Gemeinderat Pawel Silberring sagt, soll die Initiative noch vor dem Abstimmungssonntag eingereicht werden.

 

Keine teuren Wohnungen
Dass sich auch die SP ein richtiges Fussballstadion für die Stadt Zürich wünscht, stellte Nationalrätin Jacqueline Badran gleich zu Beginn der Medienkonferenz klar: «Die SP will ein Stadion, denn die meisten Fussballfans findet man in der Partei». Beim Projekt Ensemble aber handle es sich um eine «Mogelpackung», und es stehe für alles, wogegen die SP seit Jahren kämpfe. Ein Dorn im Auge sind Jacqueline Badran vor allem die teuren Wohnungen, die mit dem Projekt in den beiden 137 Meter hohen Türmen entstehen. Zudem müsse man damit rechnen, dass das Projekt gar nicht realisiert werden könne und den Fussballfans ein Stadion verwehrt bleibe, argumentierte Ba­dran weiter: Denn eine finanziell potente Gruppe aus Höngg habe bereits angekündigt, sowohl gegen den Gestaltungsplan als auch die Baubewilligung des Projekts vor das Bundesgericht zu ziehen. Dabei sei die Wahrscheinlichkeit, dass das Bundesgericht der Beschwerde Recht gebe, relativ gross: «Das Projektrisiko von Ensemble ist nicht hinzunehmen, allein schon deshalb drängt sich eine Alternative für ein reines Fussballstadion ohne Hochhäuser auf.» Besonders störend empfindet die Partei die Gratis-Plakette, welche sich das Projekt Ensemble anhänge: «Die Geschichte, wonach die Zürcher ein Gratis-Stadion bekommen, ist schlicht falsch», sagt Badran. Die Credit Suisse bezahle das Stadion nicht, sondern würde dieses lediglich vorfinanzieren: «Effektiv bezahlt wird das Stadion von den Steuerzahlenden und den MieterInnen. Mit einer jährlichen Rendite von 4,725 Millionen Franken auf die Wohntürme bedeute das bei 595 Wohnungen im Durchschnitt ein Beitrag der MieterInnen von 660 Franken pro Monat und Wohnung an das Stadion, erklärt Pawel Silberring. Hinzu komme der reduzierte Baurechtszins von 1,7 Mio. Franken jährlich, der die Steuerzahlenden über die 92 Jahre um 260 Millionen Franken bringen würde, sowie die 1,338 Milliarden Franken, die der Credit Suisse beim Heimfall zufallen würden: «Dies ist inakzeptabel», betont Jacqueline Ba­dran und erklärt, eine Genossenschaft würde lediglich 239 Millionen Franken erhalten. Würde man diese Kosten dem Projekt Ensemble anrechnen, käme ein öffentlich finanziertes Stadion schliesslich billiger. Die 5,7 Prozent Rendite auf den Baukosten der Hochhäuser, welche die MieterInnen finanzieren müssten, seien nicht nur inakzeptabel, sondern auch illegal: «Das ist generell, aber erst recht auf städtischem Land inakzeptabel und unter keinem Titel zu tolerieren», findet die SP-Nationalrätin und sagt weiter: «Zürich braucht keinesfalls noch mehr seelenlose Hochhausbauten mit überteuerten Mieten, wie sie sich in den letzten Jahren über Zürich-West hingezogen haben». Ausserdem sei es wichtig zu wissen, dass die Mietzinse, wie sie momentan auf der Homepage des Projekts Ensemble angegeben sind, etwa eine 2,5-Zimmer-Wohnung für 2300 Franken, keinesfalls verbindlich seien und beliebig angepasst werden können. Es sei davon auszugehen, dass die CS für ihre Investoren das Maximum rausholen wird.

 

Zürich verdient eine Alternative
Mit ihrer Initiative will die Partei eine Alternativmöglichkeit bieten. Diese sieht folgendermassen aus: Ein von der Stadt finanziertes Stadion für maximal 130 Millionen Franken. Hinzu kommen die Ausgaben für die Altlastensanierung im einstelligen Millionenbereich sowie die Übertragung vom Finanz- ins Verwaltungsvermögen, was etwa 40 Millionen ausmachen würde, erklärt Liv Mahrer. Im Vergleich zur städtischen Vorlage von 2013, die mit 50,8 Prozent Nein-Stimmen damals knapp abgelehnt wurde, sei das neue Projekt im Bau günstiger, und auch die jährlichen Betriebskosten fallen weg. Diese sollen von den Clubs oder der Betriebsgesellschaft übernommen werden. Liv Mahrer fügt an: «Für alle, die behaupten, die Clubs könnten sich den Betrieb nicht leisten, müssen wir nochmals klarstellen: Beim Projekt Ensemble funktioniert die Finanzierung genau gleich. Es gibt keine Betriebsbeiträge von Seiten der Investoren.»

 

Ein entscheidender Vorteil des SP-Projekts sei der Wegfall der beiden Wohntürme, betont Mahrer: Die Wahrscheinlichkeit für Rekurse seien bei einem Projekt ohne Hochhäuser wesentlich geringer und hätten, falls es doch welche geben sollte, deutlich geringere Erfolgschancen. Nebst dem Stadion sei für die SP klar, dass auf dem Hardturm-Areal 100 Prozent gemeinnützige Wohnungen entstehen sollen: «Wir brauchen Lebensraum von Menschen für Menschen», meint Jacqueline Badran. Weshalb auch das Argument, wonach beim Projekt Ensemble das Risiko ganzheitlich bei Privaten und nicht bei der Stadt liegen würde, mit Vorsicht genossen werden müsse, erklärte Pawel Silberring: Die Eigentümerin des Stadions, die Stadion Zürich AG, könne nur im Rahmen der eigenen Ressourcen die Verantwortung tragen. Weder die CS noch die HRS seien rechtlich oder finanziell in die Verantwortung eingebunden. Pawel Silberring warnt vor einem frühzeitigen Heimfall, falls beispielsweise die Clubs die Miete nicht mehr bezahlen könnten: «Die Stadt erhält dann ein Stadion mit einem nicht funktionierenden Businessplan.» Die Stadion Zürich AG würde selber über praktisch keine finanziellen Mittel verfügen und habe auch keine Unterstützung im Hintergrund. Als Vergleich zieht der SP-Gemeinderat die geplante Eishockey-Arena herbei: Diese verfüge bei Start des Spielbetriebs über eine Million flüssige Mittel, die Stadion Zürich AG gerade mal über einen Zehntel davon. Silberring kommt zum Schluss: «Solange der Businessplan aufgeht, funktioniert er für die Stadt sowohl mit Ensemble wie auch mit einem städtischen Stadion. Geht er nicht auf, hilft auch das schmalbrüstige Gebilde der Stadion Zürich AG nicht.»

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